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dis Thür geklopft und ein Diener trat ein und über» reichte einen Brief.

Der Baronet nahm den Brief und entließ den Diener.

,,Er ist von Guy!" rief Sir Arthur aus;und er ist von Marseille gestempelt. Er ist auf dem Heimwege."

Er öffnete den Brief und durchflog seinen In« halt hastig.

Wie der Leser weiß, war der Brief von Jasper Lowder geschrieben.

Min Brief an Guy hat sich ver ögrrt", sagte Sir Arthur lesend. Der Junge hat ein Abenteuer gehabt einen Unfall, der bald verhängnißvoll ge* worden wäre. Er hat an der Küste Sicilienr Schiff­bruch erlitten. Sein Begleiter, Jasper Lowder, der junge Mann, der Guy bei seinem Abenteuer in Baden zu Hilfe kam, wie Du Dich erinnern wirst, Blanche, und seither bei ihm geblieben ist, wurde verletzt und ist's möglich? Der arme Mensch! Er ist blödsinnig geworden! Wie entsetzlich! Wenn der Verletzte unser Guy gewesen wär!"

Blanche schauderte.

Es war eine merkwürdige Fügung, daß Guy verhältrnßrnäßig unverletzt davongekommen ist", ries Sir Arthur aufgeregt aus.

Wie wunderbar er dem Tode entronnen ist I Er sagt, daß er krank und matt und angegriffen ist und daß er sich gar nicht ähnlich ist. Ich kann mir es gut vorstellen! Er wird seiue Reise mit großen Unterbrechungen machen und innerhalb einer Woche ankommen! Das ist der Inhalt seines Briefes, Blanche! Lies selbst."

(Fortsetzung folgt.")

Wristine Davis.

Von Karl Neumann - Strela.

(Schluß.)

Endlich konnte Christine das Zelt verlassen, und nun verlangte es die Offiziere nach Unterhaltung. Eine lustige Hochzeit sollte es im Lager geben, denn Richard und Christine, so lange getrennt, sollten von dem Geistlichen noch einmal eingesegnet werden. Nasch Trommel auf Trommel gestellt, der Geistliche stieg hinauf, Richard und Christine traten vor und empfingen den Segen. Dann aber, bevor das Schmausen und Trinken begann, kam eine feierliche Ceremonie: Jeder Offizier, vom Herzog Marlborough bis zum jüngsten, und jeder Unteroffizier nahte sich der jungen Frau und küßte sie auf die Wange.

Nach der Hochzeit ließ der Herzog Richard und Christine rufen und wollte ihnen den Abschied geben. Beide erklärten aber einstimmig: weiter zu kämpfen unter Englands Fahnen. Und wieder raffelten die

Trommeln, es ging fort nach Ramillies. Dort verlor Francois de Villeroi, Marschall und Pair von Frank­reich, in einem furchtbaren Treffen 20000 Mann, die ganze Artillerie und Bagage und unter Sieges­geschrei zogen die Engländer weiter und nahmen Ost­ende, Menin, Dendcrmonde und Ath. Bei Ath wurde Richard Welsh zu Boden gestreckt und eingescharrt in fremder Erde. Aber noch immer wollte Christine von der Heimkehr nichts wissen, ihren Richard wollte sie rächen; und drei Jahre später, in der blutigen Schlacht bei Malplaquet, wo 33 000 Todte auf dem Platze blieben, war Christine Allen voran, bis sich eine Kugel in ihr linkes Bein verirrte. Da mußte ihr der Wundarzt das Vein vom Körper trennen, und mit ihrem Dienste in Lord Orkney's muthigem Re- gimente war es vorbei. Die Krücke statt des Beines und das Ehrenzeichen auf der Brust, kam sie nach London zurück in das Schenkhaus in der City, wo Peter Preston, der getreue Verwalter, hinter dem klebrigen Tische saß und durstigen Seelen den doppelten Gin schenkte.

Aber Ruhe in ihren: Schenkhaus hatte Christine nicht. Die Frau mit dem Ehrenzeichen und der Krücke war ein Anblick, wie sich ihn englische Augen nicht besser wünschen konnten. Ihr Stübchen mit den niedrigen braunen Bänken und den blanken Kannen und Bechern von Zinn wurde von Neugierigen und Theilnehmenden nicht leer, und manch ein feiner Herr mit Spitzenmanschetten, der bei Sipkins am Strand sein Ale und Porter trank, ließ in der schmutzi­gen Gasse der City seine Karosse halten und beehrte Christine Davis (wie sie trotz ihrer Verheirathung genannt wurde), mit seinem Besuch. Auch die schöne Königin Anna war begierig,die Bekannte des Herrn Herzogs von Marlborough" zu sehen, und empfing Christine Davis in voller Uniform in einem der I alten Säle des St. James-Palast. Und wie gnädig die Königin mar: fünfzig Pfund erhielt Christine zum Geschenk, täglich einen Schilling zum Unterhalt, und die Uniform durfte sie tragen bis zum Ende ihrer Tage.

Lange noch hatte Christine Davis in dieser Uni­form hinter dem klebrigen Schenktisch gesessen, und jeden Mittag sah man sie so gekleidet auf einer Bank im St. James-Park. Sie wurde sehr alt. Bei dem Begräbniß ihresBekannten", des Herzogs von Marlborough, war siemit überströmenden Augen und schwerem Herzen" dabei, und von dem unge­heurem Vermögen, welches der Herzog hinterließ, erbte sie laut seines letzten Willens einhundert Pfund. Jeder Besucher von St. James-Park grüßte die alte Frau mit dem Ehrenzeichen und der Krücke. Einst fehlte sie auf der bekannten Bank, und ein jeder fragte sich, ob sie gestorben sei? Da war sie gestorben. Auf dem Kirchhof des Chelsea-Hospitals für invalide Soldaten wurde sie begraben, und ein Detachement Dragoner feuerte drei Mal über ihr Grab, wie es Brauch ist beim Begräbniß eines guten und tapferen Kameraden....

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Siktmxtion: A. Sch-yda. Druck und Perlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Thr, Pietsch) in Gießen.