Ausgabe 
14.1.1888
 
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früher ihr Kammerdiener gewesen, und sie hatte ihn ru ihrem Geheimsecretair gemacht, vom Herzog in den Adelstand erheben lasten. Derselbe er nahm nach seiner Nobtlitirung den Namen seines Gutes Stolzenberg an, das er sich von seinemVerdienste" erworben hatte, dieser Herr von Stolzenberg hätte den Schatz zwar nicht an den Erbprinzen aus« geliefert, aber seine Gebieterin kannte seine ausge­bildete krankhafte Habgier und traute ihrem Com- piken in der jahrlang ausgeübten Beraubung Anderer es zu, daß er der Versuchung nicht wiederstehen und den Schatz entweder ganz oder doch theilweise für sich auf die Seite bringen würde. So blieb ihr nichts Anderes übrig, als an ihren ersten Gatten zu fchreiben, ihm die Verhältniste auseinander zu fetzen und ihn zu bitten, zu ihr zu kommen, um das ihrer Tochter bestimmte Vermögen selbst in Empfang zu nehmen. Da sie bereits jedem Be­wohner des Schlostes bis zu dem Domestiken hinab mißtraute, so übergab sie den Brief einem Bauern aus dem zum Gute gehörenden Dorfe, rüstete ihn mit dem nöthigen Reisegeld aus und fchickte ihn da­mit nach Hamburg. In diesem Briefe hatte sie meinen Urgroßvater gebeten, ihre Tochter mitzu­bringen, damit sie sie noch einmal sähe. Das war in dem langen Schreiben das einzige Zeichen von einem tieferen Gefühl, im Uebrigen war keine Spur von Reue über ihr vergangenes Leben darin zu finden. Im Gegentheil, man konnte deutlich aus Allem herauslesen, daß sämmtliche Beschlüffe für die nächste Zukunft aus Rachsucht gegen den ihr ver­haßten Erbprinzen, dem sie seine Pläne vereiteln wollte, und aus dem Wunsch von ihr gefaßt waren, als Gemahlin des Herzogs mit allem Pomp beerdigt zu werden.

(Fortsetzung folgt.)

Mofeffor Wrchow üöer den Kreös.

Das erste Heft de» 111. Bandes von Virchow's Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie" (Verlag von Georg Reimer, Berlin) bringt den von uns bereits avisirten AufsatzZur Diagnose und Prognose des Carcinoms" von R ud o l f V t r ch o w. Einleitend sagt Virchow:Fast sollte man glauben, es sei heutigen Tages überflüssig, über die Diagnose des Carcinoms unter Sachverständigen noch ein Wort zu verlieren. Und doch ist gerade in den jüngsten Tagen ein alter Streitpunkt wieder in den Vordergrund geschoben worden, die Frage, ob die ana­tomische oder ob die klinische Diagnose sicherer sei."

DirN.-Z." giebt folgende Analyse des Aufsatzes: Der erste Theil der Aufsatzes beschäftigt sich mit der Frage von dem Zusammenhänge der artig- leit einer Geschwulst mit ihrer anatomischen Struktur und bietet nur für den Fachmann Interesse. Hier

genügt er anzuführen, daß Virchow die anatomische. Untersuchung durch einen Anatomen oder Kliniker in den Vordergrund stellt. Eine klinische Klassi­fikation (der Geschwülste) gebe es gar nicht und könne es nicht geben, vielmehr müsse jede derartige Klassifikation eine anatomische Grundlage haben, und jede, auch die klinische Diagnose sollte darauf aus­gehen, die anatomische Stellung der Geschwulst fest- zustellen.

Was inbesondere den Krebs anbelangt, so bestehe derselbe aus Zellen von epithelialem Charakter, deren Erkennung nicht so leicht sei.Welcher Sterbliche wäre vor Jrrthümern geschützt I" schreibt Virchow. Auch die bessere Erkenntniß schützt nicht ganz vor falschen Diagnosen." Schon 1851 habe er gezeigt, daß es Mischgeschwülste gebe, in denen verschieden­artige Gewebstypm an den verschiedenen Stellen vorkommen. Nichts gebe leichter zu M-ßserständ- nissen und Täuschungen Veranlassung, als der Um­stand, daß gewisse Theile einer Geschwulst ganz und gar aus Bindegewebe zusammengesetzt sind, während andere eine ganz abweichende Struktur besitzen.Be­schränkt man sich bei der Untersuchung darauf, nur bestimmte, kleine Punkte des Gewächses einer ge­naueren Prüfung zu unterwerfen, so kann es leicht sein, daß man nur die einen oder die anderen der constituirenden Theile zu Gesicht bekommt und dar­nach den Charakter der Geschwulst bestimmt. Ist dies gerade der bindegewebige Antheil, so wird man natürlich im allgemeinen günstig über die Natur des Gewächses mtheilen, in der Regel günstiger, als man gethan haben würde, wenn man auf die anderen Theile gestoßen wäre. Mir selbst ist dies begegnet, und ich habe mich zum Theil erst dann von meinem Jrrthum überzeugt, wenn ich durch ein Recidio auf den suspekten Charakter des Prozesses aufmerksam wurde. So erinnere ich mich insbesondere eines rekurrirenden Fibroms der Jnfraorbitalgegend, bei dessen erster Exstirpation durch Cajetan v. Textor ich eine einfache Bindegewebegeschwulst diagnosticirte; als ein Recidiv eintrat, fand ich caneroide (krebstge) Struktur, und als ich nun die in Alkohol aufbe­wahrte erste Geschwulst von Neuem untersuchte, so zeigte sich, daß ganz kleine Stellen darin den cancroiden Bau besaßen, während fast der ganze übrige Thril stbromatö? war.

Seitdem sei die Sicherheit der Prognose mit den Fortschritten der Diagnose gewachsen. Bei Mischkrebsen der Oberflächen weiß man im voraus, wo man den krebstgen Antheil zu suchen hat; er sitzt regelmäßig in der Basis der Geschwulst, und daher wird sich die Forschung wesentlich auf diese richten. Mit Recht legen die Kliniker auch einen großen Werth auf die Untersuchung der in der Regel zu­nächst befallenen Organe, insbesondere der Lymph- drüsen. Daß auch hier nicht ganz selten Jrrthümer Vorkommen, indem einfach entzündliche Anschwellungen der Lymphdrüfen für krebstge gehalten werden, ist bekannt genug. Allerdings sei eine exploratorische Untersuchung eines Thsiles der Geschwulst möglich