Ausgabe 
3.11.1888
 
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gnädiges Fr Mein, fie hat eine unerwartete Freuds gehabt?"

In ihrem Sinne allerdings", seufzte Ulrike, sie w ll unsere Hedwiga mit einem Rüdershausen verheirathen. Sie sind der langjährige Fccund unseres Hauses, lieber Dokior! vor Ihnen haben w r diesen schmählichen Handel nicht zu verheimlichen. Sie wissen am besten, war ein Widerspruch hier bedeutet."

Der Medicinalralh trommelte bestürzt auf sei­ner Dose.

Das hätte ich ahnen sollen", murmelte er,der Patron wäre sicherlich draußen geblieben. Ist ja aber eine ganze verflixte Geschichte, ein wahrer Hohn des Schicksale", setzte er laut und heftig hinzu,muß dieser Beelzebub noch am Schluß der Tragödie wie- der Unkraut säen und neuer Elend verbreiten? Wie ist denn dar gekommen, meine Gnädige?"

Ulrike erzählte in kurzen Worten von dem Neber- fall dieses angeblichen Nrffen und dem Inhalt des verhängnißvollen Schreibens.

Der alte Graf ist also lobt?" fragte der Arzt.

Der Neffe sagt er."

Ja, er sagt cs", nahm der Baron jetzt das Wort.Wer aber bürgt uns für seine Identität? Wer für dis Echtheit des Briefes?"

In der Thal, daran habe ich nicht gedacht", rief U'rike bestürzt,kann nicht Alles eine wohl­durchdachte Lüge fein, um Hedaizas Vermögen zu erhalten?"

Natürlich kann die ganze Geschichte ein durch­triebener Schwindel sein", pflichtete der Medicinol- rath eifrig bei,Sie haben doch an Ihren Neffen telegraphirt?"

Ec wird mit Hedwiga in einer Stunde hier sein."

Gut, der wird dem Burschen al« Haupt der Familie entgegentreten und ein Machtwort sprechen"

Woran Irmgard stirbt", fiel Ulrike händerin­gend ein.Es wäre ein directer Mord!"

Der Arzt schüttelte ungeduldig das graue Haupt.

Gut, gut", sprach er heftig,opfern Sie immer­hin ein blühendes Leben, um einer Sterbenden noch einige Tage ihres selbstsüchtigen, nutzlosen Daseins zu fristen, ich will keinen Antheil daran haben, will nicht helfen, ein neues Opferlamm zu schlachten, wo der Tod immerhin die größte Wohlrhat» eine Gnade Gottes für die Sterbende, welche schon längst keinen Willen mehr hätte besitzen dürfen, und auch für die Lebenden wäre."

Seien Sie nicht ungerecht, Herr Medicinal- rathl" bat der Baron, einen bekümmerten Blick auf Ulrike, die bleich und starr vor sich hin blickte, werf?nb.Wir Männer verstehen ein selbstloses, aufopferndes Frauenherz niemals ganz zu würdigen, weil wir uns stets vom Egoismus leiten lassen. Unsere theuere Freundin hier, verzeihen Sie, daß ich Sie so zu nennen wage, meine Gnädige, hat stets für diese Schwester gelebt und den einzigen Lohn nur in der heiligsten Pflichterfüllung, und der Stimme des Gewissens gefunden. Was wissen wir von einem solchen Dasein, Herr Doktors

Haben recht, haben recht, Herr Baron I" ver­setzte der alte würdige Arzt gerührt,nehmen Sie eine Prise, um das Gehirn zu schärfen und einen vernünftigen Plan zu ersinnen, den vermaledeiten Feind aus dem Felde zu schlagen."

Der Baron drückte ihm die Hand und nahm wehmüthig lächelnd eins Prise.

Sie verzeihen dem alten Polterer, meine Gnä­dige, nicht wahr?"

O gewiß, weil Sie nur gar zu sehr im Richt sind, lieber, alter Freund", sprach Ulrike, dem Medi- cmalrath die Hand reichend.Was aber soll ich thun, um dieser furchtbaren Lage zu entgehen? Ich würde mit meinen Zweifeln und Vorstellungen lei unserer Kranken nichts ansrichten, sondern nur Oel in's Feuer gießen. Von Ihnen nimmt sie ebenso wenig irgend welchen Rath an"

Weiß, weiß", fiel der Arzt achselzuckend ein, kenne hinreichend ihre Vorurthetle, ihren Adelstolz, duldet mich nur als unabwendbares Uebel."

Er fchnr-pfte heftig mehrere große Prisen und lachte dann leise in sich hinein.

Nun, so schlimm ist sie nicht", entgegnete Ulrike mit leisem Vorwurf,Irmgard weiß Ihre Ver­dienste sehr wohl zu würdigen und schenkt Ihnen großer Vertrauen."

Schon gut, es war nicht schlimm gemeint, blei­ben wir bei der Sache, meine Gnädige. Da wir beide nicht zu Rathgebern taugen, muß unsere Wahl auf den Baron fallen; ich halte ihn für den Geeig- r elften dazu."

,,' dachte von vornherein an Sie, lieber Baron l" sagte Ulrike mit einem bittenden Blick.

Du mein Himmel, ich sagte es Ihnen ja bereits vorhin, Fräulein Ulrike!" rief der Baron triumphi- rend.Bevor der Medieinalrath eintrat, hatte ich den Plan schon gefaßt. Jetzt schläft unsere theure Kranke wohl?"

,Sie wollte schlafen, als ich sie verließ", nickte der Arzt.Ich glaube jrdoch nicht, daß die Auf. regung sie dazu hat kommen lassen." (Forts, folgt.)

Zum Kuöertustage.

(3. November.)

(Nachdruck verboten.)

Der 3. November ist dem heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, als Gedächtnißtag geweiht. Die Legende erzählt von ihm, er sei ein Sohn des Herzogs Bertram von Guienne gewesen, habe zur Zeit Pipin's von Heristal gelebt und in der Jagd seinen größten Genuß gefunden. Als prevöt de France und Palastmeister Pipin's gab ihm diese Stellung vollauf Gelegenheit, seiner Leidenschaft zu fröhnen, und selbst die Feiertage der Kirche ver­mochten nicht, ihn davon abzuhalten. So begab sich Hubert auch einstmals am ersten Weihnachtsfest­tage in den Wald, lies seine Hunde los und folgte ihnen voller Jagdbegier, als sie, wie es schien, die Fährte eines Wildes angenommen hatten. Aber siehe!