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denjenigen, von denen man keine Erwiederung er- , heischt, die man einladet zur Belebung, zur Unter- l Haltung der Gesellschaft. Der Künstler, der Schrift- steller, der Musiker, die Schauspielerin und die Sängerin, welche sich in dieser Art gesellschaftlich verbrauchen lassen, werden ts bald genug schmerzlich an ihrer Gesundheit und an ihrem Können erfahren, daß man alles bezahlen muß.

Lese ich in der Zeitung in einem Gartenloca! Concert und Feuerwerk bet freiem Eintritt angekün­digt, so weiß ich, daß das Eintrittsgeld in Speisen und Getränken mit entrichtet wird und habe oben­drein die Befürchtung, es könne ein Gedränge ent­stehen, das Opfer kostet. Wie furchtbar hat stch in Stockholm an denen, welche den Gesang der Msson ohne Entgelt hören wollten, so wie vor mehreren Jahren in Berlin beim Zapfenstreich, der Spruch be­wahrheitet:Man muß alle» bezahlen."

Wer hätte es nicht schon erfahren, daß die Dienste, die ihm aus Gefälligkeit geleistet und die Arbeiten, welche ihm ohne Bezahlung geliefert wer­den, in der Regel am allertheuersten zu stehen kom­men ? Man kann und will sich nichts schenken lassen, und der Betreffende hat auch gar nicht die Absicht, dies zu thun; er will nur nicht fordern, sei es aus Bescheidenheit, sei es aus Berechnung, denn auch er ist durchdrungen von der Ueberzeugung: Man muß alles bezahlen.

Und doch, so hoch das Geld im Preise stehen mag, ein so gewaltiger Zähler es im Verkehr der Völker bildet, es ist noch lange nicht die höchste Münze, mit welcher täglich gezahlt werden muß. Man zahlt mit seinem Hirn und seinem Herzblut, man zahlt mit arbeüsvollen Tagen und schlaflosen Nächten, mau zahlt mit seiner Person, mit seiner Gesundheit, mit seinem Leben.

Kein Fortschritt der Wissenschaft, er wird bezahlt durch ungeheure Anstrengungen, durch Verbrauch einer ungeheuren Summe geistiger Kraft; kein Kunst­werk wird geschaffen, ohne daß dessen Schöpfer sich voll und ganz einsetzt, kein Sieg auf dem Schlacht- felde erkämpft, ohne daß er erkauft wäre mit Blut und Leben. Da» höchste Glück des Weibes, das Mutterglück, wird bezahlt mit Angst und Schmerz, und wer zählt dis sorgenvollen Tage und Nächte, die Mühen und Thränen, welche die Erziehung selbst des bestveranlagtrn Kindes der Mutter kostet?

Der berühmte, hochgestellte Mcknn, der Besitzer eines sehr großen Vermögens, sie werden angestaunt und beneidet, und doch, wie mancher, welcher stch wünschte, an ihrer Stelle zu stehen, er ahnt und weiß nicht, wie viel es sie gekostet, dahin zu gelan­gen, wo sie sich befinden und wie auch sie, wenn sie mit sich selbst reden, sich wehmüthig eingestehen: Man muß alles bezahlen.

Die Schalen steigen auf und nieder, was die eine füllt, das leert die andere. Dieser bezahlt den ersehnten Aufenthalt im sonnigen Italien mit der Trennung von den Menschen, die ihm am liebsten

sind und die er in der Heimath zurückiaflen muß, jener emsagt dem Glücke um de» Ruhmes willen, denn man muß alles bezahlen.

Und es ist gut, daß es so ist, und gut, sich dessen bewußt zu werden. Mühelos fällt uns nichts in den Schooß, es will alles erarbeitet, errungen und erstritten werden; ohne daß wir auf der einen Seite ein Opfer bringen, wird uns kein Glück, kein Gut zu Theil.Zwischen Sinnenlust und Seelen­frieden bleibt uns ewig nur dir bange Wahl I" ruft der Dichter, den höchsten Preis bezeichnend, den so viele zahlen zahlen für Dinge, die dieses Preises nicht werth sind. Der Friede der Seele, das ruhige Bewußtsein, die Ehre, das sind Münzen, mit denen man nie kaufen sollte; was man auch dafür ein- tauscht, der Gewinn ist den Einsatz nicht werth. Aber selbst wenn es stch um geringwerthigere Dinge handelt, sollte man stch mehr, al» es im Allgemeinen zu geschehen pflegt, fragen, ob der Gewinn den Einsatz werth sei, und eingedenk der Wahrheit sein: Man muß alles bezahlen.

Kand und Kandschuy.

(Schluß.)

Die ritterlichste Rolle aber hat unstreitig die Handbedeckung im Mittelalter gespielt, in jener Zeit also, welche dis auf den heutigen Tag, trotz all' der ihr innewohnenden Rohheit, uns gleichsam in eine Zauberhülle und Fülle von Romantik getaucht erscheint.

Die Sendung eines Handschuhes bedeutete da­mals nicht nur Fehde und Trotz, sie war auch zugleich das Symbol für eine Schenkung, eine Gnade.Es darf Niemand einen Markt aufrichten, es fei denn, daß der Kaiser auf die Stadt seinen rechten Hand­schuh sendet", wird uns in alten Chroniken berichtet. Oder:Wo man neue Städte bauet, muß man da ein Kreuz setzen auf den Markt und man hängt auch de» König« Handschuh daran, daß man sehe, daß es de» Königs Wille sei." Kirche und Staat christliche und weltliche Obrigkeit sollte somit durch die Symbole des Kreuzes und des Handschuhs vertreten fein.

Aber nicht nur die verschiedenstenGerechtsame" versinnbildlichte der damals beinahe souveraine Hand­schuh, nicht nur verlieh er Münz-, Markt- und Städte­recht, er galt zugleich als ein Bote des Krieges wie des Friedens, er befestigte die Freundschaft gleich einemHändedruck in Stellvertretung", er vertrat die Stelle eines Testamentes, spielte bei Verträgen eine Rolls und kennzeichnete Lehnpflicht und Demutb. Er figurtrte bei Gericht wie bei geistlichen Ceremo« nien, bei Kaiserwahl und Königrkrönung, Verleihun­gen kirchlicher und weltlicher Würden, und zwar stet» in hervorragender, symbolischer Bedeutung, ja oft j gleichbedeutend mit dem feierlichstm Eidschwur, wie