thut mir weh. Doch warum ich Sie noch fragen wollte, Sie find mit der Pflegetochter der Frau RegierungSräthin Dörner befreunbet, nicht wahr?"

Freilich, ist meiner lieben Magda etwas zu- gestoßen ?"

Das nicht, ich habe die junge Dams kennen ge­lernt, sie wird, wie ste mir heute selber mitgetheilt, eine der Ehren"

Er brach ab, als suche er nach dem rechten Ausdruck. , t

Damen, wie Tante Irmgard das schöne deutsche Wort Jungsrau corrigirte", ergänzte Hedwiga lachend.

Nun ja, sagen wir lieber eine der Ehren- Jungfrauen beim Empfange sein", lächelte Lerchen, heim verlegen.Ich weiß in der That nicht, ob der Magistrat auch sonst noch adelige Damen aus der L'ste hat, weiß aber bestimmt, daß Sie darauf stehen, gnädiges Fräulein, und man Sie zu einer Ansprache auserschen hat."

O web", seufzte Hedwiga mit komischem Ent­setzen,ich' soll auch dieses Opferlamm sein? freilich hat man mir noch keine feierliche Deputation tn'S Haus geschickt, denn nur eine solche könnte Tante Irmgard zur Einwilligung vielleicht bestimmen."

Ich fürchte das ebenfalls und wenn der Adel nicht weiter dabei vertreten"

Wenn ich, die Freiin von Jmmendorf, dis An- führerin einer bürgerlichen Eskorte sein würde", fiel Hedwigs mit leisem Spotte ein,dann, li-ber Baron, müßten wir der Tante es nachdrücklich vormalen, daß eine Weigerung meiner- oder vielmehr ihrerseits dis derWar größte Beleidigung für das fürstliche Paar, da ein jeder Osficier auch der Anführer bür- gerlicher Truppen sei. Diese Kerngründe werden hinreichen, die Tante zur Capitulation zu zwingen."

O, Sie sind eine schlaue Strategin", lächelte der Baron entzückt,so wird es prächtig gehen, dis Furcht vor dem allerhöchsten Unwillen muß alle Scrupel besiegen. Ich war in der That schon ganz niedergeschlagen, Sie haben mir Muth und Zuver­sicht zurückgegrben, Fräulein Hedwiga! Nur ein« begreife ich nicht, daß Ihr Herr Bruder jetzt gerade die Stadt wieder verlassen hat, und, wie Major Trllkamp mir sagte, auch fein berühmter Neffe, DÄtor Dörner, aus und davon gegangen ist. Ich finde das in der That sonderbar, ja, sogar, pardon, ein wenig rücksichtslos, da die Stadt, wie ich ver- nommen, ihrem berühmten Sohn ebenfalls besonders Ehren zngedacht haben soll."

Ich denke mir, daß sie bi« dahin wieder zurüa- kehren", bemerkte Hedwiga gedankenvoll,jedenfalls werden dringende Geschäfte die Reite veranlaßt haben.'

Gewiß, gewiß", nickte der Baron eifrig,ver­zeihen Sie meine fürwitzigen Zweifel, gnädiger Fräulein!"

Ec küßte ihr nochmal« die Hand und empfahl sich, während Hedwiga langsam die Treppe hinauf« stieg, um sich nach ihrem Zimmer zu begeben.

I War hatte diese eilige Reise der beiden jungen Männer zu bedeuten? Ulrich hatte ihre daraus

hohe Adel überhaupt daran betheiligt, da ich aus früheren Anlässen mich sehr genau erinnere, daß der­gleichen Aufzüge stets vom Bürgerstande ausgeführt wurden. Sie werden sich ganz genau darnach erkun­digen, lieber Baron!" setzte fie, zu diesem gewendet, befehlend hinzu,und mir zeitig genug darüber be- richten. Wenn unsere Aristokratie sich nicht daran betheiligt"

NM am Empfange des Fürsten. Paares?" fragte Hedwiga verwundert.

Ach Thorheit, Kind, nicht am Auszug der Bür­gerschaft", rief Irmgard nervös erregt,dann wirst auch Du in solcher Weise Dich nicht rxponiren, um unseren Kreisen keinen Anstoß zu geben und Dich nicht lächerlich zu machen. Du vergissest stets, was Du Deinem Range schuldig bist, ein Erbübel, wie ich fürchte"

Tante Irmgard!" unterbrach Hsewiga sie, das schöne Haupt stolz aufrichtend.

Laß die Tosten ruhen, liebe Schwester!" bat Ulrike in ihrer sanften Weise.

Die Kranke bekam einen schrecklichen Hustenansall und mußte, als gerade in diesem Augenblick der Arzt erschien, sich jetzt ganz ruhig verhalten, was Ulrike mit einem stillen Dankgebet segnete.

Der Baron und Hedwiga hatten fich einfach empfohlen.

Man muß der lieben Kranken etwas zu Gute halten, gnädiges Fräulein!" flüsterte der alte Herr, als dis Tochter des Hauses sich auf dem Corridor von ihm verabschiedete.

Freilich, Herr Baron", versetzte jene, ihn un- muthig anblickend,von mir möchte es die Pflicht erheische«, während ich Ste in Ihrer grenzenlosen Herzensgüte und Hingebung st-ts bewundert habe. Wie schade, daß aus Ihnen und Tante Ulrike nicht ein Paar geworden."

Der gute Lerchrnheim blickte sie verdutzt an und schüttelte dann energisch den weißen Kopf.

Gnädiges Fräulein belieben zu scherzen, ich bin ein Dutzendmensch, Ihre Tante Ulrike aber gehört zu den Aufnahmen, den wenigen Ausnahmen dieser Erde, welche der Herrgott geboren werden ließ, um Anderen zum Vorbild und zur Nacheiferung in der schweren Kunst selbstloser Aufopferung zu dienen. Wohl darf auch der Unbedeutende den vermessenen Wunsch hegen, eine schöne Blume sein zu nennen, doch niemals sich Ehren, das Erhabene zu sich herabziehen zu wollen."

Ach, Sie find ein Herzensmrnsch, Herr Baron!" sprach Hedwiga, ihm gerührt die Hand reichend,ich glaube, daß ich Sie noch jetzt heirathen könnte, wenn Sie mich möchten."

Hm, da« käme auf einen Versuch an, meine Gnädige!" lächelte der Baron, ihr die Hand küssend.

,Wa« Tante Irmgard wohl dazu sagen würde? Sie müssen ihr doch al» Neffe gmehm sein, wie, Baron?"

O, scherzen Ste nicht so grausam, Fräulein Heb, wigal" bat der alte Herr.Schon der Gedanke