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hatte, flüsterte dem Monarchen bei Vorstellung des i Ojficierr noch zu:Ist soeben zum Rittmeister be­fördert worden."

Der Kaiser sprach denselben huldvoll an und gratulirte ihm zur Beförderung zum Rittmeister. \ Freudig überrascht eilte der so apostrophirte Osficier, i der noch lange nicht an der Reihe war, Rittmeister \ zu werden, mit der Meldung zu seinem Oberst, daß ; ihm die außergewöhnliche Ehre widerfahren sei, von Sr. Majestät zum Rittmeister gratulirt zu werden. Der Oberst eilt zum Adjutanten, und da stellt es sich denn heraus, daß der Adjutant den älteren wirklich zum Rittmeister ernannten Bruder de» jun- gen Osfieiers mit diesem verwechselt hatte.

Reumüthig beichtete der Adjutant seinen Jrrthum dem Kaiser. Dieser lächelte huldvoll und sagte:

Nun, da ich Herrn M. zum Rittmeister gratu- lirte, muß er's wohl bleiben."

Nicht lange darauf war in Berlin Cour bei Hofe. Der zum Major beförderte, jedoch noch als Havpt« mann erschienene Herr v. B. wird dem Kaiser vor­gestellt und der Adjutant flüstert auch hier dem Kaiser zu:Soeben zum Major besördert." Lächelnd dreht sich der Kaiser zum Adjutanten um und sagt scherzend:

Nein, mein Lieber, darauf falle ich nicht mehr

auch, wohl scherzweise, wozu dir kleine Schublade unter der Maschinenplatte angebracht sei.Zur Aufbewahrung der kleinen Maschinen«Uteustllen, antwortete etwas verlegen die explicirende junge Dame. Der Kaiser hatte erwartet, daß dieselbe das Kästchen heransziehen würde, doch da die» nicht geschah, schloß er richtig, daß deflen Inhalt nicht ganz in der Ordnung sein möge. Mit einem lau­nigenSie gestatten wohl?" zog der Kar er die Schublade heraus, au« dem ihm ein appetitliches, belegtes Butterbrödchen entgegenglänzte. Lächelnd frug der Kaiser die Dame:

Gehört diese Uiensilie auch zur Maschine?

Gewandt entgegnete die Dame:Ja, Ew. Maje­stät, zur Maschine des menschlichen Körpers."

Angenehm berührt von der witzigen Bemerkung wandte sich der Kaiser an seine Gemahlin und sagte:Sieh', das Maschinen-Nähen scheint durch-

| aus nicht geisttödtend zu sein."

Damit wollte der Kaiser die Geistesgegenwart

der jungen Dame auszeichnen.

Wie ernst der Kaiser trotzdem seine Pflicht als oberster Kriegsherr nahm, lehrt folgender Vorfall: Der Kaiser hatte sein Erscheinen bei einer ULvung auf dem Bornstedter Felde bei Potsdam angekündigt. An dem Tage aber trat unfreundliches Wüter ein, welches für den Leibarzt de» Kaiser« Bmcanlaffung war, diesen zu ersuchen, von dem Vorhaben abzu- stehm und seine Gesundheit zu schonen. Doch der Kaiser wollte davon nichts wissen. Der Leibarzt aber begab sich nochmals zum Kaiser und bat ihn, der Hebung des rauhen Wetters wegen fern zu bleiben. Der Kaiser jedoch entgegnete :

Ein König von Preußen, der nicht mehr zu seinen Soldaten gehen und die persönlichen öp;er bringen kann, den Pflichten seine» Amte« nachzu­kommen, ist kein König mehr und müßte resign ren.

Die Witterung aber zeigte sich der Festigkeit dc« Kaisers günstig. Zur festgesetzten Stunde trat ein Umschlag ein, und so konnte der Kaiser ohne Be- I sorgniß des Leibarztes der Uebung beiwohnen. Ent- I sprechend dieser seinem Leibarzt gegebenen Antwort I ist auch die andere einem Modewaarenhändler er- 1 theilte. Der wollte gernHoflieferant" werden und I m dem Zw-ck übersandte er dem Kaiser die Zeich- I nung zu einem prachtvollen Schlafrock, welchen er I auf Wunsch dann anfertigen lassen wollte. Aber I der Kaiser ließ ihm lakonisch erwidern:

IDie Hohenzollern tragen keine Schlafröcke."

Wahrlich I Kaiser Wilhelms Leben ist Mühe und Arbeit gewesen. Er hätte derMuße mit Würde" I rheilbaftig werden können, wie nur je ein Sterblicher. I Aber wie er dieMuße" fast bis zum letzten Äthern- I rua verschmäht, wir wissen e« au« dem letzten Acten- stück welches den Schluß des Reichstags bestimmte. I Sein Bild aber, das sich aus so herrlich Großem I zusammensetzt, e« wird der Nachwelt um so leuchten- I der erscheinen, al« dessen Relief von so vielen lieb- ; I lichen kleinen Zügen gebildet wird.v- Vl.

'rein!" , \

Dem Kaiser ward alljährlich eine Liste derjenigen | Olstciere vorgelegt, welche wegen vorgerückten Alters i zur Stellung in Disposition vorgeschlagen werden. 1 Einmal war die Liste länger al» gewöhnlich aurge- | fallen. Dem Kaiser, der sein« alten bewährten I Krieger nicht gerne au« dem Dienste scheiden sah, ! wäre es lieber gewesm, die Liste hätte eine kleinere | Zahl aufgewiesen und mochte wohl nicht so lercht i seine Zustimmung geben. Da erlaubte sich der Vor- 1 tragenoe die Bemerkung,daß die Armee doch keme | Invaliden brauchen könne."

Aber mein Lieber", entgegnete der Kaiser,da müßten wir ja mit mir zuerst anfangen I"

In ganz ähnlicher, nur durch mehr launiger Weise äußerte sich der Kaiser gegenüber einem nach Berlin commandirten höheren Osficier. Der Monarch ehrte den Osficier, welchen er von früher her sehr gut kannte, durch eine längere Unterhaltung, wooei er auch auf einen verdienten alten General im Gar­nisonsorte des Osficier« zu sprechen kam.

Ja, ein tüchtiger General", sagte der Kaiser,das ist wabr, nur schade, daß er nicht mehr reiten kann."

Nach einer «einen Pause sprach der Kaiser weiter:

Ich kann ja auch nicht mehr reiten, und ich sage Ihnen" - hier neigte er sich dicht an da« Ohr des Osficier» -wenn ich ein gewöhnttcher Genera! wäre, so hätte ich schm längst den Abschied bekommen!" , m ..

Bei einem Besuchs im Victoria-Bazar in Berlin ließ sich der Kaiser, der mit seiner Gemahlin erschie­nen, von einer der Damen, um diese zu ehren, die Construction der Nähmaschine erklären. Er frug

Redactisn: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'ichen Druckerei (Fr. Chr. Pretsch) in Gießen.