Ausgabe 
4.9.1888
 
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Kine ungkücktiche Königin.

Von Hans Sundelin.

(Schluß.)

Dieser unerwartete Schlag traf Juana bis in's innerste Mark. Sie hatte ihren Gemahl nicht nur leidenschaftlich geliebt, sondern in ihm auch die Stütze vor dem Haß ihrer Familie gefunden und nun ver­loren. Die Sage von der in Stein verwandelten Niobe schien sich zu wiederholen: unverwandten Blickes saß sie an der Leiche des geliebten Gatten. Mit teuflischer Berechnung benutzte dies ein Werkzeug Ferdinand's, der Arragonese Mosen Luiz Ferrer, indem er aussprengte, Wahnsinn habe die Königin ergriffen und sie wolle sich nicht mehr von der Leiche - trennen. Rasch traf er seine Maßregeln und führte Juana mit dem Sarge, der den tobten König barg, nach Tordesillas, vorsichtig die großen Städte und das Tageslicht vermeidend, damit die Wahrheit nicht offenbar werde und man Juana wegen solcher Vor­sichtsmaßregeln wirklich für toll hielt. In Tordesillas wurde die Fürstin in ein finsteres Gefängniß gebracht, in ein Zimmer, das nur durch eine Lampe beleuchtet war,weil welche Worte mau ihr selbst angedichtet eine Wittwe, deren Sonne untergegangen sei, auch des Himmels Sonne entbehren müsse." Ihre Behandlung von Seiten ihres Kerkermeisters Ferrer muß eine grausige gewesen sein, denn nach dem Tode Ferdinand's im Jahre 1516 setzte Liminz de Cisneras denselben wegen der Rnchlosigkeit ab, mit welcher er gegen seine Gefangene vorgegangen war, indem er ihr sogar die Cuerda ertheilen ließ, eine Tortur, bei welcher die Gemarterten unter den Armen auf­gehängt und ihre Füße mit Gewichten belastet wurden. Ferrer's Nachfolger wurde der Marquis von Denia, Bernardino de Sandavol, der nicht niel besser ge­wesen zu sein scheint. So ließ er beispielsweise keinen Arzt rufen, als Juana im Jahre 1519 schwer am Fieber erkrankte. Der einzige Trost der bedauerns- werthen Königin in ihrer Gefangenschaft war ihre, erst nach dem Tode des Vaters geborene Tochter Catilina, die sich später mit dem Könige Juan III. von Portugal vermählte.

Noch einmal sollten sich ihr jedoch die Kerkerthüren öffnen, am 24. August 1520, als Juan de Padilla an der Spitze desHeeres der Gemeinen" gegen die niederländische Fremdherrschaft protestirte. Er nahm Tordesillas ein und stellte Juana an die Spitze der Aufständischen, die sich Communevas nannten, allein die Königin verweigerte hartnäckig die Unter­zeichnung der Proklamation derselben, wozu vielleicht ein Gelübde Veranlaffung gab, das sie möglicherweise nach der einstmaligen Entlockung ihrer Unterschrift durch Comhillo gethan. Diese Weigerung entschied jedoch ihr Schicksal: am 9 Dezember 1520 mußte sie nach hundertdreitägiger Freiheit in ihr dunkles Gefängniß zurückkehren.

Jetzt begann ihr Verstand, der nach dem Zeugniß des Erzbischofs Adrian, nachmals Papst Hadrian II,

Redaction: i. B. Hermann Elle. Druck und Verlag

vom 4. September des genannten Jahres, noch völlig klar war, sich wirklich zu umuachten. Sie bereute wohl ihr Verhalten gegen die Communevas, Catilina war von ihr entfernt, nach Portugal gegangen, und ihr Sohn Karl scheint von dem angeblich bereits langjährigen Wahnsinn seiner Mutter überzeugt ge­wesen zu fein, denn er nahm auf die Bitten seiner jüngsten Schwester um nachsichtige Behandlung Juaua's, die nicht wahnsinnig sei, keine Rücksicht. Vielmehr wurde der unglücklichen Gefangenen im Mai des Jahres 1525 mehrere Male sogar die Premia" ertheilt, eine Tortur, die in Ruthenstreichen bestand. Ihr Kerkermeister, der Marquis von Denia, schrieb sogar unterm 25. Januar 1526 an den Kaiser:Wenn Ew. Majestät die Tortur gegen sie anwenden wollte, so würden Sie Gott einen Dienst leisten und an der Königin ein gutes Werk begehen. Personen ihrer Beschaffenheit haben eine solche Be­handlung zu empfangen nöthig, und die Königin, ihre Großmutter, behandelte ihre Tochter, unsere souveräne Fürstin, in gleicher Weise", wobei aller­dings zu bemerken ist, daß solche Anschauungen betreffs Geisteskranker damals allgemein waren. Nach und nach wurde die gefangene Fürstin hinfällig und verließ ihr von Unrath starrendes Bett nicht mehr, bis am 1. April 1555 der Tod ihre Leiden endete. Im Jahre 1470 geboren, hatte sie ein Alter von 76 Jahren erreicht und hiervon u e u n u u d v i e r z i g Jahre im Kerker zugebracht. Juana die Wahn­sinnige heißen sie die Geschichtschreiber gewöhnlich; richtiger wäre es wohl, sie die durch Jntrigue, Nieder­tracht und falsche Behandlung zum Wahnsinn getriebene Königin zu nennen. Eigentümlich war ihr Schicksal darin, daß das Leben, welches ihr an Philipp's Seite als dentsche Kaiserin und Königin von Spanien hätte zu theil werden können, von ihrer Nachkommen­schaft im reichsten Maße genoffen wurde. Während ihre ganze Existenz ein dumpfes Hinbrüten in dem j verdunkelten Zimmer des Palastes Tordesillas war, beherrschte ihr ältester Sohn Karl als deutscher Kaiser und König von Spanien sozusagen die Welt. Ihr zweiter Sohn Ferdinand wnrde erst König von Un­garn und Böhmen und in der Folge ebenfalls deutscher Kaiser. Ihre älteste Tochter war erst als Königin von Portugal mit dem Könige Don Manuel, nach dessen Tode mit Franz I. von Frankreich vermählt; Isabel, ihre zweite Tochter, vermählte sich mit dem Könige Christian II. von Dänemark; die dritte, Maria, mit Ludwig, König von Ungarn und Böhmen, und als dieser gestorben, regierte sie int Namen ihres Bruders, des Kaisers, die Niederlande; die jüngste Tochter Juana's, Catilina, endlich wurde als Gemahlin Jnan's III. Königin von Portugal. Die Fülle des inneren Wesens der unglücklichen Fürstin offenbarte sich am deutlichsten in ihrem ältesten Sohne, dem großen Karl V., dessen Genie ganz Europa i» Staunen setzte, in dem zuletzt aber auch die von seiner Mutter ererbte Melancholie offenkundig her­vortrat.

der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gieße«.

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