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Gin altes Lied.

Novellette von Elise Polko.

mehr am Leben oder mit derselben einverstanden fei. Nun war guter Rath theuer. Nach der ersten Auf­forderung hatten wir uns schweigend verhalten, nach der zweiten loderte der Haß in meiner Schwester wieder hell empor, sie wollte von ihrer Rache nicht lassen, ihr Gatte sollte die Kette, von der er sich be­freien wsllte, weiter schleppen. Meine Schwester kam selbst auf den Gedanken, ohne Angabe ihres Domicils an das betreffende Gericht zu schreiben. In diesem Briefe schilderte sie die Verhältnisse ziem­lich genau und sprach mit aller Bestimmtheit aus, daß sie niemals in eine Scheidung willigen würde. Sie schickte das Schreiben an unfern Bruder in Hamburg mit der Bitte, daffelbe dort auf dis Post zu geben. Was danach nun geschehen ist, haben wir nie erfahren, ob die Scheidung vollzogen ist oder nicht, wie denn überhaupt seit jener Zeit nie auch nur die kleinste Nachricht üb>r meincn Schwager bis zu uns gelangt ist. Ob er Europa verlassen, ob er noch lebt oder tobt ist, das wissen wir nicht, wenigstens waren wir bis gestern im Zweifel, nun will meine Schwester ihn ja gesehen haben ach, wenn sie doch falsch gesehen hätte!"

(Fortsetzung folgt.)

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Unglückliche seit gestern befindet, alles Gewonnens $ wieder in Frage stellt.

cm bitte um Entschuldigung, Herr Geheimrath, daß ich Ihre Ausmerksamk it so lange in Anspruch genommen und Ihnen unsere traurige Geschichte so umständlich erzählt habe, aber ich habe es mir er­laubt, weil ich Ihr menschenfreundliches Herz kenne!

Noch bin ich der Ueberzeugung, daß meine Schwester sich geirrt und daß nur eine Aehnlichkeit sie getäuscht hat, wenn sie aber recht gesehen, und sie behauptet es mit aller Bestimmtheit, wenn es sich bestätigte, daß mein Schwager mit uns an dem- selben Orte weilt, und wenn dann das Entsetzliche eintreten sollte, daß er seine Eattin entdeckt, sie auf­sucht und seine Drohungen von früher wiederholt, es würde sie tödien oder wahnsinnig machen. Ihrs schwachen Kräfte sind solchrn Scenen, wie sie sie vor Jahren erlebt hat, nicht mehr gewachsen. O, rH flehe Sie an, Herr Geheimrath wir sind zwei wehrlose Frauen schützen Sie uns vor diesem fürchterlichen Mann! Gestatten Sie mir, Sie zu bc- nachrichtigen, sobald wir Gewißheit erlangt haben, und darf ich Sie zu unserer Hülfe herbeirufen, wenn er Miene machen sollte, unseren Frieden zu stören ?"

Gewiß, liebes Fräulein", erwiderte Wolter, werbe ich Alles thun, was ich vermag, um Sie vor diesem gewissenlosen Menschen zu schützen. Ich bin Ihrer Erzählung mit großer Spannung und theilnehmendem Interesse gefolgt und danke Ihnen für Ihr Vertrauen."

Der Geheimrath hatte in der That mit größter Aufmerksamkeit und lebhaftestem Jntereffe dieser Er­zählung zugehört. Mehrmals war ihm während derselben der Gedanke gekommen, ob wohl die Schwester seiner Arbeiterin, die frühere berühmte Künstlerin dieselbe sei, für die er in seiner Jagend eine Zeitlang regelrecht geschwärmt, und ob auch deren Gemahl ihm nicht unbekannt sei, ja, er hatte sich sogar die Frage nörgelest, ob er selbst zu dieser Geschichte in Beziehung stände, aber ebenso rasch hatte er diese Gedanken wieder verworfen, sie waren doch zu haltlos.

Haben Sie von Ihrem Schwager später nie wieder etwas gehört?"

Richt direkt, wohl aber indirekt. Wir waren etwa ein Jahr hier in dieser Stadt, als wir tn einer Zeitung von Gerichtswegen eine Aufforderung an meine Schwester lasen, ihren Aufenhaltsort anzu­geben, und zwar zu Hern Zwecke, dis von ihrem Ge­mahl beantragte Scheidung an einem näher zu be­stimmenden Termine zu verhandeln. Ganz dieselbe Aufforderung erfolgte ein Jahr später, jedoch mit dem Zusatz, daß, wenn meine Schwester nicht inner» halb einer festgesetzten Fr st ihren Wohnort angäbe öder gegen die beantragte Scheidung Einwand er­hebe, "Letztere vom Gericht ausgesprochen werden Würde- Wem man «nnähme, daß sie entweder nicht

(Fortsetzung.)

Und endlich mußte sie kommen, jene Schreckens­nacht voll Mondschein und Rosendufr, wo ihre kleine weiße Hand die Ketten zerriß, wo dir Wassertropfen . vom Springbrunnen das Kleid der Grüfia Albany näßten, als sie für immer aus dem Hause ihres Gatten floh und in den Schatten des Klosters der weißen Flauen flüchtete. Wie er flehte und tobte und wie wirkungslos seine Stimme verhallte an den Mauern ihres Friedensasyls. Aber auch später, als die schöne Frau, unfähig, die Trennung von Alfieri länger zu ertragen, die frommen Frauen verließ, die ihr den ersten Schutz gewährt, um sich wieder in das lärmende Getriebe der Welt zu begeben, blieb fie für ihn verloren, so energisch er sie auch zurück­forderte. Sein Weib hatte sich unter den Schutz der Großherzogs von Toskana gestellt und wandte sich dann an ihren mächtigen Schwager, den Cardinal York tn Frascati, der ihr auf ihr flehendliches Bitten Die Erlaubniß des Papstes erwirkte, in Rom leben zu dürfen.

Alfieri eilte nun zu ihren Füßen, aber die vor- nehme Gesellschaft wandte sich von den Liebenden, dis das Gesetz und die Kirchs nicht verbunden und nimmer verbinden konnte. Da war ja keine Frau, dis der blonden Deutschen den gefeierten Dichter nltzß