Ausgabe 
14.4.1888
 
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mit Lakritzen."Aber wozu?"Gehen Sie nur schnell!" Ich hole das Verlangte, und schon haben die andern beiden Bösewichter die Flaschen mit See- waffer gefüllt. Da kein Vertreter des Reichsgesund' Heits-Amtes in der Nähe war, so fürchteten wir keine Anklage wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittel- Gesetz und fabricirten dann aus Seewaffer und La­kritzen ein schön braun aussehendes, sogar schäumen­des Getränk, welches sorgfältig gekorkt von dem verschmitzt lachenden Hendrik wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückbefördert wurde.

Zweiter Act. Es klingelt, nämlich der Ober- Steward läutet zum Lunch, zum Groß-Frühstück. Personen: Die vorigen, außerdem Herr V., der gut geschlafen hat, Herr Thomsen, der erste Osficier, und schließlich der Kapitän.Gesegnete Mahlzeit, meine Herren", damit setzen wir uns zu Tisch. War trinken Sie?" fragt der aufwartende Steward. Mir eine Flasche Livrou."Mir Rheinwein" rc. rc. Mir", verlangt der unglückliche Chef - Ingenieur, mir bringen Sie eine von den Flaschen Bier, die vorn an der Mars-Raa hängen!" »All right. Das Gewünschte wird gebracht, V. entkorkt eins Flasche, während drei Gestchter sich mit krampfhaf­tem Ernst über ihre Teller beugen. Athemlofe Stille. Plötzlich donnert V. los: ,6o<iäam, Ste­ward, sind Sie verrückt? Was haben Sie mir hier für---Bier gebracht?" Der so liebens­

würdig Angerufene, der ja von unserm Bier-Attentat keine Ahnung hat, betheuert hoch und heilig, daß er nichts dafür könne, wenn eine oder die andere Flasche Bier schlecht wäre; er bekäme sie so in Hamburg geliefert, und gebe sie der Reihe nach den Osficieren. Na, dann holen Sie 'mal die beiden anderen her", meint schnell besänftigt der Dampf-OnkU;eine für mich, und eine kriegt der Doctor, weil er mich so ruhig schlafen ließ." Die beiden anderen Patent- Biere werden gebracht, und während V. mit gewohnter Fixigkeit den Stöpsel herauszteht, quäle ich mich auf eine ganz entsetzliche Weise, meine Flasche zu entkorken; das will heute gar nicht gelingen; ich muß endlich aufstehen, um besser ziehen zu können, oder vielmehr um mein Gesicht nicht den Uebrigen zu zeigen. Denn jetzt mußte es kommen, jetzt mußte es ein Donnerwetter geben, gegen welches das erste nur Zephyr-Säuseln war. Und richtig! Der Sturm brach los, der Orkan tobte, V. raste und wollte sein Opfer haben, und da bekam der arme Steward das ganzeBier" (?) in's Gesicht; wir drei Böse- wichrer lachten, bis uns die Luft ausging, der Ka­pitän schimpfte, und Thomsen hatte eine Viertelstunde zu fragen, ehe er endlich den Zusammenhang erfuhr.

Drei Tage brauchten wir, um unter Aufwendung von je drei Strasflaschen V. wieder zu versöhnen.

Aber in die Raaen hat er kein Bier mehr zum Abkühlen gehängt!

Redaction: A. Scheyda.

vermischtes.

(Die erste akademische Turnanstalt in Halle a. S.) So erfreulich es auch ist, daß an unfern Hochschulen sich besondere Vereinigungen zur Pflege erfrischender und stärkender Leibesübungen zusammenthun, so scheint doch andererseits ein in wirklicher Lebensgewohnheit der Studirenden werdender Betrieb körperlicher Uebungen nur möglich durch Einrichtung besonderer Turnanstalten, welche allen Studirenden und deren Vereinigungen in gleichem Maße zugänglich sind. Eine solche Universitäts­turnanstalt, die erste größere und vollkommen aus­gestattete in Deutschland, besitzt seit dem Sommer­halbjahr 1886 die Universität Halle a. S., Dank den Bemühungen des Professors der National­ökonomie Dr. Conrad und des Curators Geh. Reg.- Rath Dr. Schrader. Die Anstalt besteht aus einer mustergültig ausgestatteteu Turnhalle nebst Fecht­sälen und Turnplatz. Das Turnen hat seitdem unter den Studirenden ungeahnten Aufschwung ge­nommen, so daß gegen 400500 Studenten an den vom Universitätsturnlehrer Fessel geleiteten Uebungen theilnehmen. Außer den an der Uni­versität Halle bestehenden vier akademischen Turn­vereinen haben auch mehrere akademisch-wissenschaft­liche Vereine, ferner eine Anzahl von Verbindungen, eine Burschenschaft, sowie eine Landsmannschaft regelmäßiges Turnen bei sich eingeführt. .. Im Winter sind ferner an der Anstalt für ältere Studirende der Philologie namentlich, sowie für Lehrer der verschiedenen Schulen Ausbildungscurse mit wöchentlich 12 Stunden für das Turnlehrer­examen eingerichtet. So wurden im letzten Winter 14 Teilnehmer als Turnlehrer ausgebildet.

Die Wichtigkeit dieser ersten akademischen Turn­anstalt steht sonach über allem Zweifel. Es wäre zum Vortheil der Frische und Gesundheit unserer studirenden Jugend dringend zu wünschen, daß die übrigen deutschen Hochschulen dem leuchtenden Bei­spiel Halle's bald nachfolgen werden.

Von den vielen Anekdoten, die vom Kaiser Wilhelm erzählt werden, ist eine ganz in Vergessen­heit gerathen und damals auch wohl kaum von den öffentlichen Blättern mitgetheilt worden. Es war zur Zeit des Confliktes. Das Abgeordnetenhaus hatte alles, was Militär betraf, gestrichen. Der König wohnte einem Manöver bei, und hatte ein Husar, dessen Sattel unbrauchbar geworden war, den letzten Theil des Tages auf dem sattellosen Pferde die Uebungen mitgemacht. Dieses wurde dem Könige gemeldet.Um Himmelswillen", sagte dieser, lassen Sie diesen Vorfall nicht bekannt werden, sonst streicht mir das Abgeordnetenhaus auch noch die Sättel für die Kavallerie.

Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pi et-sch) in Gießen.