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welche sich nicht angefeuert fühlten trabten langsam weiter. Und Blanche, die mit ihren eigenen ®o danken beschäftigt war, hielt sich für das glücklichste Mädchen der Welt.
Lowder war nicht weniger glücklich. Seine erwachenden Erinnerungen begrub er auf's Neue und machte Pläne für eine. Zukunft^ voll , Wonne und seliger Freuden.
Plötzlich hielten di« Ponnies vor dem Parkthore des Trefsilian-Hofes und nachdem das Gitter geöffnet worden, fuhren sie rasch die Allee entlang, dem Her« renhauie zu.
„Ihr habt mich sehr glücklich gemacht, Blanche", sagte Lowder. „Wie sich mein Vater freuen wird!" und seine Lippen zuckten eigenthümltch.
Blanche'S Gesicht leuchtete.
„Der gute Onkel", sagte sie sanft, „er wird sich sehr freuen."
„Noch eins, meins süße Blanche", sagte Lowder. „Ihr werdet mich nicht zu einem langen Brautstande verurtheilen. Ich sehne mich darnach, Euch bald meine Gattin zu nennen. Können wir nicht am WeihnachtStage heirathen? Bedenkt, wie glücklich ich damit wäre und wie sich mein Vater freuen würde!"
„Es ist unmöglich", erwiderte Blanche erröthend. „Ganz unmöglich, Guy. Ich kann bis dahin nicht mit Allem fertig werden."
„So werden wir uns also im Januar vermählen, Blanche!" flehte er.
„Ah, das ist auch zu schnell!^
(Fortsetzung folgt.)
Ham, Ham!!
Etwas von der transatlantischen Reklame von Hugo von K up ff er.
(Schluß.)
Grundidee ist: „Du sollst und mußt trinken, und je befferen lunch ich Dir gratis biete (manche Wirthe, namentlich in den Weststaaten, sind in diesem Punkte wahrhaft splendid), um so eher und um so öfter wirst Du mein Lokal mit Deinem Besuche beehren." Daß die Suppen meist sehr salzig und sehr gepfeffert sind, nun das ist ja doch nur — reiner Zufall.
Die interessanteste Reklame jedoch, diejenige, welche die geistreichsten Kabinetstückchen geschäftsmännischen Erfindungsgeistes aufweist, ist die selbstständige Zettel-, Brochuren- und Kalender- Reklame. Wenn man in der Mittagsstunde den Broadwey in Rew-Dork hinuntergeht, etwa den Union-Square bis nach dem Battery Place, dann kann man sich der zahllosen Zettel, Kästchen, Bilder und Brochuren, die einem an jeder Straßenecke in die Hand gesteckt werden, kaum erwehren. Es grenzt natürlich an Unmöglichkeit, die verschiedenen Arten dieser Reklamezettel und Traktätchen, die nicht selten von Geist, Witz und trefflichem Geschmack zeugen und oft keineswegs werthlos sind, hier vor das große Publikum zu bringen. Manche Firmen geben regelmäßige
Wochenblätter aus. Der große New-Dorker Schneider N i c o l l, dessen Firma in der ganzen Stadt zerstreut ist, vertheilt ein Monatsblättchen mit oft recht guten Witzen und prächtigen Silhouetten, in denen er bekannt macht, daß „geschätzte Beiträge nach der Elle bezahlt werden." Ho st et ter, der „berühmte" Ersinder des nach ihm genannten Magenbitters, wirft alljährlich viele Tausende illustrirte Familienkalender in verschiedenen Sprachen auf die Straße heraus , deren Blätter mit Anekdoten und Witzen gespickt sind und in gleichmäßiger Vertheilung geschickt abgefaßte Reklamen für das koübare Arkanum enthalten. Oder man erhält den Text eines beliebten Volksliedes, eines populär gewordenen Couplets, das auf allen „Variety-Bühnen" gesungen wird. Man freut sich wirklich darüber, hat man doch oft die Melodie vor sich hingesummt ohne die Worte genau zu kennen. Auf der Rückseite des Blattes steht natürlich deutlich genug, daß Callahaw auf der Bowery der beste und billigste aller Hutmacher ist. Der Mann hat uns einen Gefallen gethan — also, wir gehen bei nächstem Bedarf zu Callahaw. Er hat seinen Zweck erreicht.
Eine zweifelhafte Errungenschaft ist , daß das Reklamefieber in Amerika bis hinein in die Schichten der „Reverends", der ehrwürdigen Geistlichkeit gedrungen ist. Daß man täglich Anzeigen findet, wie: Taufen und Trauungen werden billigst in und außer dem Hause ausgeführt: für Unbemittelte gratis, Pastor N. N., nun das ist sehr gewöhnlich. Jnter- effanter ist es, zu bemerken, wie verschiedene Kirchengemeinden für ihre Gottesdienste Propaganda machen. Die vom Wege abirrenden Schafe werden durch folgende (Tageblättern New-Yorks und Brocklyns entnommene) verlockende Bekanntmachungen zur Teilnahme an den betreffenden Gottesdiensten aufgefordert: „Fremde willkommen. Sitze gratis." „Fünfhundert junge Leute für diese Gottesdienste gesucht." „Höfliche und aufmerksame Platzanweiser." „Gesangbücher für Alle!" „Keine Kollekte!" (vermuthlich sehr wirksam!) „Predigt nur 15 Minuten (!)" „In der Willostreet-Methodist Church wird die Predigt durch prachtvolle Gemälde illustrirt." „In der Church of the Holy Spirit wird für Musik ersten Ranges garantirt." „In anderen Kirchen wird auf die Mitwirkung besonders interessanter Persönlichkeiten aufmerksam gemacht, wie: „Miß Wilson, Schwester des verstorbenen Pastors Bliß und Mr. Miltauer, Cornelist." Andere Magnete sind: „Eine interessante Temperenz-Dame," „Hagem, der bekehrte Spieler!" u. s. w., während eine Brooklyner Kirche bekannt macht, „daß vier Studenten der Theologie vom Drew-Seminär am Morgen anwesend seien und Abends den Gottesdienst leiten werden."
Also bis ins Gotteshaus die große Trommel der Reklame! Gott sei Dank! So weit haben nur es noch nicht gebracht und die Alte Welt darf der Neuen ruhig den Triumph lassen, auf diesem Gebiet Siegerin geblieben zu sein.
Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. «hr. Pietsch) in Güßen.


