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weiß indeß nicht, was sie enthielten — und dann noch eine Schleife von rothseidenem Bande — er hatte sie auf dem letzten Balle von Paula erhalten."
„Ihr Sohn trug eine goldene Uhr mit goldener Kette?"
„3a."
„Können Sie dieselbe näher beschreiben?"
„Nein, Beides war sehr werthvoll — die Kette lang — auch sie waren ein Geschenk von mir."
„Trug Ihr Sohn kein Geld weiter bei sich?" „Ich weiß es nicht", entgegnete der Alte, „aber ich glaube es, denn er pflegte nie ohne Geld das Haus zu verlaflen. Er besaß ein Portemonnaie mit silbernem Bügel — es war nicht mehr neu."
Der Actuar hatte auch dies Alles genau nach der Angabe des Alten ausgezeichnet.
Der Richter hatte nichts mehr zn fragen.
„Werden Sie den Mörder entdecken?" rief der Alte.
„34 hoffe, daß es mir gelingen wird", erwiderte der Richter.
Der Alte erfaßte seins Hand.
„Geben Sie sich alle Mühe —" sprach er, „laffen Sie kein Mittel unversucht — fragen Sie nicht noch den Kosten — ich stelle Ihnen mein ganzes Vermögen zur Verfügung, wenn Sie dadurch etwas erreichen. Laffen Sie bekannt machen, daß ich dem, der den Mörder entdeckt, zehntausend Thaler geben will — bieten Sie Alles auf — ich muß den sehen, der mir mein größtes Glück vernichtet hatl"
„Ich werde keine Mühe scheuen", erwiderte der Richter. „Noch Habs ich keine Spur, keinen Anhaltspunkt, keinen Verdacht, aber ein solches Verbrechen verräth stch selbst. Das ist mein fester Glaube."
„Haben Sie diesen Glauben als Crimtnalrichter schon bewährt gefunden?" warf Prell ein. „Ich glaube, daß er nur die Thorheit der Verbrecher ist, wodurch sie stch verrathen."
„Ich habe es bewährt gesunden", versicherte der Richter. „Es liegt in jeder Unthat eine unheimliche Macht. Nennen Sie es Thorheit der Verbrecher, es ist die Macht der Thal selbst, die sie treibt, vorsichtig zu sein, und dadurch meist schon eine Schlinge um ihr Haupt gelegt hat. Auf diese Macht der That vertraue ich auch in diesem Fall. Sie wissen, wie wenig Anhaltepunkte ich habe, dennoch bin ich überzeugt, daß ich einst über den Mörder dieser jungen Mannes zu Gericht sitzen werde."
„Ich wünsche es zum wenigsten", fügte der Doktor hinzu.
Der Wagen, auf welchem der Todts zur Stadt gebracht werden sollte, war angelangt — er hielt in der Nähe. Bis dahin wurde der Todts von mehreren Männern getragen. Sein Vater folgte ihm. Er war nicht zu bewegen, sich von ihm zu trennen.
Der Richter, der Actuar und Prell kehrten zu- fammen zur Stadt zurück.
„Mir bleibt noch dis schwere Aufgabe, Paula das Geschehene mitzutheilen", sprach der Doktor, als
sie sich seinem Hause näherten. „Als ich fortging, wußte sie es noch nicht. Sie ihut mir leid. Gestern hat sie sich mit ihm verlobt, und sie liebt ihn. Sie war gestern so glücklich, wie ich sie nie gesehen habe. Es wird schwer sein, sie zu trösten I"
„Sir ist noch jung", erwiderte der Richter. „Die Zeit übt auf die Jugend einen mächtigen Einfluß aus. Was sie erst so kurze Zeit besessen, wird sie bald verschmerzen. Vor ihr liegt noch ein ganzes Leben — das Alles fehlt dem alten Berg>r. Ec schien gefaßt zu sein, allein ich befürchte, daß er diesen Verlust nicht überwinden wird."
Sie trennten sich. Der Doktor betrat sein Haus. Paula erwartete ihn. Durch die Dienerin war sie bereits vott Allem unterrichtet — ihre rothgewein- ten Augen verriethen es.
Sie stürzte Prell entgegen.
„Er ist tobt — tobt?" rief sie.
!Ob sie noch Hoffnung gehabt hatte?
„Er ist tobt", bestätigte Prell.
Paula warf sich auf einen Stuhl. Auf's Neue gab sie sich ganz ihrem Schmerze hin. Prell trat zu ihr und legte die Hand auf ihren Nacken.
„Ertrage er, Paula", sprach er. „Fasse Dich, Kind, es ist geschehen und keine Menschenmacht kann es ändern. Du mußt es einmal überwinden, suche es so gefaßt als möglich zu thun. Jede Nothwen« digkeit wird leichter für uns, wenn wir mit einem festen Entschlüsse an sie herantreten."
Paula hörte die Worte nicht. Sie hätte sie in diesem Augenblicke nicht zu fassen vermocht. Zu schnell, zu unerwartet war ihr junges Glück zertrümmert. Sie weinte heftig.
„Sei ruhig — ruhig, Älnbl' wiederholte der Doktor.
Sie lehnte ihren Kopf an seine Brust. Sein Herz schlug schnell, aufgeregt — sie hörte es nicht. —
Tage lang bildete die Ermordung des jungen Berger da» Hauptgespräch in der ganzen Stadt. In den Familien, auf den Bureaux, in den öffentlichen Lokalen, an allen Orten sprach man davon. Der Todte ward in das Haus feine» Vaters gebracht und wurde am dritten Tage mit außerordentlichem Aufwande bestattet. Er schien dem Alten einigen Trost zu gewähren, daß er von seinem Reichthum, für den er keinen Erben mehr halte, so viel al- möglich an den Todten wandte.
Da» Leichengefolge war ein außerordentlich zahlreiches. Erst jetzt zeigte es stch recht deutlich, wie allgemein geliebt und geachtet der Todte war. Auch Prell folgte dem Sarge.
Fortwährend beschäftigten stch die Menschen noch mit den Vermuthungen, wer der Mörder fei. Da» Versprechen des alten Berger, dem Entdecker desselben zehntausend Thaler zu geben, war durch da» Gericht bekannt gemacht, und in mancher Brust mochte wohl die Hoffnung aufgetaucht fein, diese Summe zu verdienen.
Die Polizei entfaltete eine außerordentliche Thätig- keit, dennoch blieben ihre Nachforschungen vrrgeben».


