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„Unb wo dann?"
„Vor acht Tagen in der Villa."
„Dann gehört er wohl zum Gesangverein?"
„Ja, er ist ein Künstler."
„Ein Künstler? Ach Du liever Gott!" Frau Behrens machte ein erschrockener Gestcht und ihre Hände falteten sich.
„Du wachst ja ein ganz eigenthümliches Gesicht, Mutter Behrens", sagte Frieda, „wäre Dir ein Künstler nicht recht?"
„Ach Gott, wenn das die Eltern erfahren."
„Die Eltern kennen ihn und schätzen ihn hoch. Aber sage mir doch, was hast Du nur gegen einen Künstler einzuwenden?'
„Sehr Vieles, liebes Kind. Die Künstler sind alle ein leichtlebiges Volk, sie Haber keine Stetigkeit und muffen immer wandern, nirgends halten sie es lange aus. Und dieser Wandertrieb wird bei ihnen so sehr zur zweiten Natur, daß er sich auch auf andere Dinge erstreckt."
„Es mag wohl unter den Künstlern solche geben, aber der, den ich liebe, ist wohl schon Künstler, doch kein wandernder Künstler, und außerdem liegt in seinem Gesicht, in seinen blauen Augen der Ausdruck der absoluten Wahrheit, daß von einer Treue, die nicht alle Anfechtungen überdauert, gar nicht die Rede sein kann."
„Habt Ihr Euch denn schon wirklich^ verlobt, Friedchen?"
„Verlobt gerade noch nicht, aber wir wissen Beide, daß wir uns l eben."
^(Fortsetzung folgt.)
Eine Gespenstergeschichte.
Nach bem Englischen.
-Fortsetzung.)
Noch war keine Woche vergangen, als ich von dem Secretär der Eisenbahn-Gesellschaft die briefliche Einladung erhielt, einer außerordentlichen Zusammen- Zunft des Verwaltungsrathes an einem festgesetzten Tag beizuwohnen. Gründe waren nicht gegeben; offenbar hatte man von meinen Nachforschungen nach dem gewesenen Director gehört und wollte mich ge< wissermaßen amtlich ausfragen. Weil ich noch in Dumbleton zu Gast war, so mußte ich expreß nach London, und Jets geleitete mich. Der Eisenbahnverwaltungsrath stellte sich dar als eins Vereinigung von 12 oder 14 Herren, die gar feierlich an einem ungs- heuren grünen Tisch in einem düstern Geschäftszimmer faßen. Der Vorsitzende empfing mich höflich mit der Erklärung, daß dis Directiou über Berichte in Kennt- niß gesetzt worden sei, welche ich in Betreff des Herrn John Dwerrihouse gemacht haben sollte. In Folge davon wünschten sie über den Gegenstand mit mir zu conferiren. Wir setzten uns und das Verhör, wenn
ich so sagen darf, fing in einer ziemlich formalen Weise an.
Erstens fragte man mich, ob ich Herrn John Dwerrihouse kenne; wie lange; ob ich ihn wiedererkennen würde und dann, wenn ich ihn zuletzt gesehen hätte! Hierauf entgegnete ich:
„Am 4. des gegenwärtigen Monats December 1856."
Daraus ging es weiter:
„Wo?"
Ich entgegnete: „In einem Coupö erster Klasse im Schnellzug nach Blackwater."
Weiter erkundigte sich der Präsident, ob ich mit meinem Reisegefährten verkehrt habe und gutmüthig, wie ich bin, theilte ich nach besten Kräften den Inhalt der ausführlichm Unterhaltung mit, welche mir Herr John Dwsrrihouse über die neue Zweigbahn hatte zu Theil werden lassen.
Der Präsident präsidirte, der Secretär notirte und die Verwaltunzsräthe , hörten mit gespannter Aufmerksamkeit schweigend zu. Ich legte die Cigarrentasche vor; jeder kannte sie, als sie von Hand zu Hand ging, und jeglichem galt sie als unwiderlegliches Zeugniß für die Wahrheit meiner Aussage. Endlich hatte ich mich vollständig „ausgeschüttet." Da flüsterte der Vorsitzende dem Secretär etwas zu; dieser rührte eine silberne Tischglocke. Der Schaffner Benjamin l Somers wurde eingeführt und einem eben so genauen | Examen wie ich, unterworfen. Er wiederholte die | Erklärung vom Bahnhof, daß ihm Herr John Dwerri« I House genau bekannt sei, so daß er ihn nun und 6 nimmer verkennen könne; daß er, Somers, an dem l besagten Nachmittag mit dem Schnellzug von London 1 gefahren sei und daß er sich meiner erinnere. Weil « ein paar Coup6's erster Klaffe leer gewesen, so habe f er auf mein besonderes Ansuchen mir ein solches f allein gegeben, und er sei fest überzeugt, daß ich auch i bis nach Clayborough allein geblieben sei. Er wolle s beschwören, daß Herr Dwerrihouse damals weder bei \ mir, noch überall im Zug sich befunden habe; denn \ er erinnere sich mit Gewißheit, daß mein Fahrbillet f in Blackwater von ihm abgenommen sei und wenn : der frühere Verwaltungsrath bei mir geseflen hätte, s so würde er ohne Weiteres die Wagsnthür doppelt , verschlossen und den Bahnhofsverwalter benachrichtigt l haben. Der Mann legte sein Zeugniß so klar, be- i stimmt und freimüthig ab, daß die Directoren ordent« i lich verzweifelt aussahen und der Leiter des Verhörs ; sich an mich wendete:
„Sie vernehmen die Aussage von Somers, Herr \ Langford und begreifen, daß dieselbe der Ihrigen in ; jedem einzelnen Punkt geradezu widerspricht; was ? haben Sie darauf zu antworten?"
„Ich kann meine Behauptungen nur wiederholen und bin von meiner Wahrhaftigkeit eben so sehr überzeugt, wie der Schaffner wahrscheinlich von der f einigen."
„Herr Dwerrihouse stieg, wie Sie mittheilten, in Blackwater aus; geschah das nicht etwa, bevor Somers die Billets abnahm?"


