Ausgabe 
4.8.1888
 
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36?

nach meiner Drohung von der vergangenen Nacht nicht gewagt haben."

Er grüßte Sir Arthur und Blanche höflich. Der Erstere erwiderte seinen Gruß kalt; die Letztere etwas verlegen. Purmton und die Diener erschie- nen mit dem Frühstück und die Drei fltzten sich an den Tisch.

Das Mahl wurde fast stillschweigend eingenom­men. Als sie endlich vom Tische aufstanden, schaute Lowder aus dem Fenster und sagte:

Es ist ein schöner Morgen zu einem Spazier­gang, Blanche? Willst Du nicht mit mir eine kleine Promenade gegen ten Fluß zu unternehmen?"

Blanche zögerte einen Augenblick und willigte dann ein. Sie eilte dann auf ihr Zimmer, um sich zu dem Ausgange zu rüsten, während Str Arthur sich in die Bibliothek begab und Lowder langsam Ueberrock und Handschuhe anzog.

Der Eindringling stand vor dem Portale und stampfte etwas ungeduldig mit den Füßen, als Blanche die Treppe herab kam.

Lowder bot ihr den Arm. Das Mädchen schien dies jedoch nicht zu bemerken, denn sie eilte die Treppe hinab und über die Wiese voraus dem Flrffe zu. Lowder folgte ihr mit raschen Schritten.

Die Tressiliar-Güter e>streckten stch über eine Meile weit den Fluß entlang. Er war keine Straße und kein Fußweg bei dem F'usse; aber Felker, für diese Jahreszeit schon auffallend grün, standen am Wafferrande.

Blanche eilte voraus, bis sie die breite Wiese überschritten hatten; aber Lowder holte sie ein, ehe sie zu dem ersten Zaune gelangte.

Es scheint mir, daß Du mir heute Morgen aur- weichen willst, Blanche", sagte Lowder etwas ärger­lich, al« er sie erreicht hatte.Dein Benehmen ist kaum das einer Braut gegen ihren Verlobten. Hat hat mein Vater Dich gegen mich aufgercizt?"

Blanche wandte sich sehr entrüstet an Lowder.

Wie kannst Du eine solche Frage stillen?" rief sie mit blitzenden Augen ou«.

Leicht genug", entgegnete Lowder, rascher gehend, um mit ihr gleichen Schritt halten zu können.Als ich Euch in dem Frühstückszimmer überraschte, schien es mir, als ob er Dir etwas über mich gesagt hätte."

Und wenn er das that, sagte er eben nichts als die Wahrheit."

Lowder's Gesicht veränderte sich.

Er hat mich also verrathen!" schrie er.Er sagte Dir, daß daß ich"

Daß Du einen Diebstahl begangen hättest? Nein, das hat er mir nicht gesagt; aber wir haben nichtsdistoweniger davon gesprochen", sagte Blanche.

Lowder's Gesicht wurde roth vor Aerger.

Fluch über ihn!" rief er aus.

Blanche unterbrach ihn mit einem leisen, ent. setzten Schrei.

Wie kannst Du r« wagen. Deinem Vater zu fluchen, Gup", tief sie aus, den Eindringling entsetzt

anschauend.Wie kannst Du es wagen, so zu mir von dem edelsten, zärtlichsten Vater zu sprechen, desien Herz Du mit Deiner Schlechtigkeit und Niedri ksit zerriffen hast? Glaubst Du etwa, daß Dein Fluch ihm Unglück bringen könne? Oh, Du bist nicht werth, sein Sohn nicht einmal würdig, fein Die- net zu sein!"

Ec hat einen wackeren Bertheidiger in Dir", höhnte Lowder.Schade, daß er Dich nicht hören kann. Er spricht von Schlechtigkeit und Verrath! Er ist der schlechteste und verrätherischste"

Halt!" befahl Blanche, während ihre grauen Augen Flammen sprühten.Ich will solche Worte von Dir nicht hören. Schämst Du Dich denn nicht Deiner selbst? Sir Arthur hat mir nicht gesagt, daß Du den Diebstahl begangen hast, sondern ich habe es ihm gesagt!"

Lowder starrte das Mädchen ungläubig an.

Hat hat er es nicht gestern Abend erst ent­deckt?" fragte er.Hat er es nicht irfahrrri, indem er meine Unterredung mit dem Italiener behorchte?"

Ich weiß nichts von Deiner Unterredung mit einem Italiener. Ich will die Wahrheit sagen. In der Nacht des Diebstahl« konnte ich nicht schlafen. Ich hör!r leise Schritte in der Halle und Räub.r desürchiend, zog ich meinen Schlafrock an, in der Absicht, Sir Arthur zu wecken. Ich ging in die Halle hinaus, verbarg mich in der Nische hinter dem bronzenen Kreuzritter und da kamst Du mit dem Kaffenschlüffel aus Sir Arthurs Zimmer heraus."

Lowder's Gesicht wurde leichenfahl.

Du hast mich wirklich gesehen?" stammelte er zurückweichend.

Ja, ich beobachtete Dich, als Du Dich schwach und zitternd in der Halle rüedersetztist. Ich sah Dich in Drin Zimmer gehen, um Licht zu holen. Dann sah ich Dich die Treppe hinabgehen, schlich Dir nach und war Zeuge de« ganzen Diebstahl«."

Lowder stieß einen heiseren, wilden Schrei au«.

Ich sah Dich mit Deiner Beate aus dem Biblio­thekzimmer-Fenster eilen", fuhr Blanche erbarmung«. los in entrüstetem Tone fort.Ich schlich ungesehen auf mein Zimmer zurück. Und gesiern Morgen schickte ich zu meinem Vormund und theilte ihm die ganze Wahrheit mit. Du kannst denken, wie schwer e« ihm wurde, dieselbe zu hören. Ich bete zum Him­mel, nie wieder Zeuge eines solchen Schmerzes fein zu müssen, wie der feinige. Mein Herz hat für ihn geblutet."

(Fortsetzung folgt.)

Etwas üöer Treppen und Treppen- getänder.

(Schluß.)

Wer ein Haus zu bauen hat, sollte im Namen der Humanität, in der Ueberlegung, daß auch er alt, oder schwach oder krüppelhaft werden kann,