Ausgabe 
4.9.1888
 
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zensgute Major

nb ihre feinen ng eine Pracht, Tracht.

in unsere Fa­ste nach einer

auf, und ihr Lächeln.

t kopfschüttelnd, fing« höchst an-

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der Regierung-- iiinbitt und da­ch kenne", and richtig", hustete nur, merke Dir

ruhig arbeitende

e dann plötzlich le unverzeihliche ien Tode seiner iltesfe von Eber- Bürgerlichen zu coht alle Stan-

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rappant Deinem während Du in unserer schönen erhalten, ganz bist sehr schön, tten Typus der nbraune Haar, sornehmen Zug I Deine Haltung es besttzt, war Es gießt eben tzte fie seufzend

!gige Schönheit,

Tante, also keine echte Jmmendorf", konnte stch Heb« wiga nicht versagen, etwas boshast zu bemerken.

Jrmgarb's schmale Lippen zuckten aufgeregt, ihre Augen funkelten brohend.

, Eine recht unpaffende Bemerkung von Der", sagte sie mit einem starken Husten-Anfall,ich bin eine echte Lichtenstern, fürstliche Seitenlinie" m ,

Hedwiga erhob sich rasch, um der Kranken Bei­stand zu leisten, doch diese schob ste heftig zurück.

Vergieb, liebe Tante Irmgard!" bat sie schmei­chelnd,ich wollte Dich gewiß nicht kränken, aber ich bi» doch nun einmal das Kind meiner Mutter und muß das vierte Gebot, wie Du selbst es mich gelehrt, hochhalten."

Ist schon gut, Kind, gieb mir zu trinken."

Hedwiga reichte ihr ein kostbares Kelchglas, woraus die Kranke nippte, ihr dann wieder freundlich zu« lächelte und die Augen schloß.

Auf Hedwiga's Antlitz legte sich jetzt, wo sie sich nicht mehr beobachtet wußte, ein ängstlich besorgter Ausdruck. Sie horchte mit allen Sinnen und hätte am liebsten das Zimmer verlassen, um da» Resultat der polizeilichen Durchsuchung zu erfahren.

Wie viel Toderangst und Aufregung hatte sie an diesem Abend schon gehabt. Einen vorwurfsvollen Blick auf die jetzt wieder schlummernde Kranke wer- send, durchzuckte ein unsäglich bittere« Lächeln ihre feinen Lippen. Wenn die ahnenstolze Tante Jrm- gard e» ahnen könnte, um wen sie all' diese Angst erlitten und noch immer empfand? Sie, die ihre arme, bürgerliche Mutter noch im Grabe schmähte?

E» war eine traurige Geschichte, welche mit dem Unseligen, der am heutigen Abend Schutz vor dem Gesetze unter diesem Dache gesucht, im engen Zu­sammenhang stand, eine Tragödie des Hauses Jmmen- dorf, die Hedwiga's früheste Kindheit betroffen und ihr die Mutter geraubt hatte. Sie selber war noch zu klein gewesen, um den Verlust ganz empsinden zu können, zumal sie nach der Mutter Tode, von der Tante Ulrike erzogen, den Sonnenschein der Mutter- liebe niemals entbehrt hatte. Auch der Freiherr, ihr Vater, war stets gut und nachsichtig gegen die Tochter gewesen, während Tante Irmgard sie von vornherein al« einen Eindringling betrachtet und ihr später mit grausamer Offenheit die Geschichte ihrer Mutter er­zählt, wa« Ulrike sowohl wie auch den Freiherrn tief betrübt und empört hatte. Doch durfte die Kranke kein Vorwurf treffen, auch nicht die leiseste Kränkung ihr deswegen zugefügt werden; das war Gesetz im ganzen Hause.

Wa« hatte die Mutter denn so Schweres ver­brochen? Wie so oft schon sann Hedwiga auch heute Abend darüber nach, und eine tiefe Bitterkeit erfüllte ihr Herz bei dem Gedanken, daß da« Schicksal fie al« Werkzeug sich erkoren, den Mann, welchen sie tödtlich Haffen sollte, ja, dieses Haus, wo ihre Mutter so unglücklich gewesen, wo sie noch heute beschimpft worden, vor Schande und Entehrung zu bewahren.

Wenn man ihn fände", klang er in wildem

Aufruhr durch ihre Brust,hier, im Hause seiner Väter ihn seffelte, als Verbrecher in« Gesängniß ihn schleppte"

Wie Triumph leuchtete es in den braunen Augen aus, welche sich auf dir schlummernde Irmgard rich­teten. Dann aber zuckte sie zusammen, die heiße Gluth der Scham übergoß ihr Antlitz, das sie tief aus ihre Arbeit herabneigte. Sie war die echte Tochter diese« Hauses, und konnte demselben Ent­ehrung wünschen!

Hedwiga war nicht länger im Stande, ihren qualvollen Gedanken nachzuhängen. Sie warf ihre Arbeit auf den Tisch, erhob stch, um nach der Kran­ken, welche ruhig fortschlummerte, zu sehen und dann geräuschlos das Zimmer zu verlaffen.

6.

Als die schwere Haurthür stch hinter dem Polizei« Commiffar geschloffen und keine Ueberrumpelung von dieser Seite mehr zu besürchten war, schien Fräulein« Ulrike'« Kraft urplötzlich zu Ende zu sein. Sie lehnte stch hülflos, halb ohnmächtig g'gen die Wand, und «in heftiges Zittern durchlief ihre hohe Gestalt. Sie schien in diesem Augenblick um zehn Jahre gealtert zu sein, so welk und fahl war das Antlitz, so müde der Blick, so hinfällig die sonst so stolze Haltung geworden.

Und ihr Kind hat ihn gerettet!" flüsterte sie wie gcbrocher an Leib und Seele. Da klangen Jo­hann« leise Schritte durch den Corridor, schnell raffte sie stch empor, kein Diener durfte sie so erblicken. In ihiec gewohnten Haltung schritt sie rasch nach dem Cor.s-renz-Zimmer, deffen Schlüssel ste fiel« bei sich trug und das von der Durchsuchung ebenfalls nicht verschont geblieben war.

Al« sie hier eintrat, schob sie leise den Riegel vor und blieb einen Augenblick mit dem Lichte in der Hand unbeweglich an der Thür stehea, um stch vollständig zu fasten. Die jahrelange Uebung der Selbstbeherrschung ließ fie rasch da« innere Gleich­gewicht zurückgewinnen, worauf ste geräuschlos auf eine Thür zuschritt, welche in ihr Arbeite-Cabinet führte. Fräulein Ulrike war seit Jahren schon die geschäftliche Seele de« Haufe« gewele-', ein Amt, welche« ihr von dem verstorbenen Bruder, dem eigent­lichen Familienhaupte, oft genug zu einem recht dor­nenvollen bereitet worden war, und dieses Cabinet, dessen Thür sie jetzt mit fester Hand erschloß, war häufig Zeuge recht stürmischer Sc-nen gewesen, Scene«, von welchen Schwester Irmgard niemals die leiseste Ahnung erhalten.

Mit einem schmerzlich bitteren Gefühl im Herzen überschritt ste die Schwelle, wo ihrer der herbste Moment jetzt harrte.

(Fortsetzung folgt.)