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hinein rennen und wäre reiner Wahnsinn. Hätte Mr. Dwerrihouss nichtsdestoweniger das Wagniß un< ternommen, so wäre er stcherlich auf dem Perron schon arretirt worden."
„Wer nahm die Billets ab?" fragte Jelf.
„Der Schaffner Benjamin Somers."
„Kann ich ihn sprechen?"
„Wenn Sie bis Eins warten wollen, so kommt er von Crampton mit dem Schnellzug, der hier 10 Minuten Aufenthalt hat."
Bis dahin verbrachten wir unsere Zeit so gut oder so schlecht wir konnten und warteten zur bestimmten Zeit in der Halls. Der Train kam mit dem Schlag und ich erkannte augenblicklich den bärtigen Schaffner von gestern Abend.
Der Bahnhofsverwalter winkte.
„Diese Herren, Somers, wünschen Sie über Herrn Dwerrihouse zu befragen."
Falkenartig flogen die Augen des Angeredeken zwischen mir und Jelf hin und wieder, ehe er mit angenommener Unbefangenheit sagte:
„Meinen Sie das vormalige Mitglied des Ver- waltungsrathr?"
„Jawohl. Kennen Sie ihn von Ansehen?"
„Ganz genau."
„War er gestern mit im Schnellzug?"
„Nein."
„Woher wiffen Sie das mit solcher Bestimmtheit?"
»Ich sah in jedes Coupö und in jedes Gesicht und kann meine Behauptung beschwören ; Sie dagegen waren im Zug und wendeten sich scharf mir zu; ich habe Sie meines Wiffens nie zuvor gesehen, aber erinnere mich Ihnen sehr genau. Sie wären beinahe nicht mehr mitgekommen, mein Herr, und stiegen in Clayborough aus."
Ich fiel ihm in's Wort:
„Das ist schon so, Schaffner; aber erinnern Sie sich nicht einer Person, die mich bis hierher begleitete?"
„Ich glaube, Sie find allein gewesen", sagte Somers verwundert.
„Keineswegs; ein Paffagier fuhr mit bis nach Blackwater und weil ich ihm fein Cigarrenetui zurück- geben wollte, welches aus seinem Regenmantel fiel, hätten Sie mich um ein Haar sitzen lasten."
„Ja, von einer Cigarrentasche haben Sie gesprochen, aber . . . ."
„Sie forderten mir mein Billet ab, ehe wir in die Halle einfuhren."
„Freilich, mein Herr."
„Dann müssen Sie ihn gesehen haben, weil er unmittelbar an Ihrer Seite des Wagens saß."
„Wirklich nicht."
Ich blickte Jelf an. Es fuhr mir durch den Sinn, daß der Mensch von dem früheren Director in's Vertrauen gezogen und bestochen sein dürste.
Somers sprach weiter:
„Wenn ich einen andern Reisenden gesehen hätte,
würde ich ihm sein Fahrbillet abgenomtnen haben. That ich das?"
„Nein", gab ich zu, „aber der Paffagier behauptete" —
Ich brach mitten im Satz ab, weil ich sürchtete, zuviel zu sagen.
Somers und der Bahnhofsverwalter sahen mich an; der erstere besragts ungeduldig seine Uhr und bemerkte:
„Ich habe nur noch vier Minuten."
Hrlb verzweifelt sprudelte Jelf heraus:
„Noch eine einzige Frage denn. Wenn der Reise- gesährte dieses Herrn John Dwerrihouse gewesen wäre und an der Coupörhür gesessen hätte, wo Sie die Billets abnahmen, mußten Sie dann unfehlbar Ihren Director erkennen?"
„Unter jeder Bedingung." , „„
„Und Sie wissen gewiß, daß Sie ihn nicht sahen?
„Wie gesagt, das kann ich beschwören; noch mehr, ich könnte fast ebenso sicher einen Eid darauf ablegen, daß dieser Herr hier auf der ganzen Strecke von London nach Clayborough allein saß, denn — bewie» er leise, während sein Vorgesetzter einem Packträger Befehle gab. — Sie gaben mir ein Trinkgeld und ich wies Ihnen auf Ihren ausdrücklichen Wunsch einen leeren Waggon. — Entschuldigen Sie mich; meine Zeit ist abgelaufen."
Damit faßte er an seine Dienstmütze und ging eilig seiner Wege; die Maschine keuchte und dahin ging der Zug. Ich brach das Schweigen zuerst.
„Der wackere Benjamin weiß mehr, als er ein» gesteht."
„Glaubst Du?" , „
„Er muß Dwerrihouss gesehen haben/
„Es giebt kein muß, lieber Junge."
„Was meinst Du damit?"
„Du hast vielleicht geschlafen und das ganze ist ein Traum."
„Kann man denn von einer Zweigbahn träumen, die man nicht kennt; oder von hundert und ein Ge» schäftsfachen, die einem allzumal mehr als gleichgiltig sind oder von einer halben Million?"
„Im Ausland wirst Du vielleicht von dem häßlichen Fall ein unbestimmtes Gerücht gehört haben. Damals hat Dich das nicht gekümmert; jetzt bringen die Namen der Stationen Dir das Andenken an die Geschichte zu frischem Bewußtsein zurück."
„Habe ich ebenfalls auf meiner Reise von dein Brand in der blauen Stube etwas gehört?"
„Nein, das ist noch der letzte schwierige Punkt."
„Und wie steht es um die Cigarrentasche?"
„Ach, zum Henker, das Etui! Ja, da» ist der richtige Knoten! Na, es ist eine gcheimnißvolle Geschichte und um Licht hineinzubringen, braucht'» einen bessern Polizeimann, als ich bin. Ich denke, wir thun am besten, wir fahren nach Hause.
e Fortsetzung folgt.)
Mattim; A. Kcheyd». - Druck und «erlag der Briihl'schen Druckerei (Fr, Ehr, Pietsch) in «ikßen.
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Nr. 30
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