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Hießener Jamilienblälier.

Belletristisches Beiblatt ;um Gießener Anzeiger.

M 108 Donnerstag den

Im Kaufe Immendorf.

Original-Roman von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Es ist aber wirklich komisch für Hedwiga und mich, daß unsere Brüder fast zur selben Zeit wie eine Bombe in die Heimath fallen", bemerkte Magda kopfschüttelnd.

Allerdings ein eigenthümlicher Zufall", nickte der Major,aber, du lieber Gott, es scheint doch nur seltsam, weil Ihr beide befreundet seid. Und nun genug davon, Kinder, ich möchte mit Egon einen Spaziergang machen, er sehnt sich sicherlich darnach, das Pflaster der alten Vaterstadt einmal wieder zu betreten."

Und ich gehe mit Eurer Erlaubniß zu Hedwiga", rief Magda eifrig.

Ja so", bemerkte der Major etwas zögernd, das hätte ich bald ganz vergeffen, Fräulein Hed­wiga war vorhin, al» Ihr nach dem Bahnhof wäret, bereits hier, ist aber heimlich entflohen, als Ihr zu- rückkchrtet. Na, lies ihr nur gehörig den Text dafür, Magda I"

Diese gelobte es feierlich und die beiden Herren begaben sich auf ihre Zimmer, um sich zum Spazier­gang umzukleiden.

8.

Der Tag war ausnahmsweise schön; mit mildem Glanz strahlte die Sonne durch die entlaubten Bäume und spickte in wunderlichen Reflexen mit den bunt­gefärbten Blättern, welche die Wege bedeckten.

Das kleine Gehölz draußen vor der Stadt, wo sich das letzte Drama des unglücklichen Ulrich abge­spielt, wurde im Sommer fleißig besucht, während es jetzt als Aufenthalt lichtscheuen, obdachlosen Ge­sindels ebenso sehr gemieden wurde.

Hierher lenkten Onkel und Neffe, als sie ihren Rundgang durch die Stadt vollendet, ihre Schritte, weil zwischen diesen Bäumen, wie Egon bemerkte, seine schönsten Knaben-Erinnerungen sich bargen.

Das welke Laub rasch lte unter ihren Füßen, hier.und da klang noch ein Vogellaut an ihr Ohr, sonst war Alles strll, kein Windhauch regte sich in den kahlen Zweigen.

Der Major, welcher bislang die Unterhaltung ge­führt, war plötzlich sehr schweigsam geworden, nur zu veilen einen forschenden Seitenblick auf den Neffen heftrnd, dessen Augen wie träumend umhkrinten.

Du schwelgst in Erinnerungen, mein Junge!"

13. September. 1888.

unterbrach der Major plötzlich da» Schweigen,kommt Dir diese dürftige Vegetation gegenüber Deinen tro­pischen Erinnerungen nicht recht kläglich vor?"

Gewiß nicht, Onkel! Die Heimath behält stets ihren alten Zauber. Doch kann iS bei meinen Troprn-Erinnerungen mich einer gewissen Trauer mit Zorn gemischt nicht enthalten, da dieselben mich einer Schurken gedenken lassen, der mein Vertrauen auf unerhörte Weise mißbrauchte. Er nannte sich Rüding, war ein existenzloser Deutscher, den ich aus Mitleid aufnahm, zu meinem Secretair machte und schließlich von ihm um werthvolle, wissenschaftliche Schätz?, das mühevolle Resultat vieler Jahre, betro­gen und beraubt wurde."

Hm", versetzte der Major,so scheint's man­chem Landsmann draußen ergangen zu fein. Ich möchte Dir wohl eine vertrauliche Mittheilung machen, wobei ich nicht blos auf Dein Schweigen, nämlich strengste Geheimhaltung, sondern auch auf Deine Bei­hülfe rechne."

Ich verspreche beides, Onkel!" versetzte Egon, da ich fest davon überzeugt bin, daß Major Tell- kamp mich nur zu ehrenhaften Dingen verpflichten kann."

Sehr richtig, mein Junge", nickte der Major, sich prüfend nach allen Seiten umblickend und dann mit halblauter Stimme fortfahrend:Bemerkst Du wohl, wie da» Gebüsch hier herum geknickt, der Boden zerstampft ist, als ob kürzlich ein Kampf hier stattgefunden habe?"

Egon blickte überrascht umher und dann den Onkel an.

Allerdings bemerke ich dergleichen", erwiderte er ebenfalls mit gedämpfter Stimme,sollte dies vielleicht mit Deiner geheimnißvollen Mittheilung in näherer Verbindung stehen?"

Ja, mein lieber Egon", versetzte der Major, komm' jetzt, ich will Dir Alles mittheilen."

Er schritt rasch voran, dem Ausgang des Ge­hölzes wieder zu und brach erst das Schweigen, als sie dasselbe hinter sich und das freie Feld erreicht hatten.

So, mein Junge", begann er, seinen Arm in den des Neffen legend,bei Geheimnissen muß man vorsichtig sein und den Blick ringsum frei haben, um sich stets versichert zu halten, nicht belauscht wer­den zu können."

Im langsamen Weiterschreiten begann er jetzt, ihm Hedwiga'« Mittheilungen zvm Besten zu geben und mit der wärmsten Theilnahme das Geschick der Familie Jmmendorf, wie speciell das de» unglücklichen

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