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reicht nicht aus, noch mehr begreifen zu müssen, als was in den letzten Stunden auf meine Seele einge­stürmt! Mein Gatte Ihr Sohn? Und hat dieser Sohn je eine Ahnung gehabt, wer sein Vater ist?"

Nie, gnädige Frau. Aber sagen Sie mir, auf welche Weise ist seine Unschuld an den Tag ge­kommen, durch wen konnte sie an den Tag kommen?"

Durch wen? Durch die Gattin des Schurken, der damals dem Lieutenant Thalheim seine Würfel nahm und sie mit falschen vertauschte!"

Um Gotteswillen, Frau Geheimrath, wer ist es nennen Sie mir seinen Namen!"

Ich kann Ihnen das Gräßliche nicht ersparen, Sie müssen es wissen es ist Ihr Neffe, Herr von Stolzenberg!"

Großer Gott!" rief der General und sprang von der Bank empor,Felix also ist es, der meinen geliebten Sohn an seiner Ehre geschändet, der zwanzig Jahre mein Leben vergiftet, der es mit Gewissensbissen und Kummer, mit Entsagungen und Entbehrungen gefüllt hat? O, der ehrlose Bube! Aber ich will meinem Sohne eine Ehrenrettung ver­schaffen! Doch warum hat Ihr Gatte Sie nicht be­gleitet? Jetzt, da er weiß, daß seine Unschuld ent­deckt ist, hätte er doch ohne Furcht dem ehemaligen Obristen Tramm sich zu erkennen geben können?"

Er weiß es ja noch nicht, daß seine beschimpfte Ehre wieder hergestellt ist, er weiß überhaupt von all den Ungeheuerlichkeiten noch nichts weiter, als daß Herr von Stolzenberg ihn erkannt hat! Mein Gemahl ist verschwunden, Niemand hat ihn fort­gehen sehen das ist es ja gerade, was meine Seele mit Angst erfüllt. Auf seinem Tisch fand ich einen Brief, worin er mir mittheilt, daß sein Bankier Römer fallirt, daß er in Folge deffen große Ver­luste gehabt und nach Hamburg reisen müsse. Viel­leicht sei er sogar genöthigt, nach der Kapstadt sich auf den Weg zu machen. Aber es ist unfaßbar, daß er bei der Möglichkeit einer Reise, die Monate währen kann, nicht Abschied genommen hat. Die Gefahr, von der er sich bedroht geglaubt, abermals seine Ehre zu verlieren, haben in mir die Sorge wach gerufen, er könne zu einem Entschluß gelangt sein."

Beruhigen Sie sich, gnädige Frau, zu diesem unheilvollen Schritt hat er doch in diesem Augenblick noch keine Veranlassung.

Ach, Excellenz, wenn Sie wahr sprächen, wenn Sie mit Ihrer Annahme Recht hätten! Horch!" unterbrach sie sich.Ich höre Schritte, verhalten wir uns ganz ruhig. Wer auch kommen mag, ver- rathen wir durch nichts unsere Gegenwart."

Alexandra's Herz klopfte, als wenn es zerspringen wollte.

Auf dem schmalen Fußwege kam langsamen Schrittes ein Mann daher. Es war Wolter. Als er die große Eiche erreicht hatte, blieb er stehen.

Kein Laut zu hören, kein Mensch, kein Zeuge zu sehen", sprach er halblaut vor sich hin.

(Fortsetzung folgt.) .

Kleine Züge aus dem Leben des großen Kaisers.

(Nachdruck verboten.)

Er ist geweiffagt worden, daß dis Legendenbil« düng sich des Kaisers Wilhelm ebenso bemächtigen werde, wie sie sich des Großen Karl und Friedrich Barbarossas bemächtigt habe. Wir, die wir den entschlafenen Kaiser haben unter uns wandeln sehen, wir bedürfen einer solchen Legendenbildung nicht, um einen Begriff von der Größe des Dahingeschik- denen zu erhalten. Wir erwärmen und erfreuen uns noch an den kleinen Zügen, die von dem ruhm- gekrönten Herrscher bekannt geworden sind und die laut und vernehmlich die vrrständniß - innigste aller Sprachen reden: Die Sprache des Herzens. Einige dieser kleinen Züge, welche einen tiefen Einblick in das reiche Humor begabte Gemüth und das edle Herz des Kaisers uns gewähren, mögen daher selbst auf die Gefahr, daß dieses oder jenes unseren Lesern bereits bekannt sein sollte, hier an dieser Stelle einen Platz finden.

Vor längerer Zeit fahr der Kaiser in Berlin Abends allein nur mit Kutscher und Lsibjäger nach dem Vsitoria Theater. Letzterer begab sich, nachdem der Monarch aurgestiegen, in das vorn an der Straße belegen; Restaurant. Mochte nun Kaiser Wilhelm die Vorstellung nicht behagen oder sonst e*tt Grund vorliegen, genug, er verließ schon nach etwa einer Viertelstunde das Theater wieder. Der Wagen fährt vor, aber der Jäger fehlt; der Kaiser muß warten. Ein Thealerdiener folgt der Andeutung des Leibkutschrrr und holt den Säumigen. Za Tode erschrocken, stammelt dieser mit bebenden Sippen eine Entschuldigung. Dcs Kaisers ganze, überaus ruhige Antwort war:Was machst Du für Aufsehen von der Sache. Du hast oft auf mich warten müssen, jetzt h.be ich einmal auf Dich gewartet. Wir sind quitt! Ouffne mir den Wagenschlag!"

Ein alter Postbeamter fungirte im französischen Feldzuge als Cabinets-Curier. Bei bitterer Winter­kälte fuhr er einmal auf einem Leiterwagen dem König!. Havp'q-artier zu; ferne Curirrmappe hatte er neben sich gesetzt, und als er im Hauptquartier ankam, war sie verschwunden. Das verursachte natürlich große Aufregung und der Feldpostdirector jagte mit ihm sofort den Weg zurück, aber die Mappe wurde nicht gesunden. Nun mußte man die Sache dem Könige melden, und der arme Sünder glaubte fest, es gehe ihm an den Kragen. Der König in seiner herzgewinnenden Freundlichkeit aber meinte,die verlorenen ßonc<pte würden wohl aus den Acien zu ersetzen sein, die abhanden gekommenen Orden seien auch ersetzbar, und das verlorene Geld erst recht. Dem Manne soll nichts geschehen."

Bei einer Anwesenheit in Bonn hielt der Kaiser Cercle. Einer der Officiere, welche die Ehre hatten, vorgestellt zu werden, war dem Kaiser noch nicht bekannt, und d.r Adjutant, der sich vorher informirt