279

schaute voll in das schöne Grsicht Blanches. Es war kein stolzes, leidenschaftliches Gesicht, wie das der edlen Olla Rymple; er war schön und zart uno heiter, aber es lag auch Geist in den großen, grauen Augen und Festigkeit um den holdselig lächelnden Mund. , ,

Einem unwiderstehlichen Impuls gehorchend, er­griff Lowder die zarte, weiche Hand, welche die Peitsche Kielt. Blanche entzog sie ihm nicht, schaute aber auch nicht ouf zu ihm; aber Lowder fühlte, wie ihre Hand in der seinigen zitterte und ein Gc- fühl der Gewalt über sie machte ihn plötzlich kühn.

Blanche", sagte er sanft,diese Eure Hand ist ein Preis, um den ein Fürst werben dürfte und wenn Euer Herz diefelbe begleitet, so wird der Mann, den Ihr damit auszeichnet, glücklicher fein, als irgend ein Fürst. Ich habe Euch gesagt, daß Fhr mir während meiner langen Abwesenheit vom Haufe stet» als das Ideal edelster Weiblichkeit vor- schwebtet. Ich kehrte heim, voll Bewunderung sür das junge Mädchen, welches mein Vater wie feine Tochter liebte: aber, um die Wahrheit zu glichen, ich erwartete nicht, daß diese Bewunderung zur Liebs werden sollte. Ich glaubte sicher zu sein, daß ich Euch nie so lieben werde, wie man liebt, um zu heirathen; doch der erste Blick in Eure Augen be­siegte mich. Ich habe viele reizende Frauen gesehen, ober keine war so reizend, als Ihr. Ihr kennt meines Vaters Pläne für unser Glück, holde Blanche. Ihr wißt auch, daß es der Wunsch Eures Vaters war, daß Ihr den Sohn Sir Arthur Tresfilian's heirathen sollt?"

Da« Mädchen senkte den Kopf, um ihr Erröchen zu verbergen. Nur die Spitze ihres kleinen, weißen Hütchens war für Lowd-r's glühende Blicke sichtbar. Durchaus nicht zurückgefchreckt, sondern eher ermu« thigt, fuhr der Betrüger fort:

Jung wie Guy jung wie ich auch war, Blanche, hatte er eint große Vorliebe sür mich ge faßt und äußerte ost den Wunsch, daß ihm die Vor­sehung einen solchen Sohn hätte geben sollen. Ec tröst te sich mit der Hoffnung, daß Ihr eines Tages den Erken von Trefstlian-Hof heirathen werdet. Unsere Hetrath ist der sehnlichste Wunsch meines Vaters; und ich, Blanche", - er senkte seine Stimme zum zärtlichen Fl-Herr herabmuß ich es erst f 'gen, wie sehr ich mich sehne, Euch mein zu nennen? Wollt Ihr mir diese kleine zarte Hand geben, Blanche? Wollt Ihr mich heirathen?"

Eine nie gekannte Glückseligkeit bemächtigte sich ihrer. Dieser edle Guy, dachte sie, der würdig wäre, eine Prinzessin zu heirathen, liebte sie! War sie jemals so glücklich gewesen?

Sprecht, Blanche", fcge Lowder in angstvoll m Tone, denn ihr Schweigen beunruhigte ihn.Sagt, daß Ihr mich liebt daß Ihr mein sein wollt."

Sir legte die kleine Hand, die sie ihm entzogen hatte, sanft in die seinige zurück. Und einige Mi­nuten später fchaute da» reizende Gesicht, von glühen­der Röthe übrrgoffen, zu ihm auf, und in den

glückselig strahlenden Äugen und von den zuckendett Sippen tas Jaspir Lowder seine Antwort.

Ihr li-bt michl" rief er entzückt.

Und das Mädchen antwortete in kaum vernehm­barem Flüstern:

Ja, Guy!"

Jasper Lowder ergriff ihre Hand in höchstem Entzücken. Er hatte Guy Trefsilian Heimaih, Freunde, Stellung und dis Liebs eines edlen Vaters geraubt. Und nun hatte er ihm auch die Lieb- gestohlen, d?s n diesem edlen und reinen Herzen für Gny Tcesfi- lian groß gezogen worden war.

Falscher Freund! W-lcher Verrath konnte schänd- licher sein, al« dieser? Er sehnte sich danach, da» Mädchen iUtn Verlobnngskuste in sein- Acme zu Meßen und versprach sich diese Wonne lei seiner Ankunft auf dem Schlöffe. Jetzt gab er sich damit zufrieden, ihre Hand in warmem Drucke festzuhalten.

Mein! mein!" flüsterte er.Dieser Augenblick belohnt sür Aller!"

Er meinte vielleicht für all' die Schlechtigkeit und Grausamkeit und für den schändlichen Verrath, den er an einem Menschen ausübte, welcher ihn w>s ein Bruder geliebt und ihm vertraut hatte.

Ihr liebt mich, Blanche?" flüsterte er in freu- digew, entzücktem Tonr.

Ja, Guy", stammelte das junge Mädchen mit niedergeschlagenen Augen.Ich habe Euch immer geliebt! Sir Arthur hat mir viel von Eurem Mathe und Eurer Hochherzigkeit erzählt, daß ich Euch schon seit Jahren liebte!"

Lowder's Gesicht umwölkte sich. Diese Liebe ge- hörte also nicht ihm war nicht durch sirre Blicke und s in Lächeln entstanden, sondern sie gehörte Guy dem armen blödsinnigen Guy. Die Eat- deckung war ein bitterer Tropfen, der sür den Auzm- blick seine Glückieiigkeit trübte.

Ich habe nie einen Anderen geliebt, al» Euch, Guy", sagte Blanche sanft und schüchtert.Und Ihr, hobt Ihr nie zuvor geliebt?"

Ihre Augen waren noch immer niedergeschlagen und sie sah nicht, wie seltsam sich Gy's Gesicht veränderte, Ihre unschuldige Frage brachte ihm einen Thril seiner Vergangenheit zurück, den er gerne für immer aus seinem Gedächtnisse verbannt hätte. Sin anderes Gesicht schien sich zwischen ihn und seine neue Liebe zu drängen das Gesicht Derjenigen, der er unter Frau Hefter Lowder g - schrieben hatte. _.

Ein geisterhaftes Lächeln spielte um seine L pp w, als er antwort« te. , _ -

Nein, Blanche, ich habe nie zuvor gesiebt. Es muß ein günstiges Geschick gewesen sein, das mem H r; sür Euch frei gehalten hat! Kein anderes Weib hat je meine Küste cus ihren Lippen gefühlt! Kein anderes We b hat mir bisher Inter, ff; ein- geflößt. Das Geschick hat uns Beide für emander bestimmt!" ~ , -.

Blanche versank in ein seligrs Stillsq weig-n. Die Zügel lagen schlaff in ihrer Hand und die Ponnies,