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auf seinem Wege des Verbrechens, noch in Bezug ■ auf eine zweite Hsirath unter seinem gegenwärtig | angenommenen Namen betrachtete. Er wußte nur zu gut, daß seine sanfte, junge Frau lieber ihr Leben opfern, al« ihm geflissentlich ein Leid zusügen würde. Und er rechnete darauf, sie in Unwissenheit über seine falsche Stellung erhalten zu können.
Eine Woche war bereits vergangen, seit Jakper Lowder seine Frau in die düstere Wildniß der Cheviot' Hügel in Northumberland gebracht hatte. Nachdem er Hefter in Gloan-Fell zurückgelassen hatte, eilte er wieder nach Glocester und Tressilian-Hof, wo er etwa dreißig Stunden nach seiner Abreise anlangte.
Weder Sir Arthur noch Blanche hatten irgend einen Argwohn geschöpft, daß mit dem vermeintlichen Guy nicht Alles in Ordnung wäre.
Lowder sagte ihnen, daß er die arme Frau Lowder bis zu dem Festlande begleitet habe, und Nie> mand zweifelte daran, daß er in London gewesen sei. Sowohl Sir Arthur als Blanche hatten seine Fürsorge und Güte gegenüber Frau Hefter Lowder sehr gebilligt, und es war leicht zu sehen, daß Low- der dadurch sehr in ihrer Achtung gestiegen wer.
Den günstigen Eindruck, den er so hervorgemfen hatte, benützend, drang er mit erneuten Bitten in Blanche, und der Erfolg derselben war, daß die Mündel des Baronets endlich schüchtern einwilligte, den Hochzeitstag zu bestimmen. Sir Arthur Tresst- lian war mit in die Berathung gezogen worden und trotz seiner schlimmen Ahnungen und seiner bösen Gedanken bezüglich seines vermeinten Sohnes hatte er in Blanche's Entscheidung eingewilligt, und der 8. Februar, der nicht einmal mehr zwei Monate fern war, war zum Hochzeitstage auserkoren worden. Der Baronet war üin Freund eines langen Brautstandes.
Er sagte sich selbst, daß die Fehler, die er tn dem Charakter Guy'« bemerkt hatte, vielleicht das Ergebniß körperlicher Schwäche und der Gedächtniß- störung wäre, welche auf die Erschütterung und Ver- letzung, die er bet dem schrecklichen Schiffdruche erlitten hatte, gefolgt waren. Er war ungeduldig, die Heirath vollzogen zu fehen, welche den Leichenstein auf das Grab seiner zertrümmerten Hoffnungen setzen sollte, aber er war mehr als je und über Alle« um Blanche's Glück besorgt. Er bemerkte die Tiefe von Lowder'« Liebe für sie und glaubte, daß ihre Neigung und ihr Einfluß den Charakter ver- edeln würde, der, wie er zu fürchten begann, sich sehr zum Schlechten verändert zu haben schien.
Der mit Blumen bestreute Pfad de« Eindringlings schien geradeaus zu dem ersehnten Ziele zu führen. Alles ging ihm nach Wunsch, kaum ein Hinderniß hatte sich ihm in den Weg gestellt. Und jetzt war der Hochzeitstag bestimmt, welcher in seine verbrecherischen Arme eine Braut führen sollte, während seine Gattin noch lebte.
Wird diese» ungeheure Vergehen an zwei liebe, vollen, unschuldigen Fraum gestattet werden? Wirb
die Gerechtigkeit des Himmels den elenden Schurken nicht ereilen, ehe er zwei Leben zerstört hat?
Jakper Lowder, der sich an seinem Triumphe ergötzte, hatte keine Furcht vor der himmlischen Gerechtigkeit.
Da der Zeitraum vor der Hochzeit nur noch ein kurzer war, wurde sogleich mit den Vorbereitungen zu derselben begonnen, Blanche und ihr Vormund hatten daher Lowder diesmal nach Glocester begleitet — die Erstere, um einige Einkäufe zu besorgen, der Baron, um einige Bücher zu kaufen, die er noth- wendig brauchte, und um für feinen Liebling mehrere kostbare Geschenks aus London zu bestellen.
Dis Gedanken an seine schöne Zukunft zerstreuten Lowder'« Besorgniffe gar bald.
„Wenn mit Tressilian etwa» geschehen wäre, würde Palestro geschrieben haben", dachte er. „Er war cinfach nichts zu schreiben. Ich war thöricht, mich nur einen Augenblick lang beunruhigen zu laffen. Thatsache ist, daß ich von meinen Erfolgen berauscht bin."
Er lächelte befriedigt, al« er weiter ging, während Palestro unermüdlich hinter ihm drein ging, ohne ihn au« den Augen zu verlieren.
Lowder näherte sich einem Modemagazin, vor welchem die TresstliawEquipage stand. Ai« er den Wagen erreicht hatte, kam Sir Arthur von einer anderen Richtung aus denselben zugeschritten. Bei dem Wagenschlage trafen die Beiden zufammen.
„Hast Du alle Deine Geschäfte erledigt, Guy?" fragte der Baronet.
„Ja, Vater. Ich hatte sehr wenig zu thun", war die Erwiderung. „Bist Du bereit, nach Hause zu fahren?"
„Vollkommen bereit. Blanche sagte, sie brauche diesen Morgen nur zwei Stunden; sie wird also bald kommen. Wir können einstweilen einsteigeu."
Sir Arthur stieg, während er sprach, in den mit Seite aurgeschlagenen Wagen und legte sein Päckchen mit den Büchern unter den Sitz. Lowder stand zögernd mit einem Fuße auf dem Schlage.
„Ich werde ein wenig in den Laden gehen und nach Blanche seben", sagte er. Wir haben keine Eile und sehe nichts lieber, als ein junges Mädchen zwischen Seide und Spitzen kramend und ganz und gar in den Einkauf vertieft."
Sir Arthur lächelte und Lowder trat in die Handlung ein. Der Baron nahm eines seiner Bücher zur Hand, und versuchte es, sich in den Inhalt desselben zu vertiefen; aber statt der gedruckten Worte gaukelte ihm immer das liebliche Gesichtchen Blanche's vor den Augen, so daß er nicht lesen konnte.
Palestro ging langsam an dem Wagen vorbei und schaute den schönen, stattlichen Baronet aufmerksam und forschend an. Dann schlenderte er wieder zurück, seine Prüfung fortsetzend, und blieb in einiger Entfernung, an einen Laternenpfahl gelehnt, stehen, scheinbar Jemanden erwartend, dabei unverwandt - nach der Thürs schauend.


