Ausgabe 
12.4.1888
 
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vor Felix hin und jetzt einen durchbohrenden Blick auf ihn werfend, sagte er:

Ich habe noch ein Wort an Dich zu richten. Kennst Du den Feldwebel Schöler? Ich habe einen Brief von ihm!"

Mit Einem Schlage war Felix's Fassung dahin, Leichenbläfle bedeckte sein Gesicht, denn er sah stch auf einem Verbrechen ertappt, das in den Augen von Officieren an Größe und Schwere jedes andere weit überragte.

Sehen Sie her, meine Herren, wie das böse Gewissen eines ehrlosen Buben stch verräth! Und nun will ich Dir etwas sagen", fuhr er wieder zu Felix gewandt fort,ich werde den Inhalt des Briefes den Ohren der Anwesenden nicht preisgeben, wenn Du sofort bekennst, daß Du es warst, der die Würfel vertauschte, aber so wahr ein Gott im Himmel ist, ich lese ihn auf der Stelle vor, wenn Du im Leug- nett beharrst! Wie lautet Deine Antwort?"

Felix vermochte nicht gleich eine Antwort zu j geben, ihm war die Kehle wie zugeschnürt. Endlich \ sagte er mit heiserer Stimme und wogendem Athrm: :

Du setzest mir den Dolch auf die Brust, --so sei es denn so will ich es ge- \ stehen, daß ich es that, aus Eifersucht, aus l Rache weil Thalheim im Begriff stand das \ Mädchen, welches ich liebte mir zu rauben."

Das genügt", rief der General, mit diesem \ Bekenntniß ist die Ehre meines Sohnes wiederher- ? gestellt! Sie haben es gehört, meine Herren, und i jetzt bitte ich Sie, in den Saal zurückzukehren, ich habe dem Verbrecher noch ein Wort unter vier Augen - zu sagen." ?

Die Officiere erhoben sich, seltsame Blicke fielen \ auf Den nieder, der vernichtet und gerichtet die Au- i gen zu Boden senkte, schweigend verließen sie das > Zimmer. \

Unglücklicher!" sagte der General, nachdem die - Thür geschlossen war,was hast Du gethan! Wie \ tief, wie bodenlos tief bist Du gesunken! Du woll- ; test das Vaterland verrathen? O, Schmach über - Dich, Du hättest verdient, sofort verhaftet zu wer- $ den, um Dich dem Kriminalgertcht zu überliefern, und nur um der Ehre meines Namens willen habe ich ee unterlassen. Morgen werde ich dem Kriegs­ministerium die Sache melden, damit es die nöthigen Recherchen anstellt, ob auch noch Andere in dieselbe verwickelt sind. Du wirst wissen, was Dir noch zu thun übrig bleibt. Finde ich Dich morgen noch, so erfordert es meine Pfiicht, bei den Gerichten die An­zeige zu machen; höre ich, daß Du mit der Bahn abgereist bist, so wird der Telegraph Dich einholen. Aus diesen Andeutungen wirst Du entnehmen, daß ich bei Dir noch einen kleinen Rest Deiner verloren gegangenen Kavalierrehre voraussetze und was ich von diesem Rest erwarte!"

Ohne ein Wort des Abschieds verließ der Ge­neral da» Zimmer. Felix hatte die Augen nicht wieder erhoben. Ja, sein Spiel war rettungslos verloren und klar lag es ihm vor Augen, was ihm

noch zu thun übrig blieb. Plötzlich aber zuckte in feinen Augen ein Gedanke auf, er sprang empor und verließ mit raschen Schritten das Zimmer.

Aber kaum hatte er den Saal betreten, da fielen seine Blicke direct auf Frieda, die mit Siegfried in einer Fensternische stand. Ein herbes Weh durchzog seine Brust er hatte sie . wirklich geliebt.

Vorwärts! Vorwärts!" ertönte es in seinem Innern; ohne stch noch einmal umzusehen, eilte er hinaus auf die große Vorhalle. Hier fragte er einen Diener:

Wo ist der Kastellan?"

Der Kastellan ist gestern Nacht gestorben." Unmöglich I"

Seine Leiche ist bereits heute Morgen nach der Kirchhofskapslle gebracht worden."

Führen Sie mich auf sein Zimmer", kam es hastig über Felix' Lippen.Ich finde allein nicht dorthin. Vor einigen Tagen habe ich dem Kastellan einen Kasten in Verwahrung gegeben, er enthält wichtige Sachen, die ich auf der Stelle gebrauche. Folgen Sie mir!"

Sehr gern."

Der Kasten ist bereits dem rechtmäßigen Eigen- thümer, Herrn Siegfried Rohdenberg, zugestellt", erscholl plötzlich Heinrich Langenbach'» Stimme hinter Felix' Rücken.Sie wissen wohl noch nicht, Herr von Stolzenberg, daß die Frau Rohdenberg eine Urenkelin der Gräfin Fichtenberg ist, und daß ein gewisser Geheimsecretär, der, glaube ich, sich ebenso nannte wie Sie, bett Schatz seiner Herrin gestoh­len hat."

Langenbach verbeugte sich und schritt durch den Saal.

Das war die letzte Hoffnung", flüsterten leise Felix' blutlose Lippen,nun ist es aus!"

In diesem Augenblick erweiterten sich seine Augen und starrten auf das große Portal, dessen Schwelle von dem Professor Marquardt, Helene, Tante Au­guste und einer großen, stolz aufgerichteten Dame überschritten wurde. Einen Augenblick stutzte die letztere, als sie Felix sah, dann ging sie mit einem Blick tiefster Verachtung an ihm vorüber in den Saal.

Auch das noch! Weiter! Weiter!" Mit diesen Worten stürzte der Verurtheilte in's Freie.

Der Himmel hatte sich mit schwarzen Gewitter­wolken überzogen, aus denen von Zeit zu Zeit helle Blitze hervorzüngelten, die für einen Moment die bereits eingetretene Dunkelheit zerrissen. Brarhäuptig eilte Felix bett Schlangenberg hinunter. Mit welchen Gefühlen bes Triumphes und des unfehlbaren Siege» war er vorhin den Berg hinaufgefahren! Das Schiff feines Lebens war leck geworden, von allen Seiten drang die zerstörende Fluth durch die Fugen, e» war nicht mehr zu retten und mußte sinken I Wetter, immer weiter. So lief er wie gehetzt auf der Chaussee nach Fichtenberg dahin. Immer Heller wurden die Blitze, immer rascher wurden die Donner. Endlich hatte er das Ziel erreicht. Da stand er