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Einnndzwanigstes Kapitel.

In gestrecktem Galopp fuhr der Wagen mit Alexandra auf der Chaussee nach Fichtenberg dahin. Der Mond schien mit einer Klarheit auf bte Erde nieder, daß er fast Tageshelle verbreitete. Es war, wie seit vielen Tagen, eine warme, schwüle Luft; an jedem Abend sah man leichtes Wetterleuchten, zu einem erfrischenden Gewitter kam es aber nicht. Auch heute Abend zeigten sich am Horizont schwache Blitze,

den Bahnhof und traf um zwölf Uhr in der Stadt ein. . , . _ ' 5

Zehn Minuten später hielt er tn einer Droschke - vor der Wohnung der Frau Rohdenberg.

Zu seiner Freude bemerkte er in der Rohden- berg'schen Wohnung noch Licht; es dauerte nicht lange, bis Siegfried ihm, erstaunt über seinen späten Besuch, die Hausthür geöffnet hatte und er seinem Freunde und Frau Rohdenberg in der Wohn­stube gegenüberstand.

Das Erstaunen Siegfried's und der Frau Rohdenberg über die Mittheilungen, die ihnen der Medieiner von den Ereignissen des Tages gab, war so groß, daß sie kaum vermochten, dasselbe in Worten auszudrücken und es wuchs immer mehr, als Langen­bach nun eine eingehende Schilderung von dem gab, was er heute im Jägerhaus gehört und erlebt und den Kasten auf den Tisch stellte.

Mein Gott", rief Siegfried aus,diese Figuren auf dem Deckel das ist ja der Schatz der Gräfin Fichtenberg." t

Frau Rohdenberg faltete die Hände und sagte:

Hab' Dank, mein Gott, für _ das Glück, das Du meinem Siegfried hast widerfahren lassen, o, führe diesmal Alles zu einem guten Ende!"

Der Tag graute schon, als der Medieiner sich erhob und Abschied nehmend sagte:

Morgen früh um zehn Uhr fahren wir Alle wieder nach der Schlangenburg und nehmen den Kasten wieder mit. Es hilft Ihnen nichts, Frau Rohdenberg, Sie müssen uns begleiten, und während Siegfried als Millionär im Schloß seine Werbung macht, bleiben Sie und Helene meine Braut schließt sich uns ebenfalls an so lange bei den Tanten. Was mit Herrn von Stolzenberg geschieht, mögen die Götter wissen, er ist heute nach Berlin gereist und kommt morgen Abend wieder, um auf dem Geburtstagsfest zugleich sein Verlobungsfest zu feiern: Run wohl bekomm's ihm!"

Ich werde mitgehen", erwiderte Frau Rohden- bcrß.

Langenbach nahm herzlichen Abschied. Groß­mutter und Enkel mochten die glückliche Stunde nicht enden, sie blieben noch eine halbe Stunde zu­sammen, dann suchte Jedes sein Schlafzimmer auf.

Aber Siegfried war es auch jetzt noch nicht mög­lich, einzuschlafen. Mehrere Stunden noch wachte er, dann endlich sank er, von Müdigkeit überwältigt, in einen traumlosen Schlummer.

am übrigen Himmel war nicht die kleinste Wolke zu bemerken.

Als der Wagen vor dem Portal des Fichten­berger Schlosses hielt, kam ein Diener herbei und öffnete den Schlag.

Ist Seine Excellenz zu Hause?" fragte Alexandra, während sie dem Wagen entstieg.

Seine Excellenz sind in den Garten gegangen", erwiderte der Diener,um von da einen Spazier­gang um den See zu machen."

Der Diener geleitete Alexandra bis an die Gartenthür, dann eilte sie mit raschen Schritten auf den Weg, der um den See führte. Sie sah aber nirgends ein menschliches Wesen und erinnerte sich, daß der General ihr vor einigen Tagen gesagt, er habe an den letzten Abenden längere Zeit auf der Bank in der Eiche gesessen. Wahrscheinlich war er auch in diesem Augenblick dort. Als sie der großen Eiche, um deren Stamm eine Wendeltreppe in die nicht eben hoch über dem Erdboden beginnende Krone des Baumes führte, sich näherte, hörte sie auch schon die Stimme des Generals, der von oben getunter tief *

Ah, sehe ich recht, die gnädige Frau? Es freut mich, daß Sie gerade heute hierherkommen, um sich den schwarzen See beim Schein des Mondes anzu­sehen, eine schönere magischere Beleuchtung wie jetzt habe ich in der ganzen Zeit noch nicht beobachtet. Bitte, bemühen Sie sich die Treppe hinauf."

Nachdem Alexandra sich auf der Bank neben dem General niedergelassen, sagte sie mit fliegender Btust '

Excellenz, ich komme zu Ihnen in der Angst meines Herzens, um Sie zu bitten, mir Ihre Hülfe zu leihen."

Mein Gott, Fran Geheimrath, was ist ge-

I fchehen?"

Ich weiß nicht, womit ich beginnen foll, es ! haben sich entsetzliche Dinge ereignet und ich habe I Niemanden, dem ich mich in meiner^ Noth anver- trauen könnte, als nur Sie, denn Sie stehen zu | diesen Dingen in naher Beziehung. Ein Mann, der I vor zwanzig Jahren unter Ihrem Vorsitz, Excellenz, | als ein gemeiner Verbrecher ans dem Ossicierscorps | ausgestoßen wurde, ist seit heute im Staude, voll- I gültige Beweise seiner Unschuld zu erbringen!"

Was sagen Sie, gnädige Frau", rief der General mit fast jubelnder Stimme,Ihr Gemahl hätte die Beweise seiner Unschuld gesunden?"

IMein Gemahl? So wußten Sie?"

Daß der Geheimrath Wolter und der frühere Lieutenant Thalheim dieselbe Person sind? Ach ja, gnädige Frau, ich habe ihn erkannt, hauptsächlich durch das Bild des Försters, welches ich Ihnen vor­gestern zeigte. Die Tochter dieses Försters, die mit Ihrer Frieda so große Aehnlichkeit hat, war meine Gattin, mit der ich mich heimlich als junger Lieute­nant vermählt hatte, und der Sohn aus dieser Ehe - dieser Sohn ist Franz Thalheim, Ihr Gemahl!"

O, halten Sie ein, Excellenz! Meine Kraft