Hießener Isamilienbläller.

Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.

mx 121, Samstag ben 13. October. 1888.

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Im Kaufe Immendorf. |

Original-Roman von Emilio Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Wie der Baron mir mittheilt, sagte Irmgard, zu Ulrike , gewandt,so werden die höchsten Herr­schasten unbedingt durch unsere Straße kommen, da bereits eine Ehrenpforte am Hohenthor erbaut wird. Wir »erden also zeitig genug auf eine würdige Aus­schmückung unseres Hause» Bedacht nehmen müssen. Bedenke r» wohl, Ulrike, ich rede von einer solchen, welche des Freihrrrlichen Hauses Jmmendorf würdig ist, somit ebenso reich al» gediegen sein muß. Un. erhört, daß Ulrich gerade j-tzt verreisen mußte, als ob irgend etwas in der Welt für ihn wichtiger sein könnte, als die bevorstehende Feierlichkeit. Er kehrt doch bestimmt bis dahin zurück."

Ohne Zweifel, liebste Irmgard!" beruhigte Ulrike sie mit sanfter, schmeichelnder Stimme, ,rege $ Dich deshalb nicht auf, meine Schwester!"

Nun, ich w'll auch nicht befürchten, daß er so pflichtvergessen sein sollte", hustete Irmgard, nach Athem ringend,als Erbe seiner Vater« muß er die fürstliche Bestallung de« freiherrlichen Ranges besitzen, muß al« Herr und Repräsentant de« Hauses Jmmen- dorf seine Schwester den höchsten Herrschaften vor­stellen und ihr die ihrem Range zvkommende Stellung in der Gesellschaft verschaffen. Er muß sich alsdann eine Gemahlin au« ben adeligen Familien de« Lan­des erwählen"

Wo möglich eine Millionärin", schaltete Hedwiga etwas ironisch ein.

Die Kranke heftete ihren geisterhaft durchdrin­genden Blick auf die kühne Sprecherin und sagte mit scharfer Stimme:Jawohl, meine Theure! er fall da« Gold nicht gering schätzen, doch vor allen Dingen auf eine untadelige Geburt, einen ritterlichen Namen sehen, deren Vorzüge keine Million aufzu- wiegen vermag. Sind Sie nicht derselben Meinung, lieber Baron?" wandte sie sich an den etwas betre­ten dreinschauenden alten Herrn.

Allerdings, allerdings, Gnädigste haben stets recht!" stotterte der arme Lerchenheim.

Ich hoffe, Du wirst Dir diese Grundsätze recht fest einprägen, Hedwiga!" fuhr Irmgard nüch einer Pause hüstelnd fort, da Du vor Allen im Hirblick auf Deine"

Theuerste Irmgard, Du regst Dich wieder zu sehr auf", unterbrach Ulrike sie mit sanfter, aber fester Stimme,ich muß im Namen des Arztes

diese« Thema untersagen. Auch sind wir", fuhr sie lächelnd fort,so gänzlich van der Sache abgck^m- men, da wir die würdige Ausschmückung unseres Hauses bcrathen wollten. Selbstverständlich werden wir uns Deiner Ansicht unterordnen und unserer » alten Burg ein recht festliches Ansehen geben."

Gut, gut", nickte die Kranke zufrieden,ich weiß, Du hast darin einen guten Geschmack, Ulrike, wenn sich derselbe auch hier und da verirrt hak, möchte Dir z. B. um ksinen Preis die Auswahl eine« Gatten für Hedwiga überlassen, nein, nein, um keinen Preis» Schwester Ulrike!"

Diese erblaßte und v-rsuchte zu lächeln, während Hedwiga'« Antlitz von einer zornigen Gluth überzogen wurde, und ihre feinen Lippen sich ftst aufeinander preßen, um das heftige Wort zmüchvhrlten.

Die Augen der Kranken aber wanderten von der einen zur andern und freuten sich, daß der Pfeil getroffen, die boshafte Bemerkung verletzt hatte.

Gemach", dachte Hedwiga, den Blick der Tante fest erwidernd,über mich hast Du keine Gewalt, versuch' es nur, mein Glück zu vernichten oder mir einen Gatten auszwingen zu wollen."

Tante Irmgard schien diese rebellischen Gedanken in ihren Augen zu lesen, um ihren Mund legte sich ein Ausdruck unbeugsamer Härte und Grausamkeit und ihr Blick funkelte unheimlich ro'e das phos« phorescirende Auge des Raublhiers.

Hedwiga schauderte unwillkürlich zusammen, aber sie fürchtete sich nicht vor ihr.

Ja, was ich sagen wollte, meine Gnädigsten!" nahm der Baron, sich verlegen räuspernd, jetzt das Wort,Sie werden selbstverständlich über meine schwachen Kräfte nach B<Üeb-n verfügen. Sicher­lich wird das gnädige Fräulein Hedwiga unter den Ehren-Jungfrauen der Stadt nicht fehlen, sondern

Aber, lieber Baron!" unterbrach ihn Irmgard tadelnd,Sie wollten doch wohl Ehren-Dam en sagen, rote?"

Ulrike mußte ihre ganze Strenge ausbieten, um Hedwiga'« Heiterkeit bei diesen unerwaiteten Worten durch ihren Blick zu zügeln, während der Baron in eine grenzenlose Verwirrung gerteth und einige unzu- sammenhängende Worte, wie Uebereilung. alte Sitte, untröstlich, Verzeihung hervor stammelte.

Gewiß wird Hedwiga sich nicht von dieser Ehrenbezeugung aurschließen, falls man sie von zu­ständiger Seite dazu auffordern sollte", kam Ulrtke I ihm rasch zu Hülfe.

Nun ja", stimmte Irmgard gnädigst bei,auch * ich hätte nicht« dagegen, voramgefttzt, wenn sich der