Ausgabe 
3.11.1888
 
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da zeigte sich ihm plötzlich ein hochgebauter Hirsch, doch kein gewöhnlicher, denn zwischen seinen Geweihen trug er ein Bild, das Kreuz des Erlösers und eme Stimme rief ihm zu:Hubert, bekehre bitf) und suche dem Verdammniß zu entgehen!" und der jagdeifrige Rittersmann folgte diesem warnenden Zurufe, lieh ab von dem Waidwerk, legte seine Würden und Aemter nieder, verschenkte seine Besitzungen, ließ sich von dem später ermordeten und danach heilig gesprochenen Bischof Lambertus von Mastrich in der heiligen Lehre unterrichten, pilgerte nach Rom, ward feines Lehrers Nachfolger, that viele Wunder und starb am 30. Mai 727. Sein Leichnam ward zu­nächst in der Collegiatkirche von St. Peter zu Lüttich, am dritten November 743 aber am Hochaltar beigesetzt, bis er endlich in dem Benedktinerkloster Aedaine in den Ardennen, deren eigentlicher Apostel St. Hubertus gewesen, seine bleibende Ruhestätte fand. r n ,

Obwohl also Hubertus in seinem spateren Leben der Jagd entsagte, ja, sie verabscheute, ist er, rote gesagt, doch Schutzpatron der Jäger geworden und geblieben. Noch bis in dieses Jahrhundert hmem wurde sein Gedächtnißtag durch Jagden ,und Umzüge gefeiert, ihm zu Ehren wurden nach seinem Namen benannte Jagdorden gestiftet und mancherlei auf das Jagdwesen bezüglicher Aberglaube ist mit dem Heiligen und seinem Gedenktage verbunden.Mit was vor Ceremonien das St. Hubertus- und Jäger-Fest von denen Liebhabern der Jägerei) soll begangen werden," darüber findet sich folgende ergötzliche Vor­schrift aus dem Jahre 1743.Am St. Hubertus- Fest, als dem Fest des allgemeinen Jagdpatrons, soll ein jeder rechtschaffene Jäger sich auf die Jagd begeben, es wäre denn, daß er durch Eis, Kälte oder einen starken Platzregen davon abgehalten würde. Doch sollen die Freunde der Jägerep an diesem solennen Tage keinen um sich leiden, welcher wider tue Jagd- Regeln das Wild muthwilliger Weise verderbet. Wenn nun bei diesem Feste eine Frauens-Person erscheinet und solcher Jagd-Freude mit theilhaftig werden will, so soll sie gestiefelt und gespornt, auch, also gekleidet sepn, daß ihr Habit wenig oder gar nicht von einer Mannskleidung difieriren. Sie soll auch ihr Pferd auff eben die Art wie eine Manns-Perfon reiten, und Alles von ihrem Befehl und Disposition dependiren. Wenn nun einem Jeden seine Verrich­tung zugetheilet, soll man in aller Frühe mit den Hunden entweder zu Holtz oder zu Felde ziehen, Nachmittags aber die Falken in die Lufit lassen, damit die Jäger sowohl mit den Hunden als Vögeln ihre Freude haben mögen. Zum Schluß soll man sich sodann in dem nächstbesten Jäger-Hause mit einander lustig machen." In Belgien und Frank­reich geht noch heut jeder Jagdliebhaber am Hubertus­tage, das Wetter mag noch so schlecht sein, auf die Jagd. Die großen Grundbesitzer versammeln an diesem Tage alle ihre befreundeten Jäger und wenn auf ihren Besitzungen ein zehnender Hirsch, oder ein

großer Keiler steht, so wird er bis zu Hubertus aufgespart. Ueberhaupt beginnt dann überall die eigentliche Treibjagd und Beschluß des Festmahls macht allemal ein tüchtiges Jägermal. So lange der verstorbene König Leopold von Belgien zu diesem Tage regelmäßig auf sein Schloß in den Ardennen kam, fand auch stets eine feierliche Messe für die Eröffnung der Jagd in der Kirche des h. Hubertus statt und nachdem schon um drei Uhr Morgens das Signal dazu durch Trompetenschall gegeben worden war, begaben sich alle Anwesenden, Herren und Damen, in die Messe und dann nahm die eigentliche Jagd ihren Anfang.

Hubertus-Orden haben u. A. 1445 der Herzog von Jülich und Berg, 1746 der Kurfürst Clemens von Köln, 1702 der Herzog Eberhard Ludwig zu Württemberg gestiftet. Der Kurfürst Friedrich August III. aber erbaute schon 1721 und vergrößerte 1748 das bekannte Schloß Hubertusburg im Amte Mutzschen, in welchem er die glänzendsten Jagd- feste veranstaltete, alljährlich das Fest des h. Hubertus mit großem Prunke feierte und in dessen auch bei der Plünderung des Schloßes im siebenjährigen Kriege erhalten gebliebener Kapelle die Bekehrungsscene des Huberts dreimal dargestellt ist.

In Vlämisch-Belgien, werden, wie Frh. von Rems- berg-Düringsfeld mittheilt, am Hubertustags-Morgen kleine Brödchen gebacken, welchesink Huibrechts- broodje", St. Hubertusbrödchen, heißen und zu Ehren des Heiligen mit einem Jagdhorn verziert sind. Sie sind schwarz, werden in der Kirche geweiht und im Limburgerlande vom Küster verkauft, um nicht nur selbst davon zu essen, sondern sie auch von Hunden, Katzen und anderen Hausthieren freffen zu lassen. Mitunter schickt man auch nur ein gewöhnliches Brod in die Kirche, läßt es weihen und schneidet für jedes Mitglied der Familie und des Gesindes ein Stück ab, das man ißt, nachdem man das Kreuz geschlagen, um sich so das Jahr über vor der Hubertus­mut h zu sichern. Aus demselben Grunde trägt man in Köln und anderswo am Tage des h. Hubertus kleine Riemchen weiß gegerbten und mit rother Farbe bespritzten Leders am Knopfloch und Manche haben sie sogar stets bei sich als Schutzmittel gegen tolle Hunde und andere wüthende Thiere, denn der heilige Hubertus, der Patron der Jäger, wird auch als Helfer gegen die Wirkungen des Hundebisses ange­rufen, wie auch seinen Reliquien große Heilkraft bei der Wasserscheu zngeschrieben werden, weshalb noch bis heutigen Tages zahlreiche Wallfahrten nach seiner, Grabstätte stattfinden, obschon die Gebeine des Hei­ligen spurlos verschwuflden sind. ' , ,,

Wenn der Hubertustag gekontmen ist, dann wird s lebendig in Wald und Feld, dann knallt die Büchse, wird Fuchs und Wildschwein gehetzt, manchem stolzen Hirsch, mancheni feisten Hasen der Garaus gemacht. Nun lautet die Devise:Es lebe was auf Erden stolzirt im grünen Kleid!"

Nedqctiynr A. Schryda. Druck und Verlag der Brühl'scheuDruckerei Gr. Thr, Pietsch) m Gieße».