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Irmgard hatte diese Worte mit dem Aufgebot ihrer erlöschenden Kräfte halblaut, doch deutlich ge- I nug, um von allen Anwesenden verstanden zu werden, I hervorgrstoßen.

SchwesterI" rief Ulrike außer sich,Du willst | Hedwiga diesem fremden Manne, den sie nie gesehen - hat, verloben, ohne sie zu fragen?"

Ich will dafür sorgen, daß nach meinem Tode I der Name des freiherrlichen Geschlechts von Immer« j darf nicht durch Mesalliancen geschändet werde", flüsterte die Kranke,willst Du mich mit Deiner Heftigkeit tödten? O Gott, wie grausam und selbstsüchtig Du bist, Ulrike!"

Der Baron hatte in feiner Angst und Rathlosig« | leit das Zimmer verlassen, um den Arzt und die | barmherzige Schwester zu holen, wofür Ulrike ihn ; mit einem dankbaren Blick belohnte.

Ohne Zögern schritt der Arzt an's Bett und i gebot sofort die strengste Ruhe für die Kranke, was f natürlich die Räumung des Zimmers zur Folge hatte, i

Der junge Graf Rüdershausen verabschiedete sich ; von Irmgard, welche ihm die eiskalte Hand zum - Kusse überließ, aber kein Wort mehr hervorzubringen vermochte. ;

Draußen im Wohnzimmer sprach Ulrike mit vor Erregung zitternder Stimme:Ich hoffe, mein Herr! $ daß jene abscheuliche Komödie, welche Ihr tobtet r Oheim noch aus dem Grabe heraus vor feinem j Opfer soeben in Scene gefetzt, stch niemals verwirk- \ lichen werde, ja, ich fordere dies von Ihrer Ehre, i als einen Beweis der Sühne, welche der Tobte in ; schmachvollen Schimpf verwandelt hat. Meine Richte i wird niemals ihre Einwilligung zu diesem Menschen- \ schacher geben."

Der Graf zuckte die Achseln, verbeugte sich und \ versetzte kalt:Ich weiß, daß der Wille Ihrer Schwe- ! ster maßgebend ist in diesem Hause und werde mich i auf das Zeugniß des Herrn Barons nölhigenfalls! stützen müssen, da diese Heirath unter allen Umstän- f den verwirklicht werben muß. Inzwischen empfehle ; ich mich Ihnen, meine Gnädigste! um heute i Abend die Ehre zu haben, meine Verlobte zu - begrüßen." -

Er verbeugte sich auch gegen den Baron, der i alle Fassung verloren zu haben schien, und verließ ; das Zimmer mit dem blastrlesten Gesichte von der s Welt. Draußen empfing ihn der alte Johann, um \ ihn zur Hausthür zu geleiten und gleich darauf hörte man den Wagen fortfahren. \

Großer Gott!" stöhnte Ulrike, in einen Sessel f niedersinkend,das fehlte uns noch in zwölfter Stunde. I So mußte dieser verhaßte Name noch Unheil bis 5 zum letzten Athemzuge säen und auch die Herzen der - zweiten Generation brechen. Was wird Hedwiga dazu sagen?" -

Sie wird nein und dreimal nein zu diesem - schmählichen Handel sagen", rief der Baron in edlem ! Unwillen. 5

Und Irmgards rasche Auflösung herbeiführen", klagte Ulrike händeringend. ,6

Lieber Gott, das wäre zu schrecklich, und gewiß die nothwendige Folge ihrer so sehr natürlichen Wei­gerung", seufzte der ölte Herr, rathlos die Hände faltend.

Ja, thsurer Freund! Sie wissen am besten, wie jeder Widerspruch sie errezen und ihren Tod beschleunigen kann. Aber, wenn ich auch mein eigm Glück als Opfer bringen bart, habe ich damit das Recht mit erkauft, von Andern dasselbe zu ver­langen? Mein Gott, mein Gott, wer hilft mir über diesen neuen Jammer hinweg!"

Der Baron hatte die stolze, ruhige Ulrike, deren Selbstbeherrschung ihn stets mit scheuer Bewunderung erfüllt, niemals so fassungslos, fo verzweifelt gesehen. Es bewegte ihn fast zu Thränen, er ergriff ihre Hände, führte sie an feine Lippen und bat sie, auf Gott zu vertrauen, welcher jdenfalls die trostlose Nacht erhellen werde.

Wenn Herr, Ulrich mit der Schwester kommt, wird auch die Kranke sich dem Haupt der Familie beugen müssen, und er wird doch sicherlich kommen."

Ja, das ist auch meine letzte Hoffnung", seufzte Ulrike, stch wieder aufrichtend,aber nicht wahr, Baron, Sie verlassen mich nicht, bleiben heute hier? Allein ertrüg' ich es nicht, ihre Reden anzuhören."

Ich bleibe hier, meine Gnädige! gewiß", ver­sicherte der alte Herr,und mir fällt da auch ein guter Gedanke ein, den ich recht diplomatisch ausnutzen werde. Lassen Sie mich nur machen, liebes Fräulein Ulrike, unsere Kranke vertraut mir vollständig, ich weiß es, und der liebe Gott wird's mir gewiß nicht als Sünde anrechnm, wenn ich unsere theure Irmgard noch in den letzten Augen- blicken ihres leidensvollen Daseins vor einem zweiten schweren Unrecht bewahre."

Sie wollten das bewerkstelligen, bester Freund?" fragte Ulrike mit einem schwachen Lächeln,nun, ich würde Sie bis an mein Ende segnen. Gott gebe, die beiden Kinder würden durch irgend ein Hinderniß in der Residenz zurückgehalten."

In diesem Augenblick öffnete der alte Arzt un­angemeldet die Thür und schaute forschend in's Zimmer.

Nun, da sind Sie ja, meine Gnädige, und auch der Herr Baron!"

Mit diesen Worten trat er ein und zog die Thür vorsichtig hinter stch in's Schloß.

Eine schöne Aufregung, das muß ich sagen", polterte er,weshalb hab' ich's gelitten?? das wollen Sie doch fragen, meine Herrschaften?"

Ja, Herr Medicinalrath!" versetzte Ulrike,in Ihrer Hand lag es, großes Unheil zu verhüten."

Na, daran stirbt sie nicht", lächelte der alte Arzt, mit großem Behagen auf seine Schnupftabaks­dose klopfend, und dem Baron eine Prise bietend. Nein, haben den Appetit verloren, Herr Baron? Unbesorgt, daran stirbt unsere Kranke nicht, im Gegentheil, dieser Besuch kann die Katastrophe noch um einige Wochen hinausschieben. Nicht wahr, mein