Ausgabe 
14.1.1888
 
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Wo es sich thun läßt, nimmt man ein SMS vonj der Peripherie der Geschwulst, selbst hinweg odert. man macht einen Proöestich und holt aus dem Innern der Neubildung ein Partikelchen ihrer - Substanz hervor. Diese winzigen Theile sind dann - die einzigen Materialien, welche man .der Prüfung ; eines Anatomen unterwirft, oder welche ein in ana- l tomischm Untersuchungen geübter Kliniker oder s praktischer Arzt selbst durchmustert. Ich will nichts | gegen diese Art der Untersuchungen sagen, sie ist l oft die einzig mögliche. Aber man darf sich dann \ auch nicht wundern, wenn das Ergebntß ein trüge- i risches ist. Wie leicht kann es sein, daß die mini­malen Theile, welche dem Untersucher zur Verfügung s stehen, gerade nicht der schlimmen Stells angehören! i Freilich, wenn das Glück günstig ist, so kann auch selbst ein minimales Stück ein genügendes Bild von der inneren Einrichtung des Gewächses darbieten, und wenn dieses Stück krrbsigs Struktur W. so ist die Sachs in der That entschieden, gleichviel, ob - es ein reiner Krebs oder ob es ein Mischkrebs ist. Anders liegen dis Vsrhältnisie bei den Mrschge- schwülsten. Hier kann die Untersuchung eines Stückes der Neubildung sehr leicht > einem Irr- thum Veranlaflung geben, nur' ist dann der eigent- - liche Jrrthum auf Seiten des Klinikers, nicht des Anatomen. Denn dieser kann natürlich .nur über - das Auskunft geben, was ihm unterbreitet worden ; ist; der Kliniker ist es, der den Befund des Ana- tonten in Verbindung mit seinen eigenen Beob- | achtungen zu einem eigenen Urthril über die Be­deutung seines Befundes irr dm Stand schm muß. ;

Ganz besonders gilt b*es für den Fall, wo zwei verschiedene Neubildungen dicht neben einander sitzen, oder wo papillär« Exerescenzen neben Geschwüren emporwachsen. Dafür iiesern ganz besonders häufige Beispiele die Kehlkopfgeschwüre. In der That sicht man bei chronischen Geschwüren dieser ArtWuche­rungen der benachbarten Schleimhaut mit den sonder- s baren Papillarhyprrplasien, welche den Eindruck selbstständiger Papillargeschwülste machen können." | Aber auch hier giebt es gewiße Unterschiede, die den Untersucher letten können. Daß bei wirklichem Krebs des Kehlkopfes neben oder in geringer Ent- fernung von demselben harte, spitze Condylome vor­kommen, ^welche, für sich betrachtet, als unschuldige Lokalprodukte angesehen werden müssen, ist meines Wisiens durch sichere Beobachtungen nicht bewiesen worden. Man wird daher an dem Satze festhalten dürfen, daß nur diejenigen Neubildungen als krebsige anzusehen find, welche in ihrer Basis alveoläre Ein­richtungen mit einem Inhalt von heterotopem Epithel zeigen.

M Eins andere Bedeutung würde es haben, wenn es gelänge, in dem Krebs irgend eine andere be- sonders Substanz zu entdecken, welche geeignet wäre, die asten Vorstellungen von einer specistschm Schäd- i lichkeit wieder anfiebm zu lasien. Die seit einer | Reihe von Jahren immer zahlreicher werdenden Nach- \

wche parasitärer Mikroorganismen in krankhaften Thsilen haben bei Vielen die immer zuversichtlicher auftretende Hoffnung erregt, es werde sich auch ein Krebsbacillus auffinden laffen. Bis jetzt find die Ergebnifle auch der eifrigsten Forschung noch nicht in einer überzeugenden Demonstration vorgelegt worden. Jndeß ist die Möglichkeit eines solchen Vorkommens nicht einfach abzuweise; ja, man kann zugestehen, daß mit dem Ausfinden eines specistschen Bacillus ein wichtiger Fortschritt in der Diagnose und Prognose des Carcinoms gemacht werden würde.

(Schluß folgt.)

Dem deutschen Kronprinzen«

Herr, höre unser Flehen Für ein getreues Herz! O eil uns beizustehen Und wende allen Schmerz! O lass Ihn bald genesen Den heh'ren Kaistrsohn! Du hast Ihn doch erlesen, Zu zieren einst den Thron. Du hast Ihn treu beschirmet In mancher blut'gen Schlacht. Und was Ihn auch bestürmet Du hattest auf Ihn acht. Lah Ihn doch nicht vergebens Allgüt'ger, Dir vertrauen! Erhalter alles Lebens, Laß Ihn Genesung schau'n!

Er ist mit uns verbunden Durch heil'ges, starkes Band. In ernsten, schweren Stunden Dies feste Band entstand. Den Fördrer alles Schönen, Den, der als großer Held Voran den deutschen Söhnen Zog muthig in das Feld: Ihn woll'st noch lang erhalten, Den treuen Kaisersohn, Daß Er in Ehren walten Einst mög auf hohem Thron! O Herr, auf den wir hoffen, Hör gnädig unser Fleh'n! Das Leid, das uns betroffen, O laß es bald vergeh'::!

H. Buch^

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.