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jetzt wirklich die Gefahr der Entdeckung?
Sie zitterte bei diesem Grdauken und schritt in fieberhafter Unruhe auf dem weichen Teppich ge« räuschlos hin und her. Daß Egon Dörner mit ihm gereist, war ihr ein großer Trost, fie dankte ihm im stillen Herzen dafür und erröthels bei der Erinnerung des gestrigen Abends, als sie sich feine Blicks, feine Worte, die, wie sie sich sagen durfte, im Grunde nur ihr allein gegolten, mrückrief. Sie halte ge-
bezügliche Frage mit leeren Ausflüchten beantwortet und selbst Tante Ulrike, wie sie sehr wohl bemerkt, darüber in Ungewißheit gelassen. Fühlte der arme Bruder sich noch immer unsicher, oder drohte ihm
Paares oufnahm.
Hier lag die bleiche, ätherische Gestalt, von elf» ganten Spitzen Wolken umgeben, in halb erhobener Stillung, von Kiffen, welche bis Spitzen ihres weißen Gewandes bedeckten, bequem gestützt, vor dem geschloffenen Fenster, durch welches sie bk Straße genau überschauen und hinreichmd selbst gesehen wer-
Herz seine Freude daran harte.
Aber was schöner noch als die ganze Prochi, das war der sonnige Himmel, welcher den Tag gar heiter begrüße und nach langen, kalten Regentagen der Erde einen warmen, freundlichen Blck wieder gönnte.
Am Mittag sollte das erlaucht« Paar eintreffen und am Morgen schon strömte das Landvolk schaaren» weife zu Wagen und zu Fuß in die Stadt, wogte eine festlich geputzte Menge schon neugierig durch die Straßen, um die Ehrenpforten und alle übrige Pracht sich in Muße anzuschauen, sich schließlich einen guten Platz zu sichern, und hier, stundenlang eingepreßt und von allen Seiten gedrängt, des ersehnten Schauspiels zu harren.
So war's zu allen Zeiten und so wird's auch immerdar, so lange es neugierige Menschenkinder noch gie'ot, bleibm. Die Glücklichen, welche bcqaem hoch oben aus offenem Fenster schauen konnten, wurden natürlich beneidet und, je länger das Harren währte und die Ungeduld stieg, auch immer lauter
den konnte.
Ulr ke, welche im Hintergrund stand, betrachtete sie mit feuchtem Bl'ck. Sie hätte diese Schaust- ll rng der gcbr-chlichm Gestalt so gern vermieden und zitterie im Herzen vor den unbarmheestgen Pfeilen ihr boshaften Menge, doch wäre ein Abrathrn nach dieser Sette hin ein Todesstoß für die noch immer so eitle Irmgard gewesen, das wußte Ulrcks, und deshalb beugte sie sich wie immer ihrem Willen, um das zarte Dasein zu schonen.
Hedwiga, welche wirkstch als Führerin und Spre- chsrin der Ehren-Jungfrauen fungiren sollte, hatte bereits vor einer Stunde das Haus verlassen und war zum Major Tellkamp gefahren, um mit Mazda zusammen sich nach dem bestimmten VersammlungS- Ort der Damen zu begeben.
Ulrike war, al» Hedwiga die schmeichelhafte Einladung des Bürgermeisters empfangen, auf emen heißen Kampf mit Tante Irmgard gefaßt gewesen. Sie erstaunte deshalb nicht wenig, als diese den gerade anwesenden Baron von Lerchrnheim lächelnd anschautr und ohne irgend welchen Einwand ihre gnädige Zustimmung ertheilte. Der alte Herr rieb sich ebenfalls lächelnd die Hände, hütete sich aber wohlweislich, seine feine Taktik, zu welcher Hedwiga den Anstoß gegeben, voreilig zu verrathen, e» viel- mehr der jungen Dame überlastend, die erstaunte Tante Ulrike aufzuklären.
(Fortsetzung folgt.)
verhöhnt und verlästert.
Beim Jmmendorf'schen Hause, wo die Schloß- straße sich verbreiterte, hatte sich die Menge buchstäblich eingekeilt, fo daß die Polizei nur mit größter Mühe die Fahrstraße freizuhalten, und den Gewerken, welche sich mit ihren Fahnen an den Seiten der ‘ Länge nach ausgestellt, Raum zu verschaffen m rmochte. f
Da» Jmmendorf'sche Hau» war unstreitig da» i
am schönsten und finnigsten geschmückte in der ganzeü Straße. Ulrike und Baron Lerchrnheim, dem Tante Irmgard selbstverständlich einen feineren Geschmack zutraute als der Schwester, weil er ihr bis heute leine Anbetung und Huldigung bewahrt, hatten das Möglichste geleistet, um mit Hülfe des Decoratem» dem mittelalterlichen Styl des Hauses gerecht zu werden. Die freiherrliche Rüstkammer hatte ihre altsrthümlichen Waffen und Banner, welche bis auf die Kreuzzüge zurückgeleitet wurden, hergegeben, um das in Stein gehauene Wappen des allen kriegerischen G-schlechts, welches au? der Vorderfront de» lllu iyt uuv„. avbv„v„, v„..v av. , Hauses thronte, würdig zu schmücken, während die
glaubt, daß Mazda für "ihn bestimmt gewesen, daß I übrigen Bildwerke mittelalterlicher Steinmetzkunst, beide sich lieben müßten, — und nun? — sowie die vorspringenden Erker und durchbrochenen
„Es ist unser Verhängnis, flüsterte sie, „die Steingüter mit dm Reiche, und Landersacven und Nemesis für Taute Irmgard!" mit dem prächtigsten Blumenschmuck, eingerohmt vom
Unwillkürlich überflog ein Lächeln des Triumphs frischen Tannengrün sich glänzend präsentirten.
ihr schönes Antlitz, die schlanke Gestalt hob sich stelz Tante Irmgard beklagte es bitter, dresm pom- empor und ihre Lippen flüsterten leise den Namen | pösen Anblick, der Aller Augen auf sich zog, nicht
@poni" I genießen zu können. Doch tröstete sie sich mit dem
* I Gedarken, von einem schmalen Bogenfenster aus da»
18. । Schauspiel separat vor sich zu haben, während da»
Die Stadt X. prangte im festlichen Schmuck; große Mttelfenster die bekränzten Büsten des Fürsten- was Flur und Wald noch an Grün beseffen, hatten | " sie hergeben müffen, um den wichtigen Tag zu ver- 1 herrlich?«, — alle Gärten und Treibhäuser- waren i geplündert, um stolze Ehrenpforten zu errichten, alle !
Häuser, vom Palast bis zur Hütte herab austs 1 Prächtigste zu schmücken. Darüber hin wogte ein | Fahnen- und Flaggen-Aieer, daß jedes patriotische ,


