Ausgabe 
12.4.1888
 
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Kand und Kandfchuh.

Daß die Hand ein ebenso eigenthümliche« al« nützliches Werkzeug des menschlichen Körpers ist, weiß jede» Kind. Daß aber diese nämliche Hand,

welche so durchaus unentbehrlich für jede« alltägliche Geschäft in unserem Dasein, zugleich auch schon von Alters her als ein Symbol für alles Wichtige, Hohe und Heilige, für ein nothw'Mges Attribut bet jeder vorzunehmenden bedeutsamen Handlung, das Organ, um die edelsten Empfindungen des Menschen aurzu- drücken, galt und noch bis zur Stunde gilt, das erhebt die fleißige Arbeiterin erst recht eigentlich und officiell in den wohlverdienten Adelsstand.

Schon die Bibel erzählt uns von durch bloße« Handauflegen vollbrachten Wundern, den weihenden Segen erthrilt die Hand, ste leistet den feierlichen Eidschwur, besiegelt das Gelübde der Treue, ein Handschlag gilt als ein bindendes Pfand der Ehre. In Elend, Roth und Jammer erhebt der Mensch seine Hand zum Himmel, er bietet sie hilfreich wirk­lich und bildlich dem moralisch oder körperlich i Sinkenden, um ihn vor Untergang zu retten, sie allein gilt für das Symbol der Befestigung jedes Wortes und Versprechen» in Kirche, Staat und Familie.

Unzählig sind die Benennungen, welche als spre­chendste Illustration und Statistik für dis Symbolik der Hand dienen können, Ausdrücke, welche theilweife bis in die Jetzizeit hineinretchen um die wir zumeist völlig gedankenlos anwenden, ohne eine Erinnerung j an den tieferen Sinn, der ihnen ursprünglich zu

Grunde lag. _ ,,

Das , Faustrecht" ragt als beredtes Wahrzeichen für die Kraft und Macht der Hand au« der Nacht des Mittelalters herüber.

,Hand muß Hand wahren" lehrt altes, deutscher Recht, wenn es sich um eine Sache handelt, deren Rückerstattung man nur von der Person verlangen kann, der man sie anvertraut.Todte Hand" heißt man einen Besitzer, welcher nie stirbt eine Kirche oder Stiftung zum Beispielgesummte Hand" ist eine Art Erbfolgerecht, die Verleihung eines Lchens an Mehrere gleichzeitig,Handschlag und Ha dgelöbnisse" gelten an Eidesstatt bei gewissen Verträgen durfte sogar von den Betreffenden das Zurückziehen der zusammengefügten Hände nicht selbst geschehen, sondern es war Sache der anwesenden Zeugen, die verbundenen Hände zu lösen. Eine Schrift, welche das Reichen der Hand vertritt, heißt Handfeste", und in früheren Zeiten geschah es wohl auch, daß ein Schuldner seinem Gläubiger inHand und Halfter" gegeben ward, d. h. also, diesem seine Schuld abarbetten mußte.

Wenn nun auch in unserer modernen Zeit eine so weit gehende Symbolik der Hand zu den über­wundenen Standpunkten zählt, so darf sie trotzdem mit der ihr zufallenden Rolle und Bedeutung immer- hin zufrieden sein ja, war z. B. die Symbolik des Handreichens im weniger bindenden Sinne als ehemals betrifft, so ist gerade diese gar niemals so allgemein gebräuchlich, so nichtssagend und doch zu­gleich so deutungsfähig und fein nüancirt gewesen, als heut' zu Tage, ganz abgesehen davon, daß die Hand mit der zunehmenden Ctvtltsation auch die

aus derselben Stelle, an der gestern ein Anderer um semetwillen die Last de« Lebens von sich werfen wollte, die er nicht mehr tragen zu können glaubte. Es war so finster geworden, daß die Grenze zwischen dem See und dem Ufer nicht mehr zu erkennen war. c^xtzt fuhr ein greller Blitz durch die Lust und be- I lichtete dm schwarzen See für eine Secunde mit unheimlichem Licht.Weiter, weiter!" ertönte eine heisere Stimme, ein Aufzischen de» Wassers es I n,a$g(U der Schlangenburg verlief das Fest in an- 1 scheinend ungestörter Fröhlichkeit. Rur in der Seele von denen, die der rmprovisirten Gerichtsseene bet» I gewohnt hatten, wollte sie nicht Platz greifen und I es währte lange, ehe der Ernst nur in etwas von ihnen wich. Aber wollten sich auch die Augenbrauen | des Generals dann und wann einmal, wenn die E> I innerung sich feiner bemächtigte, zusammenziehen, so schwanden die Wolken seiner Stirn, sobald er nur | einen Blick aus seinen Sohn, dessen herrliche Ge­mahlin und sein liebliches Enkelkind warf.

Während des Soupers wurde viel getoastet. 1 Wie ein Lauffeuer hatten sich die wunderbaren Schicksale des Gastgebers in der Gesellschaft ver­breitet und manche Tischrede, die heute gesprochen wurde, bezog sich auf das, was er erlebt und erlitten. Und als nun der Geheimrath sich erhob und die Verlobung feiner Tochter mit dem Violinvirtuosen Siegfried Rohdenberg proclamirte, da war die Heber- 1 raschung eine überwältigende und des Erstaunens war kein Ende, denn Viele hatten bi« dahin noch nicht einmal den Namen des Bräutigams gehört. Frau Rohdenberg aber blickte mit einem Gefühl unaussprechlichen Glückes auf den geliebten Enkel, sie faltete unter dem Tisch die Hände und dankte tief gerührt dem Himmel, daß er Alles zu einem so glücklichen Ende geführt.

Dem gütigen Leser, der bis hierher der Eczählung treu gefolgt ist, kann zum Schluß noch mitgetheili werden, daß der Bau des Krankenhauses bereits be- gönnen hat, daß Langenbach'« Operette allabendlich gegeben wird und daß Siegfried Rohdenberg nach seinem ersten Violinconcert zum Helden des Tages wurde. Noch mag erwähnt werden, daß Professor Marquardt und Elfrieda Bach sich auf« Neue in Liebe gefunden und daß demnächst ihre Verlobung stattfinden wird.

Die verlorene Bibel erhielt einen neuen Einband und hatte ihren unverrückbaren Platz fortan auf dem Nähtisch der Fran Rohdenberg, der Urenkelin der Gräfin Fichtenberg.