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militärisch stramm aufrichtend, „mit Ihrer Erlaub, niß werde ich auch heute das Präsidium übernehmen, da» sich von dem eines Ehrengericht» nur dadurch unterscheidet, daß ich der Ankläger bin, und ich Sie bitte, die Richter sein zu wollen!"
„Was mag denn da passirt sein?" dachte Felix, „ich habe keine Idee! E« muß ihm ja etwas ganz Besonderes in seinen militärischen Kopf gefahren sein, sonst würde er nicht so viel Wesens daraus machen."
„Bevor ich zu dem Kern der Sache komme, Habs ich Ihnen, weine Kameraden, noch ein Geständniß zu machen", setzte der Genera! seine Rebe fort. „Als ich noch activer Soldat war, stand ich in dem Ruf, die strengste Disckplin zu üben, die unbedingteste Subordination zu fordern und dabei, wie mein Reffe sich auszudrücken beliebte, erbarmungslos gerecht zu sein. Daß ich diese Anforderungen vielleicht etwa» allzu sehr auf die Spitze trieb, werden Sie psychologisch erklärlich finden, wenn ich Ihnen sage, daß ich al» junger Offieier mich einmal selbst gegen die Dirciplin vergangen habe. Und weil ich es einmal gethan und es tief bereute, auch nur dies eine Mal gegen die gesetzlichen Vorschriften gehandelt zu haben, so ward ich gegen mich selbst ei« unerbittlich strenger Richter und was ich gegen mich selbst war, wurde ich auch gegen Andere. War ich in jugendlicher Schwärmerei verbrochen, ist die That- fache, daß ich mich ohne die Erlaubniß meiner Vorgesetzten vermählte."
„Wie, Onkel", rief Fevx überrascht aus, „Du bist überhaupt jemals verheirathet gewesen? Das ist ja ganz etwas Neues! So bist Du wohl von Deiner Frau geschieden?"
„Meine Frau starb nach einem Jahre und allen meinen Kameraden ist meine Ehe ein Geheimniß geblieben. Dies mußte ich vorausschicken und ich bitte Sie jetzt um Ihre fernere Aufmerksamkeit: Vor etwa 20 Jahren wurde ein junger Lieutenant der Infanterie beim Würfelspiel ertappt, mit falschen Würfeln zu spielen, derselbe nannte sich Thalheim. Neun Osficiere, die es gesehen, darunter mein Neffe, Herr von Stolzenberg, waren Kläger und Zeugen, der überführte Fälscher wurde vor ein Ehrengericht gestellt und ich wurde zum Präser deffelben gewählt."
„Wo will er nur hinaus?" sprach Felix leise für sich.
„Der Fall schien klar und einfach; obgleich der Angeklagte betheuerte, nicht zu wissen, wie die falschen Würfel in seinen Besitz gelangt, so hatten neun Kameraden ihn damit spielen sehen, ich selbst stellte den Antrag, ihn als ehrlos aus dem Officiersstande zu stoßen und mein Antrag wurde angenommen; noch denselben Abend verließ Thalheim die Stadt. Aber meine Herren", fuhr der General mit bewegter Stimme fort, „mein Herz hat dabei geblutet, nie« male ist es mir schwerer geworden, erbarmungslos gerecht zu fei», denn er, den ich verurtheilts, war mein eigenes Sohn."
Ein Ruf der Verwunderung erscholl au» Aller Munde und Felix rief erschrocken:
„Wie, Thalheim Dein Sohn?"
Aber im nächsten Augenblick war er hierüber schon wieder beruhigt, denn hatte auch der Sohn des Generals dir nächsten Anrechte an die Erbschaft, so war er ja mit der Tochter des Sohnes verlobt.
„Weil meine Ehe ein Geheimniß bleiben mußte, so mußte es auch die Existenz eines Sohnes, und erst gestern hat mein Sohn erfahren, wer sein Vater ist, gestern erst haben Vater und Sohn sich zum ersten Mal in den Armen gelegen. Daß mein Sohn unschuldig verurtheilt war, das ging aus einem zurück- gelassenen Brief zur. Evidenz hervor, aber gestern war auch der große Tag, wo endlich seine Unschuld an den Tag gekommen und wo wir erfahren, baß ein Schurke seine eigenen falschen Würfe! mit denen meines Sohnes vertauscht hat. Für seine verlorene Ehre hat der Himmel ihn glänzend entschädigt, mit Gütern gesegnet und ist er aus Afrika vor zehn Jahren zurückgekehrt, Seine Majestät hat ihn aus« gezeichnet, es ist der heutige Gastgeber, der Geheim» rath Wolter!"
Die Ueberraschung der anwesenden Osficiere war eine große und allgemeine.
„Und nun frage ich Sie, Kameraden", sprach der General mit erhobener Stimme, „was verdient derjenige, der einem jungen braven Osficier sein höchstes Gut, seine Ehre geraubt, der ihn in eine fremde Welt hinausgestoßen, der einen Vater zwang, den eigenen Sohn zu verurtheilen, der diesem Vater zwanzig freudlose und reuevolle Jahre breitet hat, ich frage Sie, meine Herren, was verdient ein solcher Schurke?" (Schluß folgt.)
Gin Actien-Nntemehmm.
Dem Schwedischen nacherzählt von Albert Kamecke.
(Schluß.)
„Das. war nun nicht gerade sehr ermunternd", fuhr Walter in seinem Bericht fort, „aber ich beschloß doch, einen Versuch zu machen, und behaupte, daß den Damen ein Kaval er und Redner, wie ich ja einer bin, stets gefällt. Allerdings, ihre riesige Figur, die selbst einem Siegfried keine Schande gemacht hätte, machte mich beben. Doch trotzdem wagte ich mich an sie heran und noch an demselben Nachmittags lernte ich sie bei Gelegenheit eines Tanzes kennen. Sie tanzte famos, erzählte und plauderte, als ob wir uns schon wer weiß wie lange kannten, kurz, sie war das liebenswürdigste Weib, welches ich je gesehen habe."
„Wie alt war sie denn eigentlich?" fragte einer der Freunde, „vielleicht d’un certain age?" —
„Ich weiß es nicht genau; vierundzwanzig Jahre sagt |ie selbst, doch hätte ich sie ebenso gut für achtzehn, dreißig, ja auch vierzig Jahre halten können; sie schien eben gar kein Alter zu haben. — Wir wurden bald so Vertraut, baß sie mich einlud, am


