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Pflsnzenefsir aus; man sollte eher glauben, Sie essen ordentlich Fleisch und tränken nicht übel Wein dazu.'

Hahaha" lachte er,da kann man sih-n, wie die Menschen sich irren. Seit drei Jahren schon esie ich kein Atom Fleisch und trinke weder Wein noch Bier, obschon btr Genuß von Wein nicht unter» fegt ist und bin seitdem so gesund wie ein Fisch im Wasser."

Was trinken Sie denn?" fragte ich.

Wasser, nichts als Wasser" erwiderte er schnell. siJch bin Reisender und muß als solcher recht oft an der fable dhöte mitspeisen. Ich thue dies, in­dem ich Zahle, aber ich genieße nichts, was den Grundsätzen der Vegetarianer entgegen wäre. Esse respcctive zahle ich nicht mein Couvert, so könnte man tückischerweise sagen, ich sei Vegetarianer aus Sparsamkeit, jetzt aber spucke ich den Großmäulern auf den Zopf und schwimme oben."

Als ich immer noch ungläubig den Kops schüttelte, auf die Völker hinwies, die sich fast ausschließlich von Fleischkost nähren und dabü gesund und von großer Muskelstärke sind, auch die Fleischer, die be­kanntermaßen selten hager und krank sind, als scharfes Geschütz ins Treffen führte, wurde unser Vegetarianer ordentlich wild, griff zu seinem zweiten Koffer und holte .abermals eine Menge Schriften über den Vegetarianismus hervor, welche er mit gleich verschwenderischer Hand vertheilte.

Hier", rief er;hier können Sie Urtheile von Männern der Wissenschaft sehen. Selbst Virchow Hai sich zu Gunsten des Vegetarianismus ausge­sprochen und anerkannt, daß die Zähne des Menschen gar nicht auf den Genuß von Fleisch hindeuten. Fleischfreffsn ist Sache der Raubthiere, welche haar­scharfe spitze Zähne haben, der Mensch hingegen soll Pflanzen essen, sein ganzer Organismus, insbesondere seine Kauwerkzeuge weisen mit zwingender Deutlich­keit darauf hin. Da hört jeder Zweifel auf. Ver- suchts doch, Ihr Ungläubigen I Den Stab über etwas brechen ist sehr leicht. Erst probiren, dann urtheilen. Eßt. nur ein halbes Jahr kein Fleisch und Ihr werdet gesünder sein, denn je zuvor; dankerfüllt werdet Ihr an diese Begegnung zurückdenken."

Dann griff er zum dritten Mal in den Koffer und reichte uns einen Küchenzettel für Vegetarianer, der wirklich gar nicht so uneben aussah.

Wir waren ob dieser Begeisterung eines Menschen für eine Sache, gepaart mit ungewöhnlicher Bered­samkeit, ganz verblüfft und Niemand von uns er­widerte noch etwas. Wir vertieften uns in dis uns überreichten Schriften und schwiegen.

Die Lokomotiopfeife ertönte abermals. Der Zug hielt in F., unser Vegetarianer war am Ziel. Ec erhob sich, nickle uns, freundlichlachend, Lebewöhl zu, indem er zum Abschied bemerkte:treten Ste dem Verein in Frankfurt a. M. bei, meine Herren, ich habe erst vorgestern dort einem Essen der Vegetari- i aner ungewohnt und neuerdings erfahren, wie sehr ; gut man ohne Fleisch leben kann. Es war vorzüg- !

stch und dann ist es auch billig." Drmit ging er lächelnd von dannen.

Wir drei fetzten di^Reisr noch ein Stückchen ge­meinsam fort, dann stieg auch ich, an meinem Ziele angekommrn, aus.

Der Schwärmer für Pflanzenkost kam mir erst aus dem Gedächtniß, als ich mich im Kreise meiner Angehörigen befand.--

Drei Tage später trat ich die Rückreise an. Auf derselben wollte ich einem alten Freund einen Besuch abstatten. Zu diesem Behu'e unterbrach ich meine Tour in B. Um mich ein wenig von dem Staub der Reise zu säubern, lenkte ich meine Schritte zu­nächst dem mir bekannten Hotelzur Krone" zu, dem besten des kleinen Städtchens.

Ich betrete das Gastzimmer und bleibe über» rascht stehen am Tische sitzt unser Vegetarianer vor einem Riesenbeefsteak und einer Flasche Rüdesheimer.

Durch meinen Eintritt aufmerksam geworden, hatte er aufgeblickt und mich ebenfalls sofort wieder- erkannt:Freut mich herzlich Sie wieder zu treffen" ri-f er mir lustig entgegen;Sie sind wohl erstaunt mich Fleisch essen und Wein trinken zu sehen, wie?"

Allerdings erwiderte ich, näher tretend."

Ja, mein Lieber" meinte der seltsame Apostel des Vegetarianismus,ich arbeite nach Kräften für den Vegetarianismus; ich will fünf, sechs und noch mehr Reden an einem Tag zu seiner Ver­breitung halten und freue mich auch, wenn ich' Jemanden dazu bekehre, nur soll man von mir nicht verlangen, daß ich kein Fleisch esse und keinen Wein trinke. Wenn ich kein Beefsteak und keinen Traubensaft haben soll, dann hat das Leben keinen Reiz mehr für mich. Ich mache es wie unser Pastor, wenn er von den Fasttagen predigt. Der anempfiehlt auch seinen frommen Schafen mit ernster Miene, kein Fleisch zu essen, dabei sitzt er selbst sich aber Abends seelenvergnügt vor einen mchrpsündigen saftigen Kalbsbraten. Als er dabei einst von einem frommen lastenden Pfarrkind über- rafcht wurde, soll er ruhig bemerkt haben:da ich keine Fische bekommen konnte, habe ich ein Kalb ge­nommen."

Sehen Sie, so mache ich es auch. Da ich nicht immer Wasser bekommen kann, trinke ich halt Wein und da auch Obst für mich recht oft schwieriger S« erhalten ist als Fleisch, bleibe ich bei meinem schönen saftigen Beefsteak. Und so gut wie der Herr Pastor trotz seines Kalbfleisches ein frommer Mann bleibt, bin ich trotz Wein und Beefsteak ein guter Vegetarianer.

An guten Ermahnungen lasse ich es gewiß auch nicht fehlen und mehr kann ein braver Christ am Ende nicht thun."

Habe ich nicht recht?"

Ich lachte und stieß mit ihm an auf diefleisch, essenden Vegetarianer."

Nedaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.