Ausgabe 
14.2.1888
 
Einzelbild herunterladen

74

Sippen kam es jetzt in Zischlauten hervor: Weib! widerrufe bas, oder es giebt ein Unglück! Denn wifle, ich will von Dir frei werden, sei es auf die eine oder die andere Art. Ich gebe Dir drei Tage Bedenkzeit wir sehen uns wieder!

Darauf verschwand er aus der Thür, meine Schwester aber sank ohnmächtig nieder und lange währte es, ehe ich sie wieder ins Leben zurückrufen konnte.

f* ßAm andern Tage kam ein Brief von ihm. Der Inhalt war wiederum ein Meisterstück von Lüge und Falschheit. Er bat sie darin, sie möge ihm glauben, wenn er ihr sage, daß Alles, was er ge- than, nur in der Verzweiflung geschehen sei. Er liebe meine Schwester noch eben so sehr, wie am ersten Tage ihrer Bekanntschaft, aber es sei ihm unmöglich, in ärmlichen Verhälüffsen zu leben, er würde darin wahnsinnig werden und um sich daraus zu befreien, zu einem Selbstmord schreiten. Sie solle sich doch die Mühe geben, sein Inneres zu be- greifen, wie eine fast krankhafte Manie, auf dis Höhe des Reichthums zu gelangen, es durchziehe, und wie all' feine Handlungen, die, er wiffe es selbst, theilweise verwerflich wären, aus diesem rast­losen Streben entsprängen. Jetzt böte sich eine Ge- legenheit, das Endziel all seines Ringens zu erreichen und nun beschwöre er sie, in die Scheidung zu willig n. Er habe sicher nicht die Absicht gehabt, sie zu demüthigen und zu beschimpfen, als er ihr eine Abfindungssumme angeboren, er habe es nur gethan, um ihr eine sorgenfreie Zukunft zu bereiten.

In diesem Tone war die sechs Seiten lange Epistel abgefaßt. Daß meine Schwester auf diesen Brief gar nicht antwortete, war begreiflich.

Drei Tage später hatte ich das Haus verlaflen, um das einzige Schmuckstück, das sie vor ihrem Gatten gerettet, zu verkaufen» da wir keinen Thaler baaren Geldes mehr im Besitz hatten. Als ich zu- rückkam, fand ich meine Schwester in der furcht­barsten Aufregung. Ihr Gemahl war abermals dort gewesen. Noch zitternd an allen Gliedern er­zählte sie mir, daß er bald nach meinem Weggangs gekommen und Anfangs liebevoll und herzlich ge- wesen sei. Sie habe auf seine Bitten, die er vor einigen Tagen schriftlich an sie gerichtet und jetzt mündlich wiederholte, 'schroff und ablehnend geant­wortet. Als er endlich gesehen, daß alle seine An­strengungen vergeblich waren, da habe er die Maske abgerissen, einen Revolver aus der Tasche gezogen und mit wilder Mene ausgerufen:Ich gebe Dir vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit, und so wahr ich vor Dir stehe, wenn Du dann noch bei Semem Nein beharrst, so erschieße ich erst Dich und darauf mich, denn wenn Du mir durch Deins Hartnäckig­keit den Weg zu dem Rsichthum der russischen Gräfin versptrrft, so bin ich verloren Md es bliebe mir nichts anderes Übrig, als Zins Kugel durch mein Geb rn zu jagen; aber muß ich ins Grab sinken, so shsist An mit hinab! Morgen um dich Zeit komme

ich wieder, und wehe Dir und mir, wenn Du wie heute widerstrebst! Mit diesen Worten eilte er rasch aus dem Zimmer.

Mochten nun feine Drohungen ernst gemeint fein oder nicht, meine Schwester war durch sie in eine fürchterliche Angst versetzt und sie bestürmte mich» sofort zu entfliehen und die Stadt zu verlaflen. Meinen Vorschlag, bei der Polizei die Anzeige zu machen und von ihr sich Schutz zu erbitten, verwarf sie, da sie nichts so sehr verabscheute, als einen öffentlichen Scandal. So packte ich denn Alles, was noch nicht verpfändet war und uns gehörte, in mehrere große Kisten und Abends um elf Uhr fuhren wir mit der Bahn ab und langten gegen Morgen in dieser Stadt an. Wir bezogen eine bescheidene Wohnung, gaben uns andere Namen, um nicht von meinem Schwager entdeckt zu werden, und sobald wir nur eingerichtet waren, ging ich auf die Suche, um etwas zu verdienen, denn wenn irgend möglich, wollte ich das Geld, das wir für das Armband er­halten, für unvorhergesehene Fälle reserviren. Lange währte es, ehe ich in der mir fremden Stadt, wo mich Niemand kannte, eine Stellung fand, die einen Lohn abwarf. Um Klavierunterricht zu geben, I spielte ich nicht fertig genug; wohl hätte ich im Englischen und Französischen unterrichten können, ich beherrschte so ziemlich beide Sprachen, aber wo ich mich bewarb, wies man mich ab, und zumeist sicher­lich meines so wenig mich empfehlenden Aeußeren wegen. Aber wir sollten doch l eben und da blieb mir nichts anderes übrig, als in untergeordneten Verhältnissen für das tägliche Brod zu arbeiten. Wohl ward es mir im Anfang schwer, darin aut» zuhalten, denn wir hatten eine gi te Erziehung ge­noffen und das Zusammenleben mit ungebildeten, zum Theil rohsn Genossinnen war nicht erquicklich, aber woran gewöhnt der Mensch sich nicht schließlich I Leider ist meine Schwester nicht im Staude, mit ihren zitternden Händen auch nur die kleinste Arbeit zu verrichten, wodurch unsere Einnahme, wenn auch nur um ein Geringes erhöht worden wäre, und wenn Sie nicht, Herr Geheimrath, nachdem sie zu­fällig erfahren, daß ich eine kranke Schwester zu er­nähren habe, großmüthig meinen Wochenlohn um ein Beträchtliches vergrößert hätten, so wäre es uns unmöglich gewesen, die großen Summen zu erübrigen, die wir Jahr ein Jahr aus dem Arzt und Apotheker bezahlten mußten. Unser Nothpfennig, der Erlös aus der reichhaltigen, kostbaren Garderobe meiner Schwester war schon dafür hingegangen! Seit einem Jahre, wo die Kranke keinen Tag mehr ohne be­ruhigende Medicin fertig werben kann, reichte auch der Zuwachs zu meinem Gehalte nicht mehr und wir sahen uns genöthigt, die akademische Poliklinik in Anspruch zu nehmen. Jetzt wird meine Schwester von einem Studirenden der Medicin ärztlich behandelt und zwar unentgeltlich und auch die Medikamente er­halten wir frei. Ihr ganzer Zustand hat sich in der letzten Zeit bedeutend gebeffert, und nun drückt mich die Sorge, daß die Aufregung, in der sich dir

Unglück wieder

Ich daß ich genomi umstän laubt,

No Schwef sie geti sie beh sich be selben elntretf sucht j es schmack Jahre: flehe 1 wehrlo fürchte nachric und i wenn stören

e werbt vor di bin I theilne für I!

D Aufmt zählm berfell Schm Künsi eine ; deren sich f< Gesch hatte doch

ir miede

n etwa einer an n gebet mahl

dem halb oder hebe