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gtciqctia'n; U, Scheyds, — Druck und Verlag der Ärühl'scheu Druckerei (Fr. Shr, Pieljch) in Gicheu.
Volksaberglaube von der nüchternen gebildeten Welt des achtzehnten Jahrhunderts nicht mehr recht verdaut wurde und in dem gelehrten Bücherwesen nirgends mehr die Freistatt fand, da verbarg er sich zu allerletzt noch in den grauen Löschpapierblättern der Volkskalender. Aus demselben Grunde, saus welchem weise Frauen zu Ariovist's Zeit den Germanen geboten, daß sie nicht vor Neumond die Schlacht beginnen sollten, gebot vor hundert Jahren Magister Gaug, der Kalenderschreiber, den deutschen Bauern, daß sie vor Neumond beileibe nicht purgiren und arzneien möchten, denn das wachsende Licht bringt Fülle und Gesundheit, das abnehmende Zerstörung und Untergang. In den alten Kalendern, die ein ganzes System solcher „Erwählungen" durchführen, werden die positiven Geschäfte, wie Säen, Pflanzen und dergl. überhaupt in die Zeit des wachsenden, die
es große und kleine, einfache und prachtvoll ausge- ' stattete, theure und billige, allgemeine Volks- und Hof-, : Fach- und wissenschaftliche, „konservative" und „libe- i rale" und wer weiß was sonst noch für Kalender! । Noch heute sind sie eine Macht, gerade so wie in ■ früherer Zeiten; noch jetzt ist wie ehemals nicht selten ; neben Bibel und Gesangbuch der Kalender das einzige gedruckte Buch, welches Viele in die Hände bekommen. Von jeher ist es geradezu eine Kulturquelle gewesen und bis auf den heutigen Tag geblieben, was auch keineswegs verkannt, sondern besonders wieder in neuester Zeit ins Auge gefaßt worden ist. Verschiedene Volksbildungs-Vereine geben jährlich ihren Kalender heraus und suchen ihn durch seinen Inhalt wieder zu seinem alten Rechte zu verhelfen, ihn zum Werkzeug der Volksbildung zu machen. Ob dies wirklich immer auf richtigem Wege versucht wird, ob es zum wirklichen Ziele führt, bleibe dahingestellt; außer Frage steht es aber, daß es möglich ist. Und darum sind auch unsere heutigen Kalender von kulturgeschichtlichem Interesse gerade so wie in früheren Zeiten.
Werfen wir einmal einen Blick auf die Volkskalender des vorigen Jahrhunderts! Damals verdienten sie diesen ihren Namen noch im vollsten Sinne des Wortes, denn sie waren getreue Spiegel der damaligen Volksbildung und Volkssitte, in der Regel wirkliche historische Volksbücher. Freilich bildeten die alten Kalendermacher meist die Hefe der damals schreibenden Welt, was viel sagen will, allein sie waren trotzdem ebenso einflußreich wie unsere besten heutigen Volksschriftsteller. W. H. Riehl, der bekannte Kulturhistoriker, hat vor dreißig Jahren hierüber eine hochinteressante Abhandlung veröffentlicht. Noch in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, so sagt er, war der Kalendermacher eine geheimnißvolle, magische Person, ein halber Hexenmacher; ja, man kann sagen, diese Leute, die in ihrer Mehrheit eine Körperschaft von miserablen literarischen Gesindel bildeten, sind die letzten „Seher" des deutschen Volkes gewesen. Drum sagt der Bauer heute noch, wenn einer träumend und sinnend dreinscheint: man meint, „er mache Kalender." Als der poesiereiche uralte
negativen, wie Holzfällen, Haarschneiden rc., in die des abnehmenden Mondes verlegt.
Hier finden sich die letzten Neminiscenzen von Astrologie, Wahrsagung und Zeichendeuterei und das dabei obwaltende Gemisch von System und Willkür, von alter mystischer Ueberlieferung und neuer nationalistischer Kritik macht die Kalender des achtzehnten Jahrhunderts als Urkundenbücher des absterbenden Volksabcrglaubens besonders interessant.
So weit Riehl. Durchgehends wiederkehrend in den Kalendern vom Anfang bis Ende des vorigen Säkulums ist die Aderlaßtafel, die merkwürdig lange ihren Platz darin, selbst noch im neunzehnten Jahrhundert behauptet hat. Es erklärt sich dies daraus, daß es im sechszehnten und siebzehnten Jahrhundert ein ganz allgemeiner Brauch war, vor Krankheiten durch regelmäßigen Aderlaß Schutz zu suchen. Hierfür gaben nun die Aderlaßtabellen bestimmte Vorschriften; in dem 1721 bei Johann Michael Funk in Erfurt erschienenen „Verbesserten Immerwährenden Haus- haltungs-, Reise-, und Haus-Kalender . . . zum Druck befördert vom Turanophilo" heißt es beim Januar: Im Januar scheut die Medicin, Und laßt kein Blut, das ist mein Sinn;
Halt euch fein warm, gebraucht auch frey; Erwärmend Kraut und Specerey;
Weil sie des Schleimes Zehrung seyn. Trinkt nun auch bitter Bier und Wein, Von Calmus, Alant, Wermuth-Saft, Von Lorbeern, es ist Magen-Kraft, Beweget auch hierbei den Leib, Ein Arbeit sey der Zeit-Vertreib.
Ein solches thut dem Leibe gut, Macht grad Gelenk und frisches Blut.
Für den Februar lautet dagegen die Vorschrift: Sei in dem Hornung warm bekleidt, Purgier, bad, schwitz, nun ist es Zeit!
Trink Aland, Wermuth-Bier und Wein Es wird Dir nun sehr dienlich seyn. Scheu nun die Luft, bleib gern zu Hauß, Sonst schlägt es gern zur Krankheit aus. Spiß um und grab, beschneid den Baum, Und putze Deines GartensMaum.
Und für den März:
Ein Jeder fäuber nun sein Blut, Purgier und bad, es ist sehr gut. Die jungen Kräuter nehmt in acht, Sie haben nun die größte Macht, Der Ingwer, Pfeffer unb Salbey, Kalbs-, Hühner-Fleisch sind Artzeney, Auch sind die frischen Eyer gut, Sie nähr- und mehren nun das^Blut, Enthalt dich auch von Lieh uM Wein, Es wird dir alles dienlich seyn.
Brau nun gut Bier, mein lieber Brauer, Es ist gesund und wird nicht sauer.
Ein Mertz fein treug, April fein naß, Der füllt den Korn-Sack und das Faß.
(Schluß folgt.)
Nr. 11
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