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von großen^Würfeln aus den Ecken und zuweilen auch in der Mitte) mit einer Kugel von 24 Centi- meter Durchmesser auf jeder Ecke versehen ist. In die beiden vorderen Kugeln sind vertheilt die Buch­staben D M (Dis Manibus) eingehauen. Eine eigenthümliche Erscheinung ist die, daß Deckel und Sarg trotz ihrer gleichen Größe nicht zusammengehö­ren, wie dies aus den verschiedenen Löchern für die Klammern, welche den Sarg schlossen, und namentlich aus den Inschriften ersichtlich ist. Der untere Rand des Deckels enthält nämlich die erste Zeile einer Grabschrift auf den einzigen Sohn seiner Eltern Peregrinus Justinus; die vordere Seite des Sarges selbst dagegen zeigt in schlichter Umrahmung und mit geschmackvoller Verzierung zu beiden Seiten eine sorgfältig eingemeißelte Inschrift, welche besagt, daß dieser Sarg der Attiana Ursa von ihrem Gatten Domitius Salvianus und seinen Kindern Ursus und Salvia gesetzt ist. Der Sarkophag ist bereits früher geöffnet und, nach Entfernung der Beigaben, mit dem Deckel eines anderen Sarges, wie solche in der Nähe leicht zu greifen waren, wieder geschlossen worden, oder aber, und das ist wohl das Wahrschein­lichere, die Leiche, welche jetzt noch unversehrt im Sarge lag, war nicht die ursprüngliche reiche Frau mehr, sondern der früher bereits benutzte Sarg ist zum zweiten Mal (wohl nicht vor der zweiten Hälfte des IV. Jahrhunderts n. Ehr.) zur Ruhestätte einer anderen Leiche benutzt worden, wie dies bei den in der Reuen Anlage diesmal gefundenen Steinsärgen zweifellos geschehen ist. Der Deckel ist, der Buchsta­benform nach zu schließen, älter als der Sarg; beide sind von rothem Sandstein, sind also wohl dem III. Jahrhundert n. Ehr. zuzuweisen. Daß diese Steinsärge mit ihren durchweg sorgfältig und häufig in ungewöhnlich großen Buchstaben eingehauenen Inschriften, mit ihren Verzierungen und den meist in Dachform gebildeten Deckeln nicht unter die Erde gekommen sind, kann als ausgemachte Sache gelten; ein solcher Steinsarg war ein ziemlich kostspieliger Luxus, den nur reiche Leute sich gestatten konnten. Diese Särge standen zweifellos in Gärten, an der Straße rc. in überdachten Grabnischen, vielleicht einer Art Gruft (Familienbegräbnisse), wo die Seite des Sarges mit der Inschrift als Leichenstein frei­stand und stets gelesen werden konnte. Billig und allgemeiner wurden auch steinerne Särge, als man am Ende der römischen Herrschaft am Rhein die Pietät gegen die Todten, vielleicht durch die Verhält­nisse gezwungen, abwarf und früher bereits benutzte Steinsärge mit neuen Leichen belegte, wie dies auf dem oberen Theile des Friedhofes in der Reuen Anlage, der jetzt freigelegt wird, mit überraschender Deutlichkeit zu constatiren ist. Die normale Begräb- nißart war in Holzsärgen (Vleisärge bilden eine seltene, durch besondere Umstände zu erklärende Aus­nahme), wie solche auf dem beim Umbau der Lud- wigsbahn vor mehreren Jahren freigelegten Theile des Grabfeldes vor dem Neuthor an den übrig ge­

bliebenen großen Nägeln zu verfolgen waren, nachdem etwa mit dem Ende des III. christlichen Jahrhunderts die Leichenverbrennung bei den Römern im Allge­meinen abgeschafft worden war.

Die falsche Braut. Ein junger Gesell, der in Berlin arbeitete, machte Abends am Brunnen die Bekanntschaft eines hübschen Mädchens, das, wie sie ihm sagte, in der Nachbarschaft bei einer vornehmen Herrschaft diente. Beide fanden an einander Wohlgefallen, und waren bald ein erklärtes Liebes­paar. Jndeß konnte der junge Gesell seine Geliebte nur Abends im Dunkeln entweder am Brunnen oder unter der Hausthür sprechen, und viele Mühe kostete es ihm, bis er sie beredete, einmal Sonntags mit ihm auf einen Tanzboden zu gehen. Diese Liebschaft mochte etwa ein halbes Jahr gedauert haben, als der Gesell aus seiner Heimath die Nach­richt von einer ziemlich bedeutenden Erbschaft erhielt, die ihm zugefaüen war, und zur Regulirung seine augenblickliche Anwesenheit forderte. Unter zärtlichen Küssen schied er von der Geliebten, der er versprach, sie bald als seine Frau nachzuholen. Umstände ver­hinderten dies jedoch, und statt sie selbst abzuholen, schrieb er ihr, daß Alles zu ihrer Heirath vorbereitet sei und bat sie, so bald als möglich in seine Arme zu eilen. Längere Zeit blieb die Antwort aus, endlich aber schrieb das Mädchen, da sie den Dienst verändert hätte, wäre ihr der Antrag erst später zugekommen, und so sehr derselbe sie überrascht hätte, wollte sie ihn doch als einen Fingerzeig Gottes betrachten, und daher, mit allen nöthigen Papieren versehen, an einem von ihr bezeichneten Tage an dem Wohnorte des Werbers eintreffen. Der junge Meister wunderte sich über die Verwunderung seiner Geliebten, gegen die er sich bei seiner Abreise deutlich genug ausgesprochen hatte, wie stieg aber seine Ver­wunderung erst, als die Erwartete ankam, und er in ihr ein zwar recht nettes, aber ihm ganz fremdes Mädchen erblickte. Er wollte sie nun natürlich nicht für die Rechte erkennen, allein ihre Papiere bewiesen, daß sie wirklich die Verschriebene sei; außerdem aber löste sie dem Staunenden das Räthsel der Personenverwechselung dadurch, daß sie ihm sagte, die Tochter der Herrschaft, bei der sie früher gedient, hätte sich zuweilen von ihr Kleider geborgt, ,,um sich einen Scherz zu machen," wie sie gesagt, in der That aber, wie es sich jetzt zeige, um unter der Maske ihres Dienstmädchens auf Abenteuer auszu­gehen, unter die denn auch die Liebschaft mit dem jungen Gesellen gehörte. Für diesen war die Ent­täuschung zuerst sehr schmerzlich, inbcfe gab die Ueberzeuguug von dem Unwerthe der Geliebten ihm bald seine Ruhe zurück, und er ließ sich den Tausch gegen die Person der Verschriebenen nach einiger Prüfungszeit gefallen, soll auch später keine Ursache gefunden haben, den Tausch zu bereuen.

Redaktion: A. Scheyd«. Druck und Verlag her Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.