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er Polizeikommifsär war; sein Aeußerc« schien so wenig der Aufgabe eines solchen Mannes zu entsprechen, und doch war Körber einer der tüchtigsten und brauchbarsten Polizetbeamten. Er war noch jung, und mochte kaum 28 Jahre zählen, dennoch bekleidete er den Posten eines Kommiffärs. Seine Fähigkeiten allein hatten seine schnelle Beförderung hervorgerufen. Zu den schwersten Aufgaben wurde er verwendet, uns er war gewöhnt, daß er sie löste.
Er besaß einen Scharfblick, eine Willensstärke und Ausdauer, die zuletzt jedes Ziel, welches er sich gesteckt hatte, erreichten. Ja seiner inneren Unruhe, mit der er seinen Beruf erfüllte, lag sogleich etwas Verzehrendes. Deshalb erschien sein Körper so erschlafft, so krankhaft. Hatte er einmal einen Ent« schluß gefaßt, so fragte er nach keiner Schwierigkeit und dachte ebenso wenig daran, sich zu schonen. —
Auch die Erforschung de» Mörders des jungen Berger war ihm vorzugsweise anheimgestellt, und seit dem Tage, wo das Verbrechen bekannt geworden war, hatte er sich noch keine Ruhe gegönnt- Er hatte Reisen deshalb gemacht, war fast Tag und Nacht auf den Beinen gewesen und hatte all' seinen Scharfsinn zusammengenommen — e» war Alles erfolglos geblieben. Diese Erfolglosigkeit peinigte ihn, ließ ihm keine Ruhe. Er war erschöpft und dennoch raffte er sich stets von Neuem wieder auf, sobald ein neuer Gedanke, eine neue Vermuthung in ihm auftauchte.
Ermüdet warf er sich auf einen Stuhl, als er Pintu» begrübt hatte.
„Meine Beine tragen mich kaum noch", sprach er. „Noch einen solchen Mord — und es ist um mich geschehen — es ist zu Ende mit mir — er hetzt mich zu Tode. Bei dieser Sache hat mein Verstand sein Ende erreicht."
„Ich habe nicht» unversucht, unerforscht gelaffen. Wahrhaftig, Herr Richter» ich glaube an die ganze Geschichte nicht! Berger ist gar nicht erschaffen und ist auch nicht beraubt. Ec hat nichts weiter bei sich geführt, als den kleinen Schlüffel, ist auf dem Wegs nach Alldorf gestolpert und hat hat sich da» Loch in das Heiz gefallen. So wird er sein, und Sie müffen mir zugestehen, daß ein Mensch an einem solchen Loche sterben kann, ohne daß er erschossen wird. Und deshalb wird Unsereiner umhergehetzt! Nicht eine Stunde habe ich seit gestern Mittag Ruhe gehabt, nicht einen Augenblick gesessen. Ich war einem Menschen auf der Spur — er schien mir verdächtig, und dennoch konnte ich ihn nicht finden. Heute treffe ich ihn endlich, und e» ist ein ganz ehrlicher Setfenhändler. — Mich bringt diese Mordgeschichte noch um da» Leben. Aber wie gesagt, glauben Sie mir, Berger hat sich das Loch ln's Herz gefallen — das ist Alles!"
Lächelnd hatte der Richter ihm zngehört. Er kannte ihn ja. Mochte et noch so erschöpft fein, der Humor verließ ihn nie ganz.
„Und wie ist die Kugel in seine Brust gekom. men?" warf er lächelnd ein.
„Die Kugel — die Kugel!" ries Körber. „Sie haben Recht — die Kugel — ich hatte nicht daran gedacht. Ich werde mit einem Mediciner sprechen und ihn fragen, ob er sie nicht in früheren Zeiten verschluckt haben kann. Wr-halb sollte das nicht der Fall sein, — ich habe ja in meinem Leben schon viel mehr verschlucken müssen, als solche elende Kugel! Herr Criminalrichter, lassen S e mir den Trost, daß die ganze Geschichte so zugegangen ist, wie ich Ihnen sage! Ich verzichte auf die zehntausend Thaler Entdeckungslohn!" —
„Ich kann Ihnen den Trost nicht lassen", erwi- beite Pintu». „Der Ermordete hat doch einige Gegenstände bei sich geführt. Sehen Sie hier — die Brieftasche ist bereit» gefunden."
„Sie ist es — sie ist er!" rief er, die Brief- tasche hastig in die Hand nehmend und prüfend betrachtend. „Sie ist es wahrhaftig! Woher haben Sie dieselbe? Durch wen? Sprechen Sie doch! Ich laufe seit Wochen darnach umher, und habe nichts gefunden! Sprechen Sie!"
Der Richter zögerte absichtlich. Ihn amüsirte die Ungeduld des Kommissärs.
„Sie sagen ja immer, das Gericht wäre tobt ohne die Hilfe der Polizei, wenn es etwas Schwieriges zu erforschen gäbe", warf er ein. „Nun sehen Sie, daß doch noch einige» Leben in uns steckt." -
„Habe ich da« wirklich gesagt?" rief Körber. „Ich nehme er zurück, jeder Wort — noch mehr — ja sogar Aller, war ich noch nicht gesagt habe — nur sprechen Sie! Woher haben Sie die Brieftasche?"
Ungeduldig, erwartungsvoll stand er da. Sein Ange war ans da« G-stcht des Richters gerichtet. Der Richter thsilte ihm All-s mit, auch seinen Verdacht gegen den Förster.
„Sie irren", rief Körber. „Hellmann hat nicht» damit zn schaffen — ich kenne ihn zu genau!"
Pintu» entwickelte all' die Gründe, welche den Verdacht in ihm hervorgerufen hatten.
„Und dennoch ist er unschuldig", versicherte der i Kommissär, „mag die» Alles auch scheinbar gegen ihn sprechen."
„Und womit wollen Sie seine Unschuld beweisen ?" warf Pintus ein.
Körber befand sich in sichtbarer Aufregung.
„Ich kann es nicht beweisen", sprach er, „aber meine feste Urberzeugung sagt e» mir. Ich kenne ihn feit Jahren." ,, , u
Der Criminalrichter zuckte leichthin mit den Achseln. ..
„Ich kenne ihn auch", erwiderte er. „Ich weiß, daß er leicht erregbar und jähzornig ist, und können Sie im Vorau« die Grenze bestimmen, bi« wie weit der Jähzorn und die Macht der Eifersucht gehen? Ist Hellmann unschuldig, so wird sich die« ja am besten durch die Untersuchung ergeben."
„Dieser Verdacht kommt nicht von Ihnen, er ist nicht in Ihnen entstanden!" rief der Kommissär. „Wer hat Ihnen von dem Streite mit Berger an j dem Ballabende erzählt? Auch ich weiß darum —


