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„Las ist es nicht, das kann , es nicht sein", erwiderte er, „denn er hat sich nie viel daruA beworben. Das ist ihm gleichgültig. Prell muß Vermögen haben, sonst könnte er nicht so leben, wie er lebt!"
(Fortsetzung folgt.)
Gin Taugenichts.
Die Geschichte eines Künstlers. Von Karl Ne um ann-Strela.
(Schluß.)
Das Mutterherz pochte immer stärker, je näher die Stunde des Abschieds kam, und als dann Daniel die sogenannte ordinäre Post, ein entsetzlicher Rumpelkasten ohne Polster und Federn bestieg, da glaubte die arme Frau doch nicht anders, als daß ihr ein grausames Geschick den Einzigen auf immer entführte. Nicht reich beladen mit Schätzen, aber mit guten Ermahnungen desto reichlicher versehen, saß er zwischen Kisten, Kasten und Päcken im Rumpelwagen. Machte er nicht wieder das grämlichste Gesicht? Ging er nicht einem neuen „Gefängniß", neuen Martern entgegen? Unter diesen Empfindungen begrüßte er die Residenz und pochte bei Herrn Heyl in der Leipzigerstraße an. Kein Zwiebeldust, kein Häringsgeruch, kein Befehl den Laden zu kehren, Tonnen und Wannen zu scheuern. Kein gestrenger Prinzipal, sondern ein freundlicher Herr, der den jungen Verwandten herzlich willkommen hieß. Wie so ganz anders war es doch im Laden der Sello gewesen! Hier in diesem Hause erinnerte nichts an „Sklaverei" und „Ketten"! Aus den Mienen des Herrn Heyl sprach nur Güte; innig und Vertrauen erweckend, wie seine Worte waren, vertraute sich ihm der Jüngling schon nach wenigen Tagen an, was er ersehnte, geduldet und gelitten hätte. Er erzählte, wie er sich auch nach der Katastrophe in Frau Sello's Laden vergebens bemüht, von der Mutter Erfüllung seines Wunsches zu erlangen, wie er von dem Gedanken, ein Maler zu werden, dennoch nicht lassen könne, und wie ihm mit jeder Stunde nur klarer werde, daß er zum Kaufmann nicht tauglich sei. Das sprach er so warm, so überzeugungsvoll, so aus der Tiefe seines Herzens heraus, daß Herr Heyl ihm zuhörte, ohne ihn nur einmal zu unterbrechen. Auch in den nächsten Tagen sagte er dem Knaben nichts, er stellte sich, als hätte er die Sache ganz vergessen.
Aber er ging mit sich zu Rath und legte sich die Frage vor: ob nicht die Pflicht von ihm erheische, den Jüngling auf den ersehnten Weg zu führen und ihm ein Helfer und Beschützer zu werden? So kam er denn wieder nach reiflicher Erwägung auf Daniels Bekenntniß zurück und begehrte Proben seiner Kunst zu sehen. Wie hätte der Jüngling zögern können, diesem Verlangen nicht auf der Stelle zu genügen! Was lag ihm näher, als den Prinzipal
zu zeichnen und die übrigen Hausgenossen dazu? Dann begab sich Herr Heyl mit diesen Blättern zu namhaften Malern und erbat ihre Meinung. Wie dieselbe war? In dem Briefe des Kaufmanns nach Anklam hieß es in Kürze so: Daniel müßte ein Maler werden, und wer ihm das noch länger untersagte, beginge einen Frevel an der Kunst! Das war entschieden kurz und bündig, das hatten die Gefragten einstimmig erklärt. Und das wirkte auch bei der Mutter, denn als sie dem Seifensieder das Schreiben des Vetters reichte, da fügte sie gleich hinzu: „Wenn ihm Heyl die Mittel gewähren will, wie er mir meldet, dann würde es Unrecht von mir sein, wenn ich ihn noch länger hindern wollte! Also in Gottes Namen, und mögen seine Hoffnungen in Erfüllung gehen!"
„Narrheit," polterte der Nachbar. „Sie werden es noch bitter bereuen! Ein Taugenichts, wie Frau Sello sagt, aus dem nie etwas werden wird!" . . .
Und in Berlin nach wenigen Tagen? Der glückselige Daniel küßte die Antwort der Mutter und dankte dem Kaufherrn aus Herzensgrund. Vorbei die Nacht, das Grauen! Der Tag brach an mit seinem Glanz und Sonnenschein! Und wohl ihm, daß er das Bild der Gestrengen gefertigt hatte, und daß ihm befohlen wurde, in dieses Papier Schwefel- faden zu packen! Daß es nicht in die Ecke zwischen Lumpen gerieth, sondern bemerkt, betrachtet, bewundert und besprochen wurde! Wäre Dame Sello sonst aus der Gesellschaft gestürzt? Hätte sie sonst auch die zweite Zeichnung erwischt und den „Taugenichts" aus den Hause gejagt? Also entschieden ein Glück, daß Alles so geschah, und daß dann Herr Heyl gebeten wurde, den Sohn des seligen Vetters unter seine Flügel zu nehmen.
Und Ende gut, Alles gut. Hat nicht der würdige Kaufherr erlebt, daß Daniel Dank seines rastlosen Fleißes, die Nuhmesleiter höher erstieg und daß auch sein Name erklang, wenn von den tüchtigsten Künstlern gesprochen wurde? Hat die Mutter ihre Einwilligung je bitter bereut? O, Nachbar Seifensieder und ge- strenge Frau Sello, ihr seid schlechte Propheten gewesen !
Daniel Berger wurde zwar kein großer'Maler, sondern einer der trefflichsten Kupferstecher seiner Zeit. Plötzlich fiel es ihm ein, Pinsel und Palette mit dem Grabstichel zu vertauschen. In Paris, später in London, lag er diesem Studium ob, und wieder in Berlin, ernannte ihn der König zum Professor der Kupferstichkunst an der Akademie. Da entstanden seine berühmten Blätter „Schwerins Tod" „Seidlitz in der Schlacht bei Roßbach" und „Friedrich der Große mit dem Stern aus dem Haupte." Darstellungen aus dem Leben des Prinzen Heinrich reihten sich an und als Berger, der die glänzendsten Berufungen nach Paris und Petersburg ablehnte, seine Sammlung deutscher Gelehrten und Künstler erscheinen ließ, wählte man ihn zehn Jahre vor seinem Tode, der
I 1824 erfolgte, zum Direktor der Berliner Akademie.
Nedsttion; A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gicßcir.


