319

Plötzlich kam Lowder wieder mit Blanche heraus, die an seinem Arme lehnte.

Palestro schaute das junge Mädchen durchdringend an und seine Augen leuchteten, al» er ihre Schön« heit und ihre elegante Kleidung wahrnahm. In ihrem violetten Sammetanzuge mit dem gleichfarbi­gen, mit weißen Federn geschmückten Hütchen, das auf den goldblonden Zöpfen saß, mit ihrem reizen« den, holdseligen Gesicht bot Blanche ein allerliebstes Bild dar, bei besten Betrachtung sich der breite Mund de» Exschretbers zu einem bewundernden Grinsen verzog.

Eine echte Aristokratin", murmelte er.Sollte sie seine Schwester sein? Sie sehen wie Liebende aus."

Er trat etwa» näher auf den Wagen zu, hielt fein Gesicht abgewandt und lauschte in der Hoffnung, einige Worte zu hören.

.Habe ich Dich lange warten lassen, Onkelchen?" hörte er da» junge Mädchen in hellklingendem Tone mit lieblicher Stimme fragen, als Lowder ihr in den Wagen half.Ich war unschlüssig zwischen zwei Schattirungen in Blau, von denen eine schöner war als die andere. Gvy kam mir freundlich zu Hilfs und löste mir das schwere Problem. Bist Du bereit, nach Hause zu fahren?"

Sie sank nachlässig in die Seidenkiflen zurück und sah bezaubernd au» in ihrem violetten mit Her« meltn besetzten Sammetkleide. Lowder stieg hinter ihr in den Wagen und setzte sich ihr gegenüber. Ein Commis kam mit einem Packet« aus dem Laden heraus; dasselbe wurde in den Wagen gelegt und Lowder rief dann dem Kutscher in befehlendem Tone zu:

Nach Hause!"

Im nächsten Augenblicke setzten sich die schönen, kräftigen Pferde in einen leichten Trab.

Palestro nähert« sich dem Commis, welcher noch vor dem Laden stand und dem Wagen ehrerbietigst und bewundernd nachschaute.

Mein Herr", sagte der Exschreiber, den Hut lüftend und sich tief verbeugend,könnt Ihr viel- leicht so freundlich sein, mir den Namen des Gentle« man» in dem Wagen dort mitzuthetlen?"

Palestro'» Höflichkeit schmeichelte dem Commis.

Das ist Sir Arthur Tressilian von Tresstlian« Hof", sagte er.

Ah!" entgegnete Palestro,und wer ist der junge Mann?"

Herr Gvy Tressilian, Sir Arthur's Sohn."

In diesem Augenblicke wurde der Commis ge« rufen und Palestro blieb sich allein überlasten.

Ich darf ihn nicht aus den Augen verlieren", dachte der schlaue Schreiber.Es wird am Besten sein, wenn ich ihn in seine Wohnung verfolge."

Er eilte dem Wagen, der in der Ferne noch zu sehen war, in raschem Laufe nach. Der Wagen fuhr durch mehrere Straßen und dann auf'» flache Land hinaus, und Jacopo Palestro lies so schnell er konnte hinterdrein.

Meile um Meile wurde zurückgelegt, und bald rannte der Verfolger, bald ging er langsamer. Trotz­dem es ziemlich kalt war, triefte er dennoch bald von Schweiß. Ec rang keuchend nach Alhem. Sein Oberrock wurde ihm lästig und er legte ihn ab und trug ihn auf dem Arm. Ec nahm den Shrwl vom Halse und lockerte sich sogar die Craoatte, und setzte so seinen Lauf fort, von Zeit zu Zeit den Wagen der Tressilian'» au» den Augen verlierend, ihn aber jedermal nach kurzer Rast wieder einholend, ohne in seiner Verfolgung nur im Geringsten nachzulasten.

E» war ein langer, mühseliger Weg; aber er hatte endlich doch einmal ein Ziel. Palestro war müde und erschöpft, seine Knie zitterten und er sing schon an, seinen schwindenden Kräften und dem Manne zu fluchen, der ihn unwissentlich auf eine so wilde Jagd geführt hatte, al» die grauen Mauern von Tressiltan-Hof durch die freien Plätze de» Parke» schimmerten, da» große Gitterthor sich wüt in den Angeln drehte und der Wagen langsam auf den heimathlichen Boden einfuhr.

Endlich zu Hause!" murmelte Palestro, sich mit seinem rothseidenen Taschentuch den Schweiß von der Stirne trocknend.Ich habe mein Wild in die Höhle verfolgt. Und eine hübsche Zeit hat e» ge« i braucht nahezu drei Stunden bin ich gelaufen; i aber er soll mich dafür bezahlen. O ja, er soll - zahlen!"

Er srtzte seinen Weg langsamer fort und hüllte sich wieder in den Oberrock und den Shawl.

s Einige Minuten später langte er bei dem sreund« j lichen Häuschen an, welche» das große Gitterthor am Ende der Fahrstraße, die zu der Allee nach Tresstlian-Hof führte, bewachte.

Das Haus war von grauen Steinen erbaut, ganz von Epheuranksn umwachsen und hatte rin tleires Fenster, das auf die Gaffe hinaus lag. Eine ! Thürs ging gleichfalls nach der Straße.

i Palestro schritt nach kurzer Uebertegung auf die : Thür« zu und klopfte.' Die Frau de« Parkwächter», * eine freundliche Matrone, öffnete die Thüre und I fragte, war er wünschte.

Ich bin sehr ermüdet", sagte der Exschreiber demüthig und bittend.Ich bin einen wetten Weg gekommen. Wollt Ihr mir erlauben, mich eine kurze Zett bei Eurem Feuer auszuruhen?"

Die Frau schaute ihn scharf an. Sir war keine Freundin von Landstreichern; aber Pllestro'» sicht« ltche Erschöpfung rührte ihre Gutmüthigkeit. Er war anständig gekleidet, offenbar ein F-emder, und sein fahles Gesicht war bleich vor Erschöpfung. Sie beschloß, ihn etnzulaffen.

Kommt herein, Herr, und setzt Euch an den Kamin", sagte sie und öffnete dabei die Thüre.

Palestro verbeugte sich dankbar und betrat das freundliche, viereckige Zimmer, in welchem da« lustig flackernde Feuer sowohl Licht al« Wärme verbreitete. Die Fenster diese« traulichen Zimmer» gingen von einer Seite nach der Landstraße hinaus, und von