Abend mit ihr eine Segelfahrt zu machen. Ich war natürlich damit einverstanden und brachte ihr des Abends einen Blumenstrauß mit, welchen sie dankend annahm. Es waren treffliche Partien, die wir heute und die folgenden Tage gemeinschaftlich machten. Da bei Marstrand keine Skären sind, so ist das W-fler dort zum Segeln ganz prächtig, und wenn die Wellen gar zu hoch gingen, dann wickelte sich meine schöne Begleiterin fest in ihr Wachstuch und zog gan ur- genirt in meiner Gegenwart lange Gamaschen an, damit ihre schönen Füße nicht allzu naß von dem Seewaffer würden. Ich sag' Euch, es war ein göt- ltches Weib, und noch heute denk' ich mit Wonne an jene Tage!"

Nun, das ist all' recht gutr', meinte Andreas, aber komm' nur endlich zur Hauptsache, wie weit gedieh er mit der Hochzeit?"

»Ach, die Hochzeit", seufzte Walter,es wär' so schön gewesen I Bei unser» Bootfahrten und Ver­gnügungen verrann der Sommer bald. Endlich ful mir ein, weswegen ich denn eigentlich in Marstrand sei und ich beschloß, endlich meine Brautwerbung anzubringen. Am nächsten Tage kletterten wir Beide in den Felsen herum und, da wir so ganz allein und von Niemand gesehen waren, faßte ich mir ein Herz und bat sie, sich einen Augenblick neben mir nieder- zulaffen, da ich ihr etwas Wichtiges zu sagen hätte. Ich erzählte ihr von unserm Heirathsplan, daß mich das Loos getroffen hätte und ich sie nun zu meiner Frau machen wolle."

Nun",, warf der Docent ein,da hat sie Dich wohl tüchtig ausgelacht?"

Nein, das nicht; sie nahm vielmehr meine bei­den Hände in dis ihren und sagte, daß sie mich wohl leiben möge, aber doch nicht heirathen könne. Das dachte ich mir wohl, gab ich ihr traurig zur Antwort, und da umarmte sie mich und küßte mich, daß ich gar nicht wußte, wie mir geschah. Dann sorderte sie mich auf, sie nach Hause zu begleiten. Wir brachen auf und unterwegs mußte ich ihr noch einmal genau unser Actim Unternehmen auseinander- sktzen.Wie groß war denn das Actien-Crpital?" fragte sie, Ich sagte es ihr.Nur zweitausend Kronen? Bei Gott, die ganze Idee ist das Zehn­fache werth; ich werde Ihnen ebenfalls zweitausend Kronen leihen, doch unter der Bedingung, daß noch einer von Ihnen den nächsten Sommer nach Mar­strand kommt, und hier Brautschau hält", so sagte sie zum Schluß zu mir."

Und nahmst Du dies Anerbieten an?"

Gewiß."

Das ist recht, doch wer von uns wird denn noch auf Reifen gehn?"

Das soll wieder das Loo» entscheiden. Wenn es noch ein paar Mal so geht, werden wir bald Alls auf anderer Leute Kosten vergnügt leben und Brautschau halten können. Hoch lebe unser Actien- Unternehmen!"

Aer Werth des Turnens.

Der Werth, welchen die Pflege von Leibes­übungen und Turnen in körperlicher Hinsicht bietet, rst so vielfach bekannt, daß es hierüber wohl kaum einer weiteren Erörterung bedarf. Weniger ge­würdigt wird jedoch noch der geistige und sittliche Einfluß, den ein Turnverein, der seine Aufgabe richtig erfaßt, auf seine Mitglieder ausübt. Strenge Ordnungsliebe, freiwilliges Fügen unter gegebene Befehle wird vor allem auf einem Turnplätze ver­langt. Zwei Dinge, deren Erlernung dem Menschen allüberall nutzenbringend sein kann, denn Ordnung ist das halbe Leben" sagt ein altes Spnchtwort, und sich als Einzelner fügen unter ge­gebene Gesetze, um dadurch ein starkes Ganze herzu- stelleu, dieses Bewußtsein sollte heut zu Tage in jedem Manne recht tief wurzeln.

Dann fördert aber weiter das Turnen selbst die Gedächtnißfchärfe in einem Maße, wie es keine sonstige Leibesübung vermag. Wie künstlich werden oft verschiedene Hebungen verbunden, wie muß eine Hebung durchdacht und erläutert werden, ehe es ans praktische Erlernen geht; dieses alles bedarf des Denkvermögens im höchsten Grade, und ist darum vorab für die Jugend von großem Vortheil, denn em Denkender ist auch ei« brauchbarer Mensch in jeder Lebenslage.

Ein fernerer Werth für das innere Lebens des Turnens liegt in dem Hmstande, daß die Jugend mit dem Alter, sei es auf dem Turnplätze, sei es bei Turnfahrten oder Festen, häufig in Berührung kommt. Gegensätze, die sich berühren, gleichen sich aus. Wenn die Jugend im Verkehr mit älteren Leuten sich eines gesetzteren Wesens befleißigt, so wird hmgegen der ältere Mann in den Stunden, welche er mit jugendfrischen Turngenoffen verbringt, gern den Ernst des Lebens vergeffen und mit der Jugend wieder jung werden. Ein ernstes Ziel, in heiteren Stunden angestrebt, dieses Bild stellt sich uns nach dieser Richtung in der Turnerei dar. Jugend muß sich austoben", heißt es oft im Bolks- munde. Gut, fendet die Jugend auf den Turn­platz ! Hier mag sie ihre Kräfte erproben und stählen, hier mag sie gehorchen und denken lernen und sich Vertrauen auf das eigene Können erwerben, welches ein offenes und freies Auftreten, fern von jeder Dreistigkeit, verleiht.

Möge der hohe Werth, den unsere deutsche Turnerei auch in der dargelegten Richtung bietet, allgemeine Anerkennung und dadurch die Sache selbst immer mehr Freunde und Förderer finden, damit sie mit der Zeit werde, was sie sein soll, ein körperliches und geistiges Erziehungsmittel unserer Nation.

Redaction: A. Ache y da. Druck und Verlag der Brühl'schon Druckerei (Fr. Ehr. Pi et-sch) in Gießen.