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mißgönnt hätte und die römischen Damen waren e$, die den Cardinal 3)ot! bestürmten, seine Schwägerin zu veranlassen, das anstößige Verhältniß zu lösen und zu ihrem Gatten zurückzukehren.

Ein Lächeln war die Antwort, als der gewandte geistliche Würdenträger der Gräfin Albany dieses Anliegen überbrückte. Von dem Manne sich trennen, der ihres Lebens Ödem geworden war, zurückzukehren in den Kerker der Ebe mit einem verhaßten Tyrannen lieber sterben! Und sie würde in der That ge­storben sein, gewaltsam ihrem Dasein ein Ende ge­macht haben, wenn man sie gezwungen hätte, mit dem Letzten der Stuarts wieder zusammen zu leben.

O» das Astes erfuhr er, das Alles sagte man ihm! Und so gab er ste denn mit blutendem Herzen frei und der heilige Vater sprach die Trennung der Gatten aus. Die Augen seines Herzens aber ver­folgten fein ehemaliges Weib nach Paris, wohin str und Alfierie übersiedelten, jener leichtlebigen Haupt­stadt der belle Prange, wo man das romantische Liebespaar mit offenen Armen aufnahm.

Lethe Lethe für den armen Einfamen!

Er war nun allein, ganz allein, der kranke, ge­brochene Mann. Wer half ihm? So fragteer wieder und wieder in jener schlaflosen Nacht voll schwerer Erinnerungen, wo der Mondschein die ver­schwundenen Gestalten wach rief und der alte Spring­brunnen das alte Lied rauschte:

Prince Charlie is my darling!

Da plötzlich wehte es daher wie der Dust jener blauen Glockenblume des Heimathlandes, frisch und kräftig und doch so süß bedeutend. Es legte sich wie weiche Kinderhände auf seine schweren heißen Augenlieder und sie sanken über die Stuartaugen und in da« Summen des Springbrunnen spielte ein kurzer Traum. Mary war wieder bei ihm, die treue selbstlose Gefährtin des armen Verbannten, mit ihrem Kindrrlächeln und reichte iym einen Strauß der blue bells hin und flüsterte ihm zu: Du sollst nicht mehr allein sein rufe unser Kmd! Es lebt, um Dich zu trösten!"

Wie er da auffuhr, der Schlummernde, als das Morgenlicht strahlend oben hereinbrach.

Mein Kind, mein armes vergeffenes Kind!" rief er und richtete sich empor.Meine Tochter, ich will meine Tochter bei mir haben! Und ich selber werde sie suchen in Paris und sie zu mir holen!'<

Und etw'S von der alten Energie des Siegers von Pans schien über ihn gekommen zu sein und die Stuartaugen blitzten auf wie in jenen längst entschwundenen Tagen de» schönen geliebten Prinzen Charlie. Karl Edward gab . zum Erstaunen seiner Diener den Befehl, die Vorbereitungen zu einer Reise nach Paris zu treffen. Es war das Einzige, was er von seinem Kinde wußte, daß es bei den barmherzigen Schwestern eines bestimmten Klosters der Rue St. Anne in der französischen Hauptstadt

als Posiulatin lebte. In den ersten Jahren nach dem T.de Mary's hatte er sich von Zeit zu Zeit noch nach seiner Tochter erkundigen lassen seit Erscheinung Louise Stolberg's hatte er sie und Alle, vergessen. Ach, er mußte seinen Befehl nur zu bald wieder zurücknehmen, wie durfte sein gebrechlicher Körper solch eine weite Reise wagen! So konnte er nur seinen alten vertrauten Secretär und Diener nach Paris senden, einen Schotten, mit einem Briefe voll inbrünstigens Flehens an sein Kind, daß er es zu sich rufe aus voller Seele, daß er einsam und Mflos, krank und gebrochen sei und untergehen müsse in jenem reißenden Strom, in den er sich ge- stürzt und der doch kein Lethestrom für ihn geworden sei, und daß er nimmermehr die Kraft habe, sich selber zu retten! Ob sie wohl kommen würde, die Tochter seiner treuen Mary, zu dem Vater, der sie lange Jahre vergeflen?!

Und nun begann eine Zeit des fieberhaftesten Hangens und Bangens, wo der arme Einsame die weiten Prachtgemächer seines verödeten Palastes langsam durchschlich, an den mächtigen Spiegeln vor­über, die seine kranke Gestalt, sein entstelltes Antlitz wie zum Hohne ihm immer von Steuern zeigten, jene Räume, die sein entflohenes Weid bewohnt und die sein Fuß seitdem nie wieder betreten und die er doch nun von Neuem einrichten ließ für sein Kack. Würde feine Jeanne jemals darin wohnen?! U-ib die Tage wurden so dunkel und die Nächte so end- los lang und die Flamme des Hoffens auf einen lebendigen irdischen Engel des Trostes erlosch immer mehr und wurde zu einem winzigen Lichtchen, da« der Wmd des Zweifels hin und her wehte, daß es jeden Augenblick zu erlöschen drohte. Auf dem Tische aber neben dem Sessel, in welchem der Letzte der Stuarts den größten Theil seiner Tage ver­brachte und verträumte, lag eine neue Ausgabe der wunderbaren Verse des Dichters Vittorio Alfieri und dann und wann griff eine zitternde Hand nach dem kostbar gebundenen Buche, um darin zu blättern und die müden Augen lasen und lasen bis der Verlassene wild ausstöhnte und das Büchlein von fich schleuderte in namenloser Qual.

Lethe! Lethe!

Es kamen aber auch Stunden, wo ihn die blühende Schönheit jener Dichtungen, die alle jener Einen galten, berauschte, der Duft frischer Rosen und Orangenblüthen, und wo die Lippen derMuarts murmelten:Sie gehörten zu einander Er und Sie!"

Und die Zeit schlich weiter und keine Kunde kam von Paris, von dem einzigen Wesen, das noch zu ihm gehörte auf der weiten Welt. Wenn sie nun gestorben, wenn sie zu ihrer Mutter gegangen wäre, um den Vater anzuklagen, der sein Kind vergessen?!

Er fühlte, dann war er rettungslos verloren.

(Schluß folgt.)

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen,