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Deutsche Kaiser in Kam.

Ein zeitgemäßer Rückblick von Dr. Adolf Frank.

Die Romfahrt Kaiser Wilhelms bedeutet den Frieden. Die Romfahrt der deutschen Kaiser ehedem hatte gewöhnlich den Krieg zur Folge. Ungezählte Myriaden von tapferen Deutschen fanden ihre ewige Ruhe auf italischer Wahlstatt und da wo heut der Separattrain, welcher den Kaiser Wilhelm II. in die ewige Stadt führt, dahinbraust, maßen die Ge­schwader der ehemals nach Rom ziehenden deutschen Kaiser ihre Kraft mit den italischen und auch Franken­heeren, welche dem Papst die Macht verliehen, um gegen seine Rivalen in der weltlichen Herrschaft oftmals siegend aufzutreten.

Karl der Große erhielt die Kaiserkrone wir müssen annehmen unerwartet, denn er war ums Jahr 800 am 1. Weihnachtstag in der Peterskirche als Betender, als der Papst Leo auf ihn zuschritt und ihn unter dem Jubel der Römer zum (deutschen) Kaiser krönte. Hätte er geahnt, daß die unvermuthete Huldigung des Bischofs von Rom seine Schöpfung in Frage stellen könnte und das von ihm mühsam eroberte Reich dem Untergang nahe bringen würde wie hätte er sich gegen diese Form aufgelehnt. Aber seine Nachfolger wollten es ihm an Glanz und äußeren Ehren gleichthun, und die Päpste waren froh, auf diese Weise sich dem Kaiser unterthan zu machen, denn nur die Krönung zu Rom ließ sie zu der zweit­höchsten aber eitlen Würde gelangen.

Während in der Karolingerzeit Karl der Kahle zum ersten Male nach Rom ging (896) und die Kaiserkrone gewann, mußte 21 Jahr darauf Arnulf v. Kärnthen sie sich schon um Rom erkämpfen. Herr­scher wie Konrad I. von Franken und Heinrich von Sachsen,.der Finkler, besaßen gesunden deutschen Sinn genug, um auf die leere Würde zu verzichten, wogegen der mächtige Otto L, welcher durch seine Gemahlin Adelheid Ansprüche an Italien hatte, im Jahr 962 zum ersten Male in Rom erschien und vom Papst Johann XII. die Krone empfing. Roch zwei Romfahr- ten mußte der gewaltige Mann machen auf der letzten ließ er seinen Sohn Otto II. zum Kaiser salben aber die von Otto I. angebahnte Verbindung mit Italien wurde Deutschland zum Verderben. Otto II. starb zu Rom (7. Dec. 983) und auch Otto III. welcher 996 zum ersten Male in Rom weilte und zwei Jahr später wieder dort erschien hauchte 1002 auf italischem Boden seine Seele aus. Der Vater war 28, der Sohn 22 Jahr alt, als sie der Tod wegraffte. Der Nachfolger Heinrich II. machte 1004 eine Fahrt über die Alpen, aber ohne Erfolg mußte er zehn Jahr später wiederkehren und da ward ihm die Kaiserkrone. Aber wie haßten die Römer diese Deutschen, welche über sie nur Krieg und Noth brachten!

Mit Konrad II. gelangten die Salier zur Herr­schaft, klug,, gewandt und stark in der Herrschaft. Seine Römerfahrt 1027 mußte er zehn Jahr später

wiederholen, um sein Ansehen in Italien wiederher- zustellen. Sein Sohn Heinrich III. war ein selten stastvoller Herrscher, er setzte die sich befehdenden Gegenpäpste ab und einen Deutschen auf den Stuhl Petri (1046). Aber sein Sohn Heinrich mußte >afür den Zorn des siegenden Papstes bitter fühlen und als dieser deutsche König über die Alpen ging, da war der Bann über ihn gesprochen und allein mit Weib und Kind, ein Führer voraus, so erreichte er auf Seitenpfaden Italien. Canoffa, wo er drei Tage fast nackt, vor dem Papst Gregor VII. buß­fertig erschien, entflammte seine Rache. Dreimal relagerte er Rom (1080. 2. 3.) und endlich zog er 1084 in dieheilige" Stadt ein, um sich von dem Gegenpapst Gregors, Clemens HI. krönen zu lasten. Nur mit Waffengewalt konnte sein Sohn und Nach­folger Heinrich, welcher bis 1125 regierte, die Kaiser­krone von Paschalis erzwingen, und die ewige Stadt widerhallte von den Kämpfen, die in ihren Straßen zwischen Deutschen und Welschen tobten.

Der Nachfolger Lothar von Supplinburg kam nur mit geringer Macht nach Italien und er konnte auch das Bollwerk Roms, die Engelsburg, nicht von dem feindlichen Papste und den hartnäckigen Römern erobern (1133), dafür ^unternahm er drei Jahre später eine neue Romfahrt mit einem stärkeren Heere. Trotzdem war er dem schlauen Papste nicht ge­wachsen und sein Erfolg in Italien war gleich Null. Am 18. Juni 1155 war Friedrich I. von Schwaben auf italischem Boden und diese Waffengänge bilden den Kriegsruhm, aber auch den Untergang des Hohenstaufengeschlechts. Friedrich I. Barbarossa lieferte bei seiner Krönung 1156 den Römern in ihrer Stadt die erbittertste Straßenschlacht und 1158 war er wieder mit einem prächtigen Heere in Italien, während in Deutschland der Krieg im Innern ent­brannt war. Bei seiner dritten Römerfahrt mußte er sich den Eintritt in die ewige Stadt (1167) er­kaufen und der Papst wie die lombardischen Städte zwangen ihn zur Flucht nach Deutschland. Im Herbst 1174 zog er ein viertes Mal über die Alpen, aber die Schlacht von Leguano (29. Mai 1176) entschied über die Freiheit der italienischen Städte zu ihren Gunsten, und der stolze Hohenstause mußte ein Jahr darauf mit der Curie Frieden schließen, nachdem er Hekatomben deutscher Tapferer einem Phantom geopfert. Noch einmal sah ihn Italien am 24. Januar 1168 ward in Mailand die Vermählung seines Sohnes Heinrich VI. mit Con­stanze, der Erbin Neapels und Siciliens geschloffen; vier Jahre darauf fand der greise Kaiser sein Ende im Flusse Saleph.

Seinen Nachfolger Heinrich IV. finden wir 1191 zu Nom, wo er Ostern die Kaiserkrone empfing. Im Jahre 1184 führte er sein Heer zur Eroberung des Erbes seiner Gemahlin nach Apulien und Sici- lien und 1196 erschien er zum dritten Male in Italien und Brand und Entsetzen bezeichneten den Weg, den er genommen. (Schluß folgt.)

Rchsetion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.