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„Bist Du kleinmüthig geworden, Freund Egon?" lächelte Ulrich, ihn mitleidig betrachtend, „ich dächte doch, wo so viel auch für Dich auf dem Spiele stände, müßten olle ängstlichen Erwägungen schweigen."
Der Major blickte kopfschüttelnd aus die jungen Männer, als fürchte er um ihren Verstand. Was um Alles in der Welt konnte für feinen Neffen dabei auf dem Spiele stehen?
„Wollen Sie dem Grafen in Ihrem Haufe ent- gegentreten, Ulrich?" fragte er besorgt.
„Nein, ich werde ihn jetzt im Hotel auffuchen."
„Und ich bleibe Dir zur Seite", setzte Egon hinzu.
„Wo ist Hedwiga?" fragte Ulrich, stch erhebend, „ich möchte sie doch begrüßen."
„Weshalb?" fiel Egon rasch ein, „es hieße fie nur noch unruhiger und ängstlicher machen. Findest Du nicht auch, Onkel?"
„Allerdings, des kranken Bruders Gegenwart würde sie nur entsetzen, besser, sie erfährt nichts davon."
Der Diener meldete in diesem Augenblick einen Herrn Thorsen, welcher den Herrn Doktor zu sprechen wünsche.
„Es ist unser Gewährsmann, darf er eintreten, Onkel?"
Der Major nickte dem Diener zu, und im räch« sten Augenblick trat der Detcctiv Thorsen in's Zimmer.
„Entschuldigen Sie, meine Herren, daß ich Sie aufgesucht", begann er, sich mit feinem Anstand ver» beugend, „aber meine Mittheilung erfordert Eile. Ich sah soeben, daß Graf Rüdershausen sich nach dem Freiherrlich von Jmmendorf'schen Hause fahren ließ. Ich habe ihn mir noch einmal ganz genau im Portal des Hotels, wo der volle Lampenschcin auf sein Gesicht fiel, angesehen und bin überzeugt, daß er der Rechte ist."
„Nun, dann vorwärts nach meinem Hause", rief Ulrich, fieberhaft erregt, „Sie begleiten uns, Herr Thorsen?"
„Halt", mischte sich jetzt der Major, welcher mit lebhafter Unruhe den Worten des Deteclios gefolgt war, mit fester Stimme ein, „ich verstehe freilich nicht, was die Worte dieses Herrn Thorsen, der mir nicht unbekannt zu sein scheint, zu bedeuten haben, muß aber gegen eine derartige Scene an einem Sterbebett protestiren, zumal der junge Freiherr hier selber krank die Reise unternommen und seinem Leben deshalb ebenfalls Gefahr droht. Regen Sie sich nicht unnöthig auf, lieber Ulrich. Sie wiffen doch, wie gut ich es mit Ihnen meine."
„Ja, ja, aber wir haben keine Zeit zu ver» lieren —" , „ ~ ,
„Bah, Sie versäumen nichts, mutt bester Freiherr!" lächelte Tellkawp melancholisch. „Ist doch Fräulein Hedwiga hier unter meinem Schutze, die Hauptperson, ohne welche keine Verlobung stattfinden kann, dort nicht anwesend. — Wir haben damit jeder despotischen Willkür die Spitze abgebrochen."
„Erlauben Sie, Herr Major", nahm Thorsen
Kalender.
(Schluß.)
Weiterhin werden von diesen Kalendern die Planeten, ihre Eigenschaften, „natürlichen Zuneigungen" und Bedeutungen beschrieben, wobei einem jeden ein besonderes „Temperament" gegeben ist, eine uralte Anschauung. Saturn gilt für kalt und trocken, Jupiter für warm und feucht, Mars ist hitzig und trocken, Venus wie Jupiter, Merkur warm und trocken, wozu noch die heiße und trockene Sonne, und der kalte und feuchte Mond treten.*) Aus den Stellungen dieser Gestirne wird nun der Gesundheitszustand des Jahres bestimmt, während die einzelnen Zeichen des Thierkrcises den Charakter der in dem Monat, welchem sie beigegeben sind, Geborenen charakterisireu. „Wird ein Kind im Skorpion", heißt es da, „so wird es ein gerader Mensch, behenden Leibes und guter Farbe, furchtsam, still, ungeschaffen (?), geizig, untreu; er wird nicht leutselig, und so bekannt wird, so wird er lieb gehabt von den Weibern; ist neidisch und stark int Zorn, also daß er den Zorn nicht bald läßt fahren, so er dazu bewegt wird. Er wird auch auf dem Meere und an den großen Wassern reifen und hautiren. Und im Skorpion hat er Glück zum Kaufen und Verkaufen. Er überlebt Vater und Mutter, seine Kinder werden vernünftige Leute, so wird er auch der beste unter feinen Brüdern. Und seine Krankheiten werden sein starke Fieber und die Harnwinde, und Solches wird ihm allermeist im Widder, so die Sonne darinnen ist, angezeigt. So er im Stier ein Weib nimmt, so wirb es glücklich ergehen. Im Zwilling wird ihm der Tod getraut und im Krebs hat er Glück und Gunst. Im Löwen gewinnt er Reichthum und in der Jungfrau hat er Glück in Allem, was er anfängt, und in der Wage hat er Widerwärtigkeit vor falschem Zeugniß, das über ihn geschieht. So er vierzig Jahre erlebt, so lebt er bis in die zweiundsiebzig Jahre; wird im Dienste Gottes sterben und begraben werden; hat Glück in allen Farben, ausgenommen in Schwarz." Kinder, die im Zeichen des Krebses geboren werden, sind unglücklich
*) Hierauf begründet sich auch der sogenannte „Hundertjährige Kalender."
rasch das Wort, „er handelt sich hier um die zweite Hauptperson, um diesen Grafen Rüdershausen, welcher jedenfalls dem Fretherrn von Jmmendorf gegenüber' gestellt werden muß."
„Ja, ja", rief Ulrich erreat, „ich allein kann ihm die Maskr abreißen. Sie werden mich ver« stehen, lieber Major, wenn ich Ihnen sage, daß er mein ehemaliger Freund John Walter ist."
„Ah, wissen Sie das genau?" fragte Testkamp erstaunt. , , ,
„Ganz zweifellos", antwortete Thorsen für den Gelragten.
(Fortsetzung folgt.)


