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Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.

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Nr. 143. Dienstag beti 4. Dez?mber. 1888.

Aunket!

Erzählung von Friedrich Friedrich.

(Fortsetzung.)

Er hatte nur dies eine Kind gehabt und all' seine ? Liebe auf dasselbe gehäuft. Hugo war sein Stolz gewesen. Freudig halte er ihn am Tage zuvor I riehen lassen, die Brust mit den schönsten Hoffnungen, mit Liebe und Glück erfüllt, und so mußte er ihn nun Wiedersehen.

Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß ein - gewaltiger, großer Schmerz am wenigsten äugen- § blicklich die Fassung raubt. Es ist, als ob die * Thränen und alle Ausdrücke des Schmerzes zu gering . für ihn wären, als ob sie nicht ausretchten, seine I ganze Größe zu umfassen.

Langsam lichtete sich der Alte empor. Er zitterte wohl, aber sein Gesicht schien abgestorben zu sein. - Was kümmerte ihn auch jetzt noch das Leben mit all' seinen Freuden und Schmerzen. Zu hoffen blieb ! ihm nichts mehr, und er hatte auch nichts mehr zu - befürchten, was nur halb an das hinreichte, was er < empfand.

Der Richter suchte den alten Berger zu trösten, i Fassen Sie sich", sprach er.Sie müssen selbst dies Entsetzliche zu tragen lernen, denn es - giebt keine Macht, es ungeschehen zu machen."

Ich bin gefaßt", erwiderte der Alte.

Er sprach diese Worte ruhig, aber so tonlos, so abgestumpft.

Auch Prell trat zu ihm, um ihm einige Worte des Trostes Mmufen.

Lassen Sie lassen Sie", wehrte der Alte ab.Für mich gtebt es keinen Trost das müssen Sie sich selbst gestehen und das empfinde ich nur zu deutlich!"

Er fuhr mit der Hand über die Stirn und ein schwerer Seufzer rang sich aus seiner Brust.

Ja. es gab keinen Trost für ihn, da« empfan­den Alle.

Wann ist Ihr Sohn nach Alldorf gegangen?" wandte fich der Richter fragend an ihn.

Der Alte mußte sich erst besinnen. Er mußte sich zwingen, einen anderen Gedanken als den feines Unglück» zu fassen.

Gestern gegen Abend", sprach er.Er mochte sechs Uhr vorbei sein, als er einen Boten zu mir sandte, durch den er mir sagen ließ, daß er nach Alldorf gegangen sei. Ich wußte Bescheid, nur ?

dann wollte er dorthin gehen, wenn ein Wunsch ihm erfüllt war."

Ich weiß er", bemerkte der Richter,er hatte sich mit Paula Braun verlobt und wollte nach All­dorf eilen, um das Gut zu kaufen den Kauf abzuschlirßen!"

Der Alte nickte zustimmend.

Führte Ihr Sohn Geld bei sich?" fragte der Richter weiter.

Ja."

Wie viel?"

Fünfzehntausend Thaler."

In Papieren?"

Wieder bejaht; der Alte die Frage durch Sticken des Kopfes.

Wissen Sie vielleicht, was für Papiere dies waren?"

Jetzt nicht hier nicht aber zu Haus in meinem Buche! Oh ich wollte ja all' mein Ver­mögen hingeben, wollte ein Bettler werden, wenn ich sein Leben damit zurückkaufsn könnte!"

Es war für den Richter peinlich, jetzt mit Fra­gen in ihn zu dringen, und dennoch konnte er nicht anders. Es hing vielleicht Alles von schnellem Han, deln ab, ehe es dem Mörder gelang, zu entkommen.

Er sprach dies gegen den Alten aus. Der Ge­danke an den Mörder seines Sohnes rief in diesem neues Lebensfeuer wach.

Fragen Sie fragen Sie!" rief er hastig. Ich verspreche Dem zehntausend Thaler, der den Mörder entdeckt. Ich halte Wort Sie Alle find Zeugen ich will das Geld auf dem Gerichte ntederlegkn! Ich muß ihn sehen, der diese That hat vollbringen können, muß wissen, ob er es nur des erbärmlichen Geldes wegen gethan hat!"

Worin trug Ihr Sohn die Papiere?" frug der Richter weiter.

In seiner Brieftasche", erwiderte der Alte. Der Gedanke, daß die« zur Entdeckung des Mörders führen könne, schärfte sein Gedächtniß, gab ihm Kraft.Sie war von schwarzem Leder sein Name, Hugo Berger, war darauf gepreßt ich selbst habe sie ihm einst geschenkt. Er hatte fie gern und pflegte fie deshalb immer zu tragen. Auch gestern trug er sie bei sich ich sah, wir er das Geld hineinlegte.

Waren noch andere Papiere darin?'.' forschte der Richter.

Ich weiß e« nicht", gab der Alte zur Antwort Doch doch!" fügte er sich besinnend hinzu, ,,e« lagen noch einige Blätter mit Notizen darin, ich