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Faust an der Hüfte wie eine mißlungene Merkur- Statue, bescheiden und selbstbewußt, es fehlen ihm nur die Flügel au den feinen Lackstiefeln dazu, schade, daß nicht ganz Europa die kunstvolle Attitüde sehen kann.

Er ficht auch (ich schätze ihn hoch, aber Wahrheit über Alles) eigentlich spottschlecht und weshalb soll er es besser verstehen? Braucht er es etwa, -der nie ein Duell hatte, nie eines haben wird, der nie einen Mann beleidigt, der lieber erhaben eine Grobheit einsteckt, und wenn doch, wie es schon geschah, ein Feind ihn fordert, gerade dann seine Seelengröße und die Menschenliebe im vollen Lichte strahlen läßt! Ha! bat nicht er, der Beleidigte, mit zauberischem Lächeln um Vergebung, und die Hand im Gilet, den Finger auf der Lippe, nach einer anbetungswürdigen Verbeugung, hinaus zu schweben scheinbar besiegt, der in Wirklichkeit Sieger! Und so Etwas erfrechen sich die Menschen Feigheit zu nennen? Könnte nicht der erste beste Lümmel unsern Helden treffen? Und wer auf Erden vermöchte je so ein unbeschreibbares Wesen zu ersetzen? Männlichkeit Muth lächer­lich! Jeder Gänsejunge, jeder Zigeuner kann ihn haben, aber charmant und elegant zu sein, dazu gehört Kavaliersblut! Also er sicht schlecht, hingegen wie schön, wie göttlich schön führt er nicht die Waffe! So zierlich und rund, wie eine junge Katze, welche mit dem Knäuel spielt!

Das weibliche Geschlecht gehört ihm rettungs­los ! Die Großmuth in ihm, welche nie eine Dame nennen wird, lächelt nur tief mysteriös, wenn man von der Tugend dieser oder jener spricht, wollte er, nun er könnte von ihr Geschichten, selbsterlebte Ge­schichten erzählen, aber wie gesagt, er will absolut nicht, der Zarte, ob er gleich ihrer Liebe so gewiß ist, daß sie kein Mittel hat, ihn des Gegentheils zu überzeugen, begegnet sie ihm freundlich, folgt sie dem süßen Zuge ihres Herzens, ist sie grob armes Ding, welch' nutzlosen Kampf! schaut sie ihn an, wie könnte sie anders, wo sie doch immer nur ihn allein sicht bemerkte sie ihn gar nicht, will sie umsonst, vor aller Welt verbergen, was doch- alle Welt weiß, und sie gerade durch diese Riesenanstren- gung erst recht zeigt! Ihm selbst ist. diese Liebe sremd (seine Wiedersacher behaupten, es läge ihm im Brustkasten statt des Herzens ein Täfelchen mit Etikette-Regeln), duldet aber ihre Anbetung mit freund­licher Herablassung und dennoch spielte ihm einmal der Schelm Cupido den Streich, daß er ein ungewöhn­liches Kitzeln und Krabbeln dort empfang, wo bei gewöhnlichen Menschen das Herz pocht. Klug und besorgt, wie immer, befragte er auch seinen Arzt, ob diese seiner ganz unwürdige Schwäche nicht etwa von gestörter Verdauung stamme, aber diese Bewegung verging völlig, als er einst seine quasi Erkorene in der Loge mit dunklen Handschuhen erblickte. Sagt, was ihr wollt, er ist ein Held vom Scheitel bis zur Sohle, wenn auch weder Mars noch Minerva an seiner Wiege standen.

Die Männer können ihn nicht ausstehett. Sehr natürlich!" sagt er, wiederholt mysteriös lächelnd; er weicht ihnen nach Möglichkeit aus.

Noch einmal, noch tausendmal, er hat ganz Recht, zu behaupten, Niemand verstehe seine Größe: er ist eben unwiderstehlich!

Wer mi sch les.

Kastanien-Blüthe und -Frucht. Wenn die Kastanien, die Weihnachtsbäume des Frühlings, ihre hohe Kerzenpracht aufstecken, wer denkt in schauen­der Bewunderung dann wohl daran, daß diese herrlichen Baumkronen außer Freude und Schatten auch Nutzen, wirklichen Nutzen spenden, denn nicht nur die Kastanien des Südens, von welcher die süß­mehligen Maronen als beliebte Speise stammen, nein, auch unsere gewöhnliche, wilde deutsche Roßkastanie besitzt ihre eigenen Reize und Vortheile, ganz abgesehen davon, daß sie eine spezielle Freundin der Kinderwelt ist, die diese braune glatte Frucht in der grünen, stacheligen Hülle so gern zum frohen Spiel benützt. Soll sie doch in gar manchen Fällen nutzbar sein für Mensch und Thier! Besonders als heilkräftiges Mittel gerühmt wird die Vlüthe gegen den bösen Erb- und Allerweltsfeind: Rheumatismus. Gepflückt, in voller, erster Jugendblüthe stehend, schneidet man sie in kleine Stückchen, schüttet diese in eine Flasche, übergießt sie mit 90prozentigem Spiritus, verkorkt die Flasche ordentlich, und setzt sie 23 Wochen hindurch am Fenster dem Sonnenschein aus, um schließlich mit dieser also destillirten, abgegossenen Flüssigkeit die leidenden Theile einzureiben. Auch die braun-glänzenden Früchte sollen ähnliche Wirkung für Bäder zu demselben Zwecke üben, wenn man sie zerschnitten mit siedendem Wasser überbrüht, oder in Wasser kocht, und diesen Aufguß in das Bad des Patienten mischt. Sogar die Industrie hat bereits mit Erfolg der Roßkastanie sich bemächtigt, man verwendet zuweilen Kastanien wegen des Nährwerthes mit zur Fütterung und Mast des edlen Rindviehs (ebenso wie bei verschiedenen Krankheiten der Rosse und Rinder in Pulverform als Arzneimittel) und wegen ihres Stärkegehalts zur Fabrikation von Stärkemehl. So wirkt die Tochter Kastanum's, welche ihren Namen nach dieser Stadt Klein-Asien's führt, zu der Menschheit Nutz und Frommen, seit sie gegen Ende des 16. Jahrhunderts zuerst gen Deutschland zog, um dorthin verpflanzt zu werden, und nicht den geringsten Theil ihres Ruhmes darf der Umstaud wohl genannt werden, daß unsere schlichte, wilde Kastanie, pulverisirt als probates Mittel zum Niesen, den berühmtenSchneeberger" bilden hilft, diesen glorreichen Schnupf-Tabak, dessen Priesen und Prieschen schon so unzählige Nasen entzückten. Wohl bekomm's!

Redaktion: A. Scheyd«. Druck und Verlag der Brühl'schon Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.