Ausgabe 
8.12.1888
 
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ichmer Aamilienblätler.

BelleMstisches Beiblatt ?um Gießener Anzeiger.

Nr. 145, Samstag, dm

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Kunkel!

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Schonen Sie Hellmann, Herr Richter", sprach endlich der Kommissär.Sie selbst wissen ja, welch' ein L cht eine solche Untersuchung selbst auf den Unschuldigen wirst, welche Pein sie für ihn, feine Angehörigen mit sich bringt!"

Em Gedanke tauchte in dem Richter auf.

,,Jch weiß, weshalb Sie ein warmer Fürsprecher Hellmanns sind", entgegnete er.Sie lieben seine Schwester."

Er blickte den Kommissär prüfend an.

Dieser hielt den Blick offen au».

Ja, ich liebe sie", gab er ruhig zur Antwort. Sie weiß e» vielleicht noch nicht, auch Hellmann weiß es nicht, denn ich habe meine Empfindungen noch nicht gestanden. Ich möchte ihn sie ihre Mutter vor einem solchen Leid bewahren, weil ich weiß, daß Hellmann unschuldig ist. Glauben Sie mit", fuhr er ernst fort,wenn Hellmann schuldig, wenn der Verdacht gegen ihn begründet wäre, ich würde meiner Pflicht meine Liebe zum Opfer brin- gen, ich würde es thun, wenn Hellmann mein Bruder wäre!"

Ich weiß, daß Sie es thun würden", sprach Pin'us,ich habe nie an Ihrer Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit gezweifelt, auch jetzt thue ich es nicht, ich finde es sogar natürlich, daß Sie unter diesen Verhältnissen mit Befangenheit, mit Vomr- theil urthrilen, mir selbst würde es nicht anders ergehen, denn wir Alle find Menschen, aber verlangen Sie nicht, daß Andere düse Befangenheit thetlen. Ich muß nach Pflicht und Gewissen handeln!"

So handeln Sie danach", entgegnete Körber. Er sprach dies ruhig, entsagend, seine eigenen Empfin- düngen überwindend.

Der Criminalrichter bemerkte es. Er fühlte Mit« leid mit den Empfindungen des jungen Manne», er konnte sich ja ganz in dessen Lage hineinversetzen.

Körber", sprach er und seine Stimme nahm einen weichen Klang an.Glauben Sie, daß es mir leicht und angenehm ist, die Untersuchung gegen einen Mann einzuleiten, mit dem ich bisher in freund­schaftlichem Verkehr stand, mit dem ich oft zusammen­gekommen bin in geselligeui Kreise. Das sind schwere Pflichten unseres Berufes wir dürfen uns ihnen nicht entziehen."

Ich weiß es", entgegnete Körber mit derselben

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8. Dezember. 1888.

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schmerzlichen, entsagenden Ruhe,ich will Sie auch nicht von Ihrer Pflicht abreden, nur um das Eine bitte ich Sie, verlangen Sie bei dieser Untersuchung meine Hilfe nicht ich kann es nicht."

Ich werde es rücht thun", versicherte der Richter. Aber, Kommissär, schweigen Sie über das, was ich Ihnen mitgethritt Habs sprechen Sie kein Wort zu Hellmann darüber!"

Der Kommissär blickte überrascht, erstaunt auf.

Habe ich schon je in solcher Weise meine Pflicht verletzt?" warf er fragend ein.

Nein nein", rief Pintus, ihn beruhigend. Fassen Sie meine Worte nicht in dem Sinne auf. Aber gerade, weil ich die Gefühle, welche Sie erfüllen, nachempfinde, sprach ich dies Wort zu Ihnen, es war nur eine gutgemeinte Mahnung."

Der Kommissär ging fort.

Am Nachmittage des folgenden Tages fuhr der Criminalrichter, von dem Aeiuar begleitet, zur Stadt hinaus zum Först-rhaufe. Er faß schweigend in der Ecke des Wagens. Es war keine leichte Arbeit für ihn, da» omzaführen, was er vor hatte. Ec wollte Hellmann verhören, eine Haussuchung bei ihm vor­nehmen. Alle Versicherungen des Polizeikommissärs, daß Hellmann unschuldig sei, hatten seine Urberzeu­gung, seinen Verdacht nicht erschüttert.

Er wußte selbst noch nicht, welchen Ton er gegen den Förster annehmen, welches Benehmen er ihm gegenüber innehalten sollte. Er war ihm peinlich, ihm sogleich mit der ganzen Strenge des Richters entgegenzutreten» und er durfte auch seiner Pflicht, dem Ernste seiner Aufgabe nichts vergeben.

Jahrgang war er als Cnminalrichter thättg. Hunderte und Tausende hatte er verhört, zahlreiche Haussuchungen hatte er vorgenommen, sein Herz war nicht abgestorben, nicht verhärtet, allein die Gewohn­heit hatte es gleichgültig gegen solche Fälle gemocht und ihn in den Stand gesetzt, stets seine volle Rahe zu bewahren. Er hatte sie ja als Criminalrichter vor Allem nöthig. Und dennoch schlug sein Herz lauter und unruhiger, je mehr er sich den, Forst« hause näherte. Er blickte zum Wagenfenster hinaus, um dem Aetuar zu verbergen, was in ihm vorging.

Der Weg führte bis zum Försierhause in dichtem Walde fort. Es lag mitten im Walde. Ein Hof und ein kleiner Garten neben dem Haufe bildeten den einzigen freien Raum, ringsum waren sie von hohen Buchen umgeben. Es lag einsam, das Haus, ohne Aussicht, ohne jeden Verkehr. Im Frühling, im Sommer und an heiteren, sonnigen Wintertagen machte das Försterhaus einen heimisch - gemüthlichen