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Macht nicht kennen gelernt, und können dahs nicht ermessen, welches Unglück sie im Gefolge haben kann."

Wiffen Sie das so gewiß, Frau Rohdenberg? Wenn Sie bar glauben so will ich Ihnen doch eine kleine Geschichte erzählen, und daß ich darüber ruhig sprecht« kann, mag Jhn-n beweisen, daß ich in meinem Herzen Alles überwunden habe. Als ich noch Lehrer am KossernLtoriLM in L. war, da hatte ch ein junges hübfchr» Mädchen, das sich für die Oper ausbildrn waötg, im Gesang zu unter­richten. Ich war ein junger Mensch, was Wunder, daß ich mich bis über me Ohren in sie verliebte. Lange zögerte ich, ihr meine Liebe zu gestehen, denn ich war mir bewußt, kein anziehendes Aeußers zu haben. Erst, als die junge Sängerin sich rüstete, das Konservatorium zu verlassen, gestand ich ihr meine Liebe, und stellen Sie sich meinen Jubel vor, sie erwiderte mir, daß sie mich schon lange wieder- geliebt habe. Acht Tage lang genoß ich das reinste Liebesglück. Von L. reiste sie nach Berlin, wo ihr Debüt stavftnden sollte. Schon nach ihrem ersten Auftreten war ihre Zukunft entschieden, sie errang einen koloffalen Erfolg, nach wenigen Wochen nannte man sie den ersten Stern am Himmel der Kunst. In der ersten Zeit schrieben wir uns sehr flMig, ich besuchte sie einmal in der Stadt, wo sie gerade gastirte da war noch Alles beim Alten, dann wurde die Csrrespondenz etwas spärlicher, nach einem Jahr etwa erhielt ich einen Brief, worin sie mir schrieb, daß sie sich übereilt, daß sie ihr Herz nicht gekannt, daß sie für Lebe gehalten, was nur Dankbarkeit und Freundschaft gewesen. Ja, Frau Rohdenberg, damals hot mein Herz geblutet und um meinen Schmerz zu betäuben, stürzte ich mich in die Arbeit; ich componirte und was in dieser Zeit entstand, der große Cyclus von Liedern, die nach heute in jedem Conesrt, an jedem Klavier gesungen werden, die meinen Namen, meinen Ruhm begründet, entstand in dieser Zeit. Was aus dem jungen Mädchen, das mich verlassen, geworden ist ich weiß es nicht, später erfuhr ich, baß sie sich ver« hsirathet habe und noch etwas später drang das dunkle Gerücht zu mir, daß sie in einer Krankheit ihre Stimme gänzlich verloren habe."

Frau Rohdsnberg und Marquardt konnten ihr Zwiegespräch nicht weiter fortsetzen, da in diesem Augenblick die Geheimräthin sich ihnen näherte und eine Unterhaltung anknüpfte, worin sie namentlich betonte, wie überraschend zufrieden alle Mitglieder des Gesangvereins mit den Leistungen ihres Direktors seien, und wie stolz sie sich fühle, eine solche Kraft entdeckt zu haben.

In der Epheulaube war die Unterhaltung zwar eine lebhafte, aber Frau Rohdenberg würde sich ge­wundert haben, wenn sie gehört hätte, wie alltäglich in diesem Augenblicks der Gegenstand, und daß von Nichts Wichtigerem die Rede war, als vom Weiter.

Siegfried hatte noch nie in seinem Leben mit solcher Freude und Sehnsucht etwas erwartet, als den heutigen Tag. Er lieble Frieda mit der ganzen

Macht einer ersten Liebe. Schon am Uebungsabend, an dem er dirigirt hatte, war es ihm zum klaren Bewußtsein gekommen; u^b während der letzten Probe hatte er zu sehen geglaubt, daß er dem jungen hübschen Mädchen nicht gleichgültig sei. Es »ar ihm gelungen, Frieda mehrere Male abgesondert und ungestört von den Anderen allein zu spreche«. An­fangs hatte er nur roenij Worte mit ihr wechseln können, später während einer größeren Pause, als alle Sänger und Sängerinnen sich im Garten der Villa ergingen, fand sich Gelegenheit zu einem Gespräch. Er hatte sich ihr, die zuletzt aus dem Gartensalon trat, angeschlossen; Frieda war nicht im Mindesten erstaunt gewesen, als er so ohne Weiteres an ihre Seite trat und auf dem Kieswege mit ihr dahinschritt. Sie hatte sogleich begonnen, unbefangen zu plaudern.

Sie kennen den Park noch nicht, Herr Rohden­berg", sagte sie,wenn es Ihnen recht ist, so gehen wir dahin, ich möchte Ihnen denselben so gern ein­mal zeigen."

O, wie gern, gnädiges Fräulein I"

Er ist freilich lange nicht so groß", fuhr Frieda fort,als der Park auf dem Schlangenberge, dafür besteht er aber aus lauter prachtvollen, hohe« Buchen, und Buchen sind meine Lieblingsbäume."

Meine auch."

Wirklich? Dann werden Sie Ihre Freude an den unfern haben. Ich kenne nun nichts Schöneres, als in einem kleinen Walde ganz allein umher zu wandern und zu träumen."

Sie können auch träumen?"

Sie betonen so besonders das Auch?"

Weil ich ebenfalls feit einiger Zeit, was ich früher nie gekannt Habs, beständig träume, nicht allein im Schlafe, sondern auch im Wachen, wo ich gehe und stehe.

Seltsam I" sagte Frieda.Ich kann mir", Hub sie wieder an,lebhaft de» Inhalt Ihrer Träume denken; er sind schöne, herrliche Melodien, die Sie nächstens auf das Papier fetzen werde»."

Kompositionen meinen Sie? O nein, gewiß nicht."

Sie haben doch schon etwas componirt, Herr Direktor?"

Nur das, was ich für den Unterricht im General­baß csmponiren mußte; aus eigener innerer Inten­tion noch nichts. Aber jetzt plötzlich kommt mir die Lust, den Versuch zu wagen."

Und was würden Sie zuerst componiren? Eine Sonate, ein Lied ober?"

Natürlich ein Lied."

Von welchem Dichter? Vielleicht von Lenau oder Heine?"

Ich würde mir wohl selbst eins machen." So können Sie auch dichten?"

Das kann Jeder, dem das Herz voll ist."

Wäre es unbescheiden von mir, wenn ich Sie bäte, auf Ihre erste Komposition gelegentlich einm Blick werfen zu dürfen?"