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verstecken zu können. Ja, ja, er mag im Rechte sein, natürlich, da bet ehrenhafte Majsr und sein berühmter Neffe sich andernfalls nicht für ihn vor die Bresche gestellt hätten. Aber ein Verbrecher bleibt er trotz alledem und mich gefoppt zu haben, dessen soll sich Herr Ulrich von Jmmendorf alias Adam Sturm nicht rühmen, bastaI"
Er zündete sich eine Cigarre an und begann einen neuen Feldzugsplan gegen den hinter der Verschon- zung eines hochklingenden Namens sich sicher wähnenden Gegner zu entwerfen, den er, wie er sich triumphirend sagen durfte, heute Nacht aus der angenehmen Sicherheit emporgefchreckt hatte.
Ob es klug von ihm gewesen? — Thorsen zuckte dir Achseln, er hatte seine Ueberzeugung neu bestätigt, das war mehr werth als etwaige Gegenminen feines vornehmen Wildes.
15.
Egon Dörner war am selben Abend nach Ulrich's oificieller Heimkehr zurückgekommsn und ebenfalls von der Gesellschaft, welche er bei feiner Mutter vorfand, sehr wenig erbaut gewesen.
„Laß es gut sein, mein Junge!" beruhigte ihn der Major, „immerhin besser, als wenn Du mit dem Hut in der Hand wie ein armer Reisender hättest unherwandern und Besuche machen müssen, und sozusagen stückweise zerrissen worden wärest. Deine Mama ist eine kluge Frau, sie macht es Dir bequem und was unfern Freund Jmmendorf anbetrifft —"
„Wird er kommen?"
„Nun, versteht sich, wundert mich, daß er so lange zögert; wüßte er freilich, was ihn hier erwartet, er würde sicherlich, da rr ein halber Wilder geworden, ohne Entschuldigung fortbleiben. Gegen diese Todsünde wird ihn nun wohl seine Schwester bewahren, welche natürlich ebenfalls erwartet wird."
Er streifte bei diesen Worten mit einem Seitenblick Egon's Gesicht, das die Farbe wechselte, während seine Augen freudig aufleuchteten.
„Verbrenne Dir nicht die kecken Flügel an dieser Flamme, lieber Junge!" setzte et sehr ernst mit einem unterdrückten Seufzer hinzu, „sie ist eine Jmmendorf und in Tante Jrmgard's Macht!"
„Bah, mein bester Onkel!" lachte Egon ein wenig spöttisch, „wir sind sicherlich aus anderem Holz geschnitzt und würden unser Lebensglück nicht einer selbstsüchtigen Leiche zum Opfer bringen. Meinst Du nicht, daß die schöne Hedwiga in solchem wahrscheinlich sehr unmöglichen Falle, denn wer sollte einen halben Wilden, wie ich'« doch eigentlich bin, lieben können, aber setzen wir diesen Fall, meinst Du nicht, daß sie an einer Weltreise großes Gefallen finden würde?"
„Alle Wetter, Egon, Ihr wäret wahrhaftig, fürchte ich, beide dazu im Stande."
, E'-n unmöglicher Fall, liebster Onkel!" seofste Egon, „ein wunderbarer Traum, zu schön, um
erfüllt zu werden. Aber laß uns jetzt zu der geselligen Tortur schreiten."
Sie war nicht so schlimm, diese Tortur, als der junge Doktor es fürchtete, — nicht schlimmer, als sie überall in der Welt zu finden, im Königsschloß sowohl, als in der Arbeiterhütte, wo immer nur Menschen sich gesellig zusammenfinden, um im verfeinerten Thee-Cirkel, beim lucullischen Mahl und schäumendem Champagner, oder beim Cichorien-Kaffee, bei Bier und Alkohol sich gegenseitig mit kleinen Nadelstichen der Bosheit und des Spottes das Vergnügen zu erhöhen ober abwesende Freunde einer wshlthätigen Rrintgungs-Hechkl zu unterziehen.
So war's auch hier, marktgängige Maare, wie der Major humoristisch meinte, deren gute und schlimme Eigenschaften sich die Waage hielten.
„Fordere die letzteren nicht heraus, Egon!" warnte er guimüthig, „wir sind alle nur Menschen und mit Fehlem behaftet, die Andere leider viel schärfer bemerken, als wir selber. Die Kunst zu gefallen, kann Dir doch nicht schwer werden."
„Es kommt auf die Umstände an", brummte Egon, „man kann dem Einen recht sein, und —"
Er verstummte und schritt hastig auf Ulrich von Jmmendorf zu, welcher soeben mit seiner schönen Schwester das Vorzimmer, wo sich die beiden Herren noch befanden, betrat.
Er begrüßte sie mit großer Wärme und bedauerte es in leisen Worten, daß sie nicht wenigstens heute Abend im traulichen Beisammensein geblieben.
„Gesellschaft?" wiederholte Ulrich nachdenklich, „wie schade —"
„Er ist ganz weise von meiner Schwester gehandelt", sprach der Major, „Sie müssen sich doch wieder mit der Gesellschaft affimiliren, mein junger Freund?"
„Nur ruhig", flüsterte ihm Egon in's Ohr, „ich werde die Neugierde auf mich ablsnken und der Klatschsucht hinreichenden Stoff geben."
Und der berühmte Reisende that wirklich an diesem Abend sein Möglichstes, um die Anwesenden zu unterhalten, er erzählte die wunderbarsten Reife- Märchen und zwar in einer Weise, als ob Hedwiga von Jmmendorf seine einzige Zuhörerin gewesen, was vielleicht sie selber nur ganz zu empfinden vermochte, während alle Uebrigen, vom Zauber seiner Schilderungen hingerissen, noch kein rechtes Verständ- niß für die Art und Weise seiner Huldigung hatten.
Selbst Ulrich, welcher sich leise mit Mazda unterhielt und die Regietungsräthin, die von ihrem Sohne ganz entzückt war, schienen keine Ahnung davon zu habe», während der Major innerlich entsetzt war und vor diesem Halb'Wilden ein gelindes Grauen empfand.
„Er ist wie toll vor Liebe", feufzte er in sich hinein, „und die Kleine ebenfalls, wenn meins Augen sich nicht täuschen; er hält Alle zum Besten und spricht eigentlich nur zu ihr. — Arme Kmder, Ihr seid beide verlohn, denn Tante Irmgard hält noch die Regierung in ihrer Hand."


