schiedenen Trupp entheilen gewählten Dfftckrcn und «inem Präsidenten, dem Obristen Tramm, einem Onkel des Herrn von Stolzenberg. Sein finstere», kaltes Gesicht mit den eisernen Zügen eignete ihn besonders dazu, und wen er beim Verhör mit seinen durchbohrenden Augen anschaute, der wagte weder einen Widerspruch, noch viel weniger zu leugnen. Heute fiel Allen auf, wie bleich sein Antlitz, und als Thalheim in den Saal trat, da flüsterten unhörbar feine Lippen den Namen: „Lucius Junius Brutus", und ebenso leise fügte er hinzu: „Gott, gieb mir Kraft, daß ich gerecht richte."
Der Präsident hatte in der Mitte eines am Ende des Saal» stehenden langen Tische» seinen Platz, zu beiden Seiten von ihm saßen je sechs der Ehrenrichter. An der Längsseite des Gemachs hatten sich die neun Officiere, die als Kläger hier anwesend waren, aufgestellt, der Beklagte stand in der Mitte de» Saales.
Mit markiger, kräftiger Stimme, aber in abgebrochenen Sätzen, wie e» seine Gewohnheit war, sagte der Obrist Tramm:
„Sie, Herr Lieutenant Thalheim, sind gestern Abend in flagranti ertappt, mit falschen Würfeln gespielt zu Haven, was haben Sie hierauf zu erwidern?"
Anfangs mit etwa» zitternder, befangener, nach und nach aber mit immer festerer Stimme erklärte Thalheim, daß er nicht wisse, wie er in den Besitz der Würfel gekommen, daß er den geheimen Mechanismus derselben nicht gekannt und daß er unschuldig sei. Er habe da» feste Vertrauen, daß ihn Niemand eine» solchen Verbrechens für fähig halte und hoffe auf ein mildes Urtheil der Richter.
Als er schwieg, fragte nur noch der Präsident, ob er denn weiter nicht» hinzuzusügen habe, worauf die Kläger und der Beklagte gebeten wurden, sich zurückzuziehen. Erstere entfernten sich durch eine Seitenthür, Letzterer ging in da» Wartezimmer zurück.
Nach zehn Minuten schon wurden Alle zurückbeordert. (Fortsetzung folgt.)
Mertei Lustiges zu Weujastr.
(Schluß.)
Obwohl im Lauf der Zeiten und Begebenheiten der gute alte Brauch, sich persönlich zu Neujahr zu beglückwünschen, nach und nach mehr und mehr in eine wahre Sturmfluth von Visiten- und sonstigen Gratulationskarten sich verwandelt hat, (die Sitte der Neujahrs. Enthebungskarten zum Besten der Armen begann in Oesterreich in den zwanziger Jahren), so ist doch immerhin noch genug davon übrig geblieben, um manchen Ortes wahre Hetz- und Treibjagden in schwarzen Frack, Cylinder und wo
möglich weißer Cravatte zu unternehmen. So in Vlämisch-Belgien wo ein gar lustig Durcheinander, ein wahre» Wettrennen zu Fuß und Wagen durch die Straßen der Städte am Neujahrstag entsteht, das allerdings für den unbethMgten Zuschauer unterhaltener als für den „Mitwirkenden" sein mag! Jeder will Jeden besuchen, und das womöglich am Neujahrstag selberI Dar Andere kann sich Jeder selber denken! — Alles läuft, fährt, wirbelt durcheinander, um seinen Gönnern und Freunden, Verwandten und Bekannten den pflichtschuldigen Gratulationrtribut zu überbringen, wobei man aber wohl thut, schon mit dem ersten Morgengrauen zu beginne», damit man fertig wird.
„Ein selig Neujahr!"--„ein glückseliges
Neujahr!" ruft Alles einander zu; Süßigkeiten werben überall servirt, und nach alter Sitte kommt es vor, daß man in Antwerpen sich beim Gratulirsn küßt, ohne Unterschied des Alter» und Geschlechtes. — Ehedem war es sogar in belgischen Slädtrn üblich, ,daß reiche und freigebige Leute vor ihren Häusern für alle Passanten offene Tafel am Neujahrstage hielten, besetzt mit feinen Leckereien und Getränken.
In Holland — besonder» Friesland liebt man es, die Neujahrsglückwünsche per Schlittschuh abzu» statten! Wenn irgend menschen- d. h. uns möglich, werden die entfernter wohnenden Verwandten und Gefreundeten auf solche Art besucht und beglückwünscht, denn die Friesen, inclusive Friesinnen, find Meister in diesem Sport; sie pflegen während de» Winter« öfter auf Schlittschuhen al« auf eigenen Sohlen zu laufen und bei den stattfindenden Wettrennen auf dem Eise sieht man da» schöne Geschlecht in seiner originellen Nationaltracht so gut und siegreich als die Männer sich beteiligen.
Wie in Holland Jung und Alt gerne auf glattem Schlittschuh gratulirt, so kommen in Norwegen und Schweden die Neujahrs-Gratulanten oft meilenweit hoch zu Roß daher, obwohl die» bei Schnee, Wind und Kälte ein sehr zweifelhaftes Vergnügen ist. Diese anstrengende Höflichkeitrpflicht wird aber auch seitens der Wirths gebührend anerkannt durch die freigebigste Bewirrhung I Alles was das Hau» besitzt an Kostbarkeiten, sowohl was Geschirr als was Keller und Küche anbetrifft, wird den Gästen anfgetifcht, und da in Skandinavien fämmtliche Gratulation«- besuche auch womöglich am Neujahrstag abgemacht werden, so ist das ameisenhaste und bienenkorbartige Regen, das Überall herrscht, wohl leicht erklärliche Ebenso erklärlich ist wohl, daß diese Neujahr»- Gastereien oft sehr lustig find, besonders je mehr Strapazen damit verbunden waren, und daß Speis' und Trank dabei dann um so mehr munden.
Nicht minder gastlich geht e» zu auf der Insel Helgoland I Das einsame kleine Felseneiland in der Nordsee ist am Neujahrsfeste so.belebt wie sonst an keinem andern Tag zur Winterszeit! Stammgäste fhben freie Zeche im Wirthshau»,^ sogar Fremde


