Hießener Isamilienblätter.
Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.
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Nr. 41. Samstag den 7. April. 1888.
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Aie verkorene Wiöek.
Original-Roman in 3 Bänden von Dr. Carl Hartmann-Plsn.
(Fortsetzung.)
Mit einem schweren Seufzer setzte er sich auf die Bank, die unmittelbar neben ihm sich befand. Alexondra machte eine Bewegung, als wenn sie die Treppe hinabcilen wollte, der General aber hielt ihre Hand fest.
„Da wäre denn nun da» Ende", fuhr Wolter fort, „da liegt er vor mir, der verhängnißvolle See, die letzte Zuflucht einer armen Seele, die nichts mehr zu hoffen hat auf dieser Erde. Hätte ich nur mein Vermögen verloren, ich würde nicht gezagt haben und würde von vorne wieder anfangen. Aber mein Weib, da» ich mit der ganzen Gewalt meines Herzens liebe, einem Andern abtretsn zu müssen, demselben, der mich erkannt, unter dessen Henkerbeil von nun an meine Ehre in jeder Minute vor Todesangst zucken und zittern würde, — fchen zu müssen, daß Alxandra an seiner Seite da» Glück gefunden, das sie an meiner Sette vergeben» gesucht, da» könnte ich nicht ertragen! Was zögere ich, den letzten Schritt zu thun? Möge mein Weib glücklich werden, schütze Du, metn Gott und Vater, mein gelieb- te» Kind, und vergieb mir, war ich beginnen w'll!"
Er erhob sich, aber in demselben Augenblick donnerte ein laute» „Halt!" vom Baume herunter. Erschrocken fuhr Wolter zusammen, aber da stand auch Alexandra schon neben ihm, sie schlang die Arme um seinen Nacken und mit thränevüberström- tem Gesicht rief fie au»:
„Du wolltest Dein Weib verlassen, die mit der gleichen Gewalt des Herzens Dich liebt, wie Du sie liebst! Mein Gatte, mein geliebter Mann! Wie Habs ich Dich geliebt schon seit Jahr und Tag, aber ich wagte meine Liebe Dir nicht zu zeigen, denn Du hattest mir gesagt, daß Dein Herz für die Liebe ausgestorben sei. O, des unglückseligen Mißverständnisses! Wie lange hätten wir schon glücklich sein können! Und nicht mich hat Herr v. Stolzenberg von Dir gefordert, sondern Frieda, unser Kind, da» er liebt! Und nicht zu zittern brauchst Du mehr für Deine Ehre, denn Deine Unschuld ist entdeckt, die falschen Würfel, die Du gebraucht, hat Herr v. Stolzenberg Dir in die Hand gespielt, seine eigene Gattin, Frau Schmidt, die frühere Sängerin Elfriede Bach hat ihn mrrathen."
So kam es in rascher Rede von Alexandra'«
, Lippen. Und nun trat auch der General an seine \ Seite und feine Hand ergreifend, sagte er mit von \ Schluchzen unterbrochener Stimme:
„Franz, mein Sohn, sieh her, hier steht Dein s Vater, der es tief bereut, seit vielen Jahren es f schon tief bereut hat, au» falschem Ehrgefühl Deine : Existenz verleugnet zu haben. Der Brief, den Du ! vor zwanzig Jahren an Deinen Dir unbekannten | Vater schriebst, hat mich schwer getroffen und zu- l gleich gerichtet, jede Zeile verkündete Deine Unschuld. ? Ich reiste Dir nach, um Dich in Hamburg zu suchen, - aber ich fand Dich nicht mehr I Kannst Du mir s um der Reue, um der Sehnsucht willen nach Dir, s die meine Tage vergifteten, vergeben, was ich an ’ Dir verbrochen?"
Wolter'» Kniee brachen unter ihm zusammen, er j sank kraftlos auf die Bank zurück. Er hörte deut« f lich jedes Wort, was Alexandra und der General I sprachen, und jede« Wort war die Verheißung i neuen Glückes, aber er konnte es nicht fassen, daß l Alles Wirklichkeit sei.
„Träume ich denn?" sagte er endlich. „Hst das mein Weib? Und Hst mein Weib zu mir gesagt, daß sie mich liebe?"
„Ja, ich liebe Dich, Du gelickter, theurer Mann I"
„Das klingt wie Sphärenmusik! Und da» ist ! drr General? Und er nannte mich seinen Sohn?"
„Ich bin Dein Vater, Franz, und erwarte von j Deinen Lippen ein Wort der Verzeihung."
„Es ist ein Traum, ein Traum!"
„Besinne Dich, lieber Mann", sagte Alexandra, l die sich neben ihm aus die Bank niedergelassen und ; nun ihre Hand an seine Wange legte, „es ist Deine ’ Gatttn, die neben Dir sitzt, und neben Dir steht f Dein V ter."
„So träume ich nicht, so ist Alles Wahrheit, s was ich erlebt? Sie Excellenz, sind wirklich mein .Vater? Und Du Alexandra, liebst nicht Herrn ' v. Stolzenberg?"
„Ich habe ihn nie geliebt!"
„Du liebst mich, mich?"
„Mit allen Fasern meiner Seele!"
.Das ist des Glückes fast zu viel!" tief Wolter beseitigt aus, zog Alexandra an die Brust und ein ’ langer Kuß besiegelte den neugeschaffenen Bund. : Darauf reichte er dem General die Hand und in ? der nächsten Secunde lagen auch Vater und Sohn sich in den Armen.
i Nun gab es ein Fragen und Antworten, ei« er« . «eutes Küssen und Umarmen, Selbstanklagen von


