Ausgabe 
14.4.1888
 
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zum Beispiel bei Belagerung einer feindlichen Stadt, vor deren Thore ein von dem Befehlshaber hinge- fchleuderter Handschuh so viel bedeutete, als das hei- lige Gelübde:Sieg oder Tod!"

Auch im Dienste der Wiflrnschaft hat sich der Handschuh ruhmreich hervorgethan, als eine Art von Attribut erworbener Doctorwürde, während er in der Poesie wenigsten« indirect verherrlicht und un­sterblich geworden durch Schiller'« Dichtung:Der Handschuh." Bon da ab freilich ging es bergab mit dem ledernen Titanen und gegenwärtig ist er besten mannigfaltige und so launisch contrasti- rende Bedeutungen sehr lebhaft daran erinnern, daß er eigentlich ein Geschöpf des Weibes ist wir allgemein bekannt, fast nur mehr zum Träger modern-gesellschaftlicher Kulturbestrebungen herabge- funken. Das ist das Loos der Schönen auf der Erdei

Warmbier.

Ein humoristische» Reise-Erlebniß in den afrikanischen Gewässern.

Erzählt von Dr. John Sehlke, Schiffsarzt.

r (Nachdruck verboten.)

Nach herzlichem Abschiede waren wir endlich von Kamerun abgefahren, hatten die Flußmündung passtrt und dampften nun vergnügt nach Süden, um unser nächste» Ziel, Banana am Congo, zu erreichen. Un­fern letzten Pastagier hatten wir in Kamerun abge­setzt, und so waren wir denn recht hübsch entre nous nur die Schiffs-Officiere unter sich. Wir pasfir- ten die Linie, tauften die Neulinge auf'« Gründlichste und hatten nun Gelegenheit, in den nächsten zwei Monaten die so oft mißbräuchlich citirtetropische" Hitze so recht con amore zu studiren. Und wir lernten sie kennen, diese Backofenhitze, wir erprobten praktisch, wie es den berühmten drei biblischen Herren im feurigen Ofen zu Muthe war und hätten vielleicht gern mit ihnen 'mal auf ein paar Stunden zu unserer Erholung getauscht. Und dabei der Durst, r dieser unstillbare Durst, der sich nach dem Genuffe de« lauwarmen, mitgeführten Elbwasters nur fort­während zu steigern schien. Freilich hatten wir ein paar hundert Flaschen Bier an Bord, Bier ja, aber kein Ei«. Und:Entsetze Dich, o Publikum", wir tranken da« 22 Grad warme Bier mit einer Con- sequenz, einem Eifer, wie e« nur deutsche, womöglich akademisch gebildete Kehlen fertig bringen. Folgen­des höchst sinnreiche Verfahren, welches übrigens bei allen Tropenfahrten gang und gebe ist, wendeten wir aber doch an, um da« Getränk wenigstens um 1 bis 2 Grad abzukühlen. Jede einzelne Flasche wurde etwa eine Stunde, bevor sie getrunken werden sollte, in einen wollenen Strumpf gesteckt; dieser wurde oben sorgfältig zugebunden, dann wurde die

so armirte Bouteille in'« Master getaucht und darauf an einem dem Lastzüge möglichst kxpaaicten Orte hochgehißt." So versuchten wir praktisch, war wir in der Schule theoretisch von derVerdunstungs­kälte" gelernt hatten.

Doctor", so rief mich eine» Morgen« unser Ehes-Ingenieur V. an,Doctor, wenn Sie sich heute ganz besonders liebenswürdig gegen mich betragen, dann sollen Sie zum Lunch eine ganz extra kühle Flasche Bier bekommen!" Und damit wie« er auf die Groß-Mar« Raa, an welcher drei auf oben ge­schilderte Art versorgte Buddeln hin- und her- schwankten.Werbe mir die denkbar größte Mühe geben", antwortete ich schmunzelnd. Bald zog sich aber unserDampsvorstand" in seine Sabine zurück und al« ich eine halbe Stunde später an seiner Thür vorüberging, hörte ich schon einen lebhaften Wett­streit zwischen dem Schnarchen und Pusten seiner natürlichen Athmungswerkzeuge und den Kraftäuße­rungen de« gespannten Dampfe«.

Mißmuthig stieg ich zum Hinterdeck hinauf, warf «ich in meinen Madeira-Stuhl und guckte andauernd die drei Flaschen in ihrer luftigen Höhe an.Nun, so nachdenklich?" fragte da hinter mir die Baßstimme unsere« zweiten Officier«. ,3a, sehen Sie 'mal dort!" antwortete ich mit einem Blick in die Takelage de» Fockmastes.Da find Wanten und Raaen und Segel" gab er höchst gleichmüthig zurück.He, Spring", rief er dem dritten Osficier zu,sehen Sie da oben etwas Besonderes?" Der Angerufene ver­neinte energisch.Alle Wetter!" klang es aber plötz­lich wie aus einem Munde; und schon hatten Beide die dreiWollenen" entdeckt.Ihre???" Stum­mes Kopfschütteln meinerseit« und ein Wink nach der Cabine de« ahnungslo« Schlafenden. Er:Hm,' hm"; ich:Hm, hm!" Stumme Beratung zu Dreien, und dann unisono:Die müssen wir haben." Ein Pfiff ruft den Matrosen Hendrik zur Stelle. Siehst Du?"Wull Herr."Hendrik, geh' een« haben (nach oben), und führ' den Budde! dal!" (Her­unterholen.)Führ' den Buddel dal", antwortete der Matrose, nach Schiffsgebrauch den Befehl wieder­holend. Fünf Minuten später stehen die drei Ver­schworenen kreuzfidel hinter dem Rauchsalon und stoßen auf das Wohl des freundlichen, diesmal un­freiwilligen Spenders an. Doch, was ist eine Flasche Bier für drei durstige Seemannskehlen!? E» folgte eine stumme Brrathung, je ein Blick in die geleerten Gläser und einer nach dem Himmel, d. h. nach der Stelle de« Himmels, wo die beiden anderenMa­rienthaler" hängen, undHendrik!" tönt es wieder. Jo, Herr!"Krieg' die andre dal."Andre dal", echot schon gehend der Matrose. Und, kurz u d gut, nach weiteren fünf Minuten holte Hendrik auch die dritte herunter.

So, da« war nun geschehen; aber wa« weiter? Sollten wir dem armen V. die drei leeren Flasch, n hinhängen? Das geht doch nicht.Ich hab's", ruft jetzt derDritte."Doetor, gehen Sie hinun­ter nach Ihrer Apotheke und bringen Sie die Büch!«