Ausgabe 
8.11.1888
 
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Eüeßener AmiüenbWter.

Belletristisches Beiblatt ;um Gießener Anzeiger.

Donnerstag, b$n 8. November.

Nr. 132.

1888.

die Geschichte des neuen Rüdershaufen'schen Dramas

stunde entgegengesehen, wo die verknöcherte Selbst-

Im Kaufe Immendors.

Original-Roman von Emilie Heinrichs.

gcraihenes Herz um des Hauses Ehre willen be­zwungen hast, das rechne ich Dir als ein Opfer an, weshalb ich den Schau- von Dir fordere, den be­dingungslosen Schwur, Schwester Ulrike, den Namen Jmmendorf für keinen bürgerlichen einzutauschen, sondern zu leben und zu sterben, wie die Ehre des Hauses es fordert. Ich würde nach meinem Tode Di- erscheinen und Dein G-wissm wie ein Alp be- lasten", setzte sie mit unnatürlich kreischender Stimme hinzu, wobei ihre Züge sich furchtbar verzerrten.

,GottI Gott! welche Qual!" dachte die gemar­terte Ulrike, während sie Alle« auf tot» die Erregte, deren schwacher Lebensfaden augenblicklich zu zer-

mitthstlts.

Dcrwegen bin ich, bevor Tante Irmgard eins Ahnung meiner Ankunft hatte, geflüchtet, um bei Ihnen Schutz zu finden vor dem Schicksal, zu welchem die Herzlos? mich ausersehm", schloß sie mit ver­sagender Stimm«, nur mit Mühe die Thränen

reißen drohte, zu beruhigen.

Endlich, nachdem sie das Schwerste gelobt, war es ihr gelungen. Die Kranke flüsterte müde den NamenHedwiga" und schloß die Augen zu einem

i Tage zu einer kranke» Freundin nach einem benach- s barten Gute gereist, und die Last somit ganz klar, i wie der Major im Stillen dachte, da er bereit« durch l den Arzt auf eine Katastrophe im Jmmendotflschen - Hause vorbereitet war.

Hedw'ga blickte ihn theilnehmend an.

Sie wird diesen Trumpf vergessen^ ürer den

Baron Lerchenheim hatte mittlerweile seinen Auf- trag aurgericht t und Hedwiga dem Schutze des Trllkawp'schen Hauses überg-bcn.

I zurückhaltend.

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(Fortsetzung.) I Hause vorbereitet war.

Nein Schwester e» ist die Wahrheit", \ Der Baon hatte stch rasch wieder empfohlen, flüsterte Irmgard, von diesem Gedanken ganz befrie- worauf H-dwiga den beiden vertrauten Freunden, bißt, weite-,daß Du aber Dein auf einen Abweg vor welchen sie kein Gch-imniß zu hüten> brauchte,

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leichten Schlummer. , \

Ulrike blickte, die Hände im Schooß gefaltet, mit t überströmenden Augen auf sie hin. Nun war das - letzte Opfer g-bracht, der T-aum von Erdenglück für immer zu Eade. Ihr edles Herz kämpfte gegen> die < Bitterkeit, welche wie Gift durch die Adem schlich j und so natürlich, so menschlich erschien. Der treue Tellkamp schien sie vorwurfsvoll und finster anzu- -

blick.n, er hatte ein Recht dazu, aber Hrdwiga M^' sich'widersetzen wird", sprach der Major, schwer sollte der schnöden Selbstsucht nicht geopfert, dem : Qt&tnenb D liebes Kind, Sie ahnen es nicht, mit Moloch der Standes - Bomrtheile nicht geschlachtet f$On s^t Jahren dieser Sterb>

werden. stunde entgeg-ngssehen, wo die vecknöcherie Selbst-

Mit diesem Entschluß rang sich ihre stark- Seele ^ren letzten Trumpf noch ausspielen konnte.", frei, sich geräuschlos erhebend, verließ sie das Hedwiga blickte ihn theilnehmend an.

Ammer, um d-r Pflegerin ihren Platz wieder ein-Sie wird diesen Trump? vergessen üoer den

»uräumen, sich in txr Einsamkeit zu sammeln, undhabenen Gedanken einer glänzenden Verbindung das Gleichgewicht der Seele zurück zu erhalten. mtt dem Namen Rüdershausen", bemerkte sie seuf- t zend.O, daß mein Bruder Ulrch auch gerade 261 krank werden mußte."

Dein Bruder ist krank? fragte Magda erscyreckt.

Ja, Kind, ein Fieber hat ihn gepackt, doch droht keine Gefahr dabei. Nur reisen durfte er nicht, zu«

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' Der Major und Magda hatten regungslos zu­gehört. Nun schlang lchters den Arm um ihren Hals und küßte sie zärtlich.

Der Onk-l beschützt Dich, Du Liebel" sprach i sie tröstend,wie kann die Tante Irmgard so rück- ; stchtrlos über Dich verfügen?"

jEs sicht ihr gleich", rief der Maio', sich heftig

\ erhebend, und mehrere Male das Ztmmcr durch- ° schreitend.War's doch stets ihre höchste Wonne, l Glück zu zerstören und Herzen zu brechen. Nein, ' das darf ihr am Schluß ihres Lebens nicht auch - noch gelingen. Was sagt Ihre Tante Ulrike dazu?" setzte er zögernd hinzu.

I Hedwiga zuckte die Achseln.

lKönnte sie durch ihren Tod mich reiten, sie i thäte es sicherlich. UebrigenS rieth st? zu meiner ? schleunigsten Entfernung."

Wenigstens eine deine Hoffnung,^daß sie du«-