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Warum wundert Dich das?"
„Weil", dehnte mein Freund in seinem leisesten Ton, „weil Jshn Dwerrihouse sich vor einem Vierteljahr mit sünshunderttausend Thaler von dem Geld seiner Gesellschaft aus dem Staube machte und seitdem kein Mensch von ihm das allergeringste gehört
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John Dwerrihouse war also seit drei Monaten heimlich davongegangen und nichtsdestoweniger hatte ich ihn vor drei Stunden gesehen; er hatte seiner Gesellschaft eine halbe Million gestohlen und mir erzählt, daß er das Geld bei sich habe. Stimmten solche Widersprüche zusammen? Wie durfte er sich an dar Tageslicht wagen und gar auf seiner eigenen Bahn sich zeigen; insbesondere fragte er sich jedoch, wo war er im letzten Vierteljahr gewesen?
Derlei Bedeuten warfen wir auf; aber die Lösung war für mich nicht leicht und für den Rittmeister noch schwerer; der Hausherr freilich war noch schlimmer daran als wir, denn er war förmlich außer sich, als ich ihm in einer Stubenecke ausführlich mittheilte, was ich wußte. Nachdem am Spätabend der Besuch Abschied genommen, kam Jonathan noch in mein Zimmer hinauf und wir betrachteten die Geschichte von jedem Standpunkt, ohne zu einem Resultat zu
„Du hast Dich nicht in der Person geirrt; weil das unmöglich ist?"
Ich antwortete:
„Eben so unmöglich, als Dich mit einem beliebigen Dritten zu verwechseln."
„Es handelt sich zunächst nicht um das Aussehen im Allgemeinen, sondern um nähere Thatsacgen. Seine Persönlichkeit ist hinreichend dadurch festgestellr, daß er von dem Feuer in der blauen Stube sprach. Aber wie schaute er aus?"
„Ich glaube älter, bedeutend älter, blaß und vergrämt."
„Vergrämt soll er schon drein sehen", sprach düster mein Freund, „ob er nun schuldig ist oder nicht schuldig."
„Ich halte ihn für nicht schuldig", entgegnete ich. „Gr war nicht verlegen, als ich ihn ansprach, auch nicht, als der Schaffner die Blllet« einforderte. In der Unterhaltung erwies er sich offenherzig bi» zur Geschwätzigkeit."
„Sehr eigenthümlich, denn in Geschäften ist er sonst zugeknöpft, meisten« stumm wie ein Fisch. Er sprach ausdrücklich von sünshunderttausend Thalern, die er in brr Tasche hätte?"
„Ja."
',',Hm I meine Frau hat darüber nachgedacht und ich meine, sie könnte recht haben."
„Was schließt sie denn?"
„Sie denkt — (Du weißt, alter Freund, die Weiber versetzen sich in den Geist Dritter viel leichter, als die gescheutesteu Mannsleute), daß er mit dem 1 Geld sich während der drei letzten Monate in irgend einer abgelegenen Gegend des Landes versteckte und daß seine Gewissensbisse ihm weder erlaubten, seine Beute über das große Meer in Sicherheit zu bringen, noch dieselbe den rechtmäßigen Eigenthümern zu erstatten."
„Aber er ist ja wieder da?"
„Da liegt's. — Sie meint, er hat sich mit der l Gesellschaft ausgeglichen, das Geld zurückgegeben und I seine amtlichen Obliegenheiten mit Erlaubniß der Verwültungsraths stillschweigend und ohne Weiteres wieder ausgenommen."
„Das Letztere ist durchaus unwahrscheinlich", be- i hauptete ich. „Deine Frau beurtheilt die Sache nach ‘ der Art ihres Geschlechts und nicht aus dem Ge- I stchtspunkt eines Eisenbahn-Directors, bei denen hat t vergeben und vergeßen eine bestimmte Grenze."
„Deiner Meinung! Trotzdem finde ich keinen $ Ausweg, als in der Erklärung jener Frau. Inzwischen wollen wir morgen nach Clayborough fahren und nach Neuigkeiten umhören. Ich erinnere mich, ? Prendergast sagte, Du hättest „seine" Cigarrentasche." - „Da liegt sie."
Jelf erkannte das Ding, weil er es in den Hän- < den von Mr. Dwerrihouse öfter geschen hatte und • fügte hinzu:
j „Zum Ueberfluß ist hier auch noch sein Namens- ’ zug I und D verschlungen, wie auf seinem Briefpapier..
5 (Fortsetzung folgt. )
. Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.
wurden und schließlich ganz verhängnißschwer dreinsahen. Jnstinctmäßig fühlte ich, daß Schweigen nicht nur Gold, sondern Diamanten und Perlen sür mich gewesen wäre; ich saß da, als ob der Blitz neben mir eingeschlagen hätte und mochte den Mund nicht mehr aufthun.
Rittmeister Prendergast half mir aus der verzweifelten Lage; mit dem verzweifelten Muth eines Mannes, der sich in eine Bresche stürzt, rief er über den Tisch:
„Ich höre, Langsord, Du bist ein paar Monate in Rußland gewesen; erzähle un« mal, wie es dort drüben nach dem Kriege ausfieht."
Dieser Einfall des tapferen Gardehufaren war der Helfer in der Roth. Ich antwortete allerdings zögernd, aber er hielt die Unterhaltung im Gang; einer ober der andere beseitigte sich und wir kamen alle über die Schwierigkeit weg, obgleich sich ein sichtbarer Zwang nicht verwischen ließ. Bisher waren die Gäste schlichtweg langweilig gewesen, jetzt dagegen offenbar verlegen und ungemüchlich.
Als die Damen sich zurückgezogen hatten, setzte ich mich aus einen leeren Stuhl zu Prendergast.
„Zum Teufel, alter Freund, was ist denn los?" „Du hast John Dwerrihouse erwähnt."
„Was liegt daran? Ich traf ihn ungefähr vor drei Stunden."
„Sonderbar!" erwog der Rittmeister. „War er es auch wirklich?"
„So gewiß ich hier sitze. Wir haben zwischen London und Blackwater in einem fort geplaudert.
ober gesehen hat." *


