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nicht, er hat keine Waffe- ich bin ein Räuber, »ein, ein Edelmann, er bricht mir den Arm entzwei, ich steche mich mit der eigenen Spitze. Ah, ver­dammt"

Der Wärter gab ihm einen beruhigenden Trank und der Paroxirmus schien vorüber zu sein.

Thorsen, der sich geräuschlos erhoben, trat jetzt neben den Wärter.

Frage ihn, ob er den jungen Herrn von Jm- mendors drüben in Amerika, woher er jedenfalls ge, kommen zu fein scheint, gekannt hat?" flüsterte er Lüttmann zu.

Nein", versetzte dieser,er muß jetzt schlafen, man darf mit den Fiebergeistern nicht spielen. Setze Dich wieder gefälligst hinter den Schirm oder marschtre in meine Kammer, wo Du nach Belieben wachen oder schlafen magst, nur pfusche mir nicht in mein Amt."

(Fortsetzung folgt.)

Das Wenefiz der LuMönigin.

(Fortsetzung.)

Was ist das?" sprach erschreckt St rampolini krampfhaft die Hände ringend.Er hat es mir doch versprochen . . ."

Ja, aber er läßt sagen, er hätte sich anders besonnen. Auch morgen würde Niemand Lust haben, den Cirkus zu besuchen. Die Wahl heute wäre unentschieden geblieben, es fände demnächst eine Stichwahl statt."

Dem armen Strampolini fielen die Hände schlapp am Leibe herunter; wie vernichtet, als ein gebrochener Mann sank er auf einen der weiß ange­strichenen hölzernen Akrobatenstühle. Seine Wangen waren unter der Schminke todtenbleich geworden, dicke Thränen furchten das grelle Roth seiner Wangen. Die Frau Direktorin, welche sich dem Billetverkauf gewidmet hatte und soeben eintrat, ließ entsetzt die Kassenschatoulle fallen, obgleich das Holzkästchen leicht genug war. Sie hörte den Sachverhalt und weinte gleichfalls bitterlich. Die zahlreichen Kinder des Direktors eilten herbei und umgaben, einige schwache Trostworte zu äußern versuchend, den ganz geknickten Vater. Auch das gesammte Artisten -Personal, zum Theil noch nicht abgeschminkt, kam hinzu, und das älteste Mitglied der Truppe sprach im Namen Aller dem armen Direktor das innigste Mitgefühl aus. Niemand könne ihm einen Vorwurf machen, er sei ohne irgend welche Schuld den ungünstigen Verhält­nissen erlegen.

Mir thut es leid um Euch, liebe Kollegen," antwortete mit schwacher Stimme der Clown.Doch Ihr werdet wohl ein anderes Engagement finden. Aber mir und meiner armen Familie wird man das Bischen nehmen, was wir durch ehrliche, jahrelange

Arbeit erworben. Ich bin bankerott; wir können betteln gehn!"

Da trat die Königin der Luft, noch im Trikot­kostüm befindlich, einen Schritt vor :Hören Sie, Direktorchen, die Sache läßt sich vielleicht arrangieren. Das Benefiz muß jedenfalls stattfinden. Hier, Alonso, lauf zum Drucker- gieb ihm diese Brosche zum Pfand für die Plakate zu morgen. Es ist mein einziger Schmuck, ein Andenken meiner Mutter, Ihr kennt mich als anständiges Mädchen. Ich will ihn daran wagen."

Halt, Anita," protestirte der Direktor.Es nutzt nichts. Behalte den Schmuck, gutes liebes Kind. So lange die Leute die Wahlgeschichten im Kopfe haben, gehen sie nicht in den Cirkus."

Sagen Sie das nicht," meinte zuversichtlich das junge Mädchen, die Arme über dem Kopfe faltend und sich graziös in den Hüften wiegend.Mir ist eine Idee gekommen, welche wahrscheinlich gute Früchte tragen wird. Man muß die Ausführung riskiren. Sie machte eine kleine Pause, sann nach und lachte bann mit schelmischem Augenzwinkern: Ja, ja, so wird es gehen. Verlaßt Euch auf mich, Kollegen. Morgen Abend: Gut besetztes Haus, vielleicht sogar voll oder selbst ausverkauft. Ich garantiere einen genügenden Erfolg."

Was kann das sein?" murmelte nachdenkend der Direktor.Ich sehe nirgends einen Rettungsanker. Erkläre uns, was Du meinst, Anita".

Nicht doch", lehnte die Künstlerin ab.Ich sage kein Sterbenswort von dem vorher, was ich vorhabe. Auch kann Niemand von Euch mir helfen. Doch halt, eins ist nöthig" sie neigte sich zum Ohr des Direktors und flüsterte:Verschaffen Sie mir zu morgen früh einen Fahrplan der hiesigen Eisenbahnlinie. Still, keine Fragen! Vertrauen Sie mir blind. Ich schaffe Rath!"

* *

Des Vormittags 10 Uhr pflegen die Offiziere der drei in Dingskirchen liegenden Husarenschwadronen aus der Reitschule zu kommen und längst der Prome­nade am Ufer des nahen Stromes nach ihrem Kasino zu schlendern. Ueber den Strom führt eine breite Brücke, an der einen Seite für Fußgänger und Wagen eingerichtet, ander anderen Seite für die Eisenbahn­züge bestimmt. Die beiden Seiten waren durch Brustwehr und enges Eisengitter' vollständig von einander abgeschlossen, auf daß kein vorwitziges Knäb- lein von der Brücke auf das Schienengeleise hinüber­klettern könne. Das hätte ihm auch schlecht bekommen müssen, denn das Geleise (es war nur ein einziges vorhanden) lag direkt auf den Holzbohlen und dem eisernen Gitterwerk der Brücke; die etwa aus den Fenstern des Coupes schauenden Paffagiere konnten durch die breiten Lücken bis zu der Oberfläche des Stromes niederblicken, welche gerade mit mächtigen Schollen des vom Gebirge kommenden Treibeises dicht bedeckt war.

(Schluß folgt.)

SSebMtion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.